Preisträger

Nach 2015 wurde der Preis zum zweiten Mal vergeben.

Lichthof Theater, Hamburg

Tanzhaus nrw, Düsseldorf

Theater Naumburg

Sophiensaele, Berlin

Schaubude Berlin

E.T.A. Hoffmann Theater, Bamberg

TJG Theater Junge Generation, Dresden

Theater & Philharmonie Thüringen, Gera

Stendal l Der rote Teppich vor dem Haupteingang strahlte schon im Sonnenlicht, als am Donnerstagnachmittag im Kleinen Haus des Theaters das Symposium im Rahmen der Verleihung des Theaterpreises des Bundes begann. Der wurde am Abend von Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, überreicht. Als ihre Stellvertreterin begrüßte Sigrid Bias-Engels die Symposiumsteilnehmer.

Enttäuscht zeigte sie sich über einen Artikel in einer Berliner Tageszeitung, in dem stand, dass der Preis noch seinen Sinn suche. „Das ist ein Theaterermutigungspreis“, stellte die Kulturbeauftragte der Bundesregierung klar. Er soll vor allem die kleinen und mittleren Theater sowie die Spielstätten der freien Szene würdigen. „Die Kommunen sollen stolz auf ihre ausgezeichneten Spielstätten sein und den Preis auch als Verpflichtung sehen“, fügte sie hinzu. Gerade in Zeiten wachsenden Rechtspopulismus und antiintellektueller Strömungen komme dem Theater eine wichtige Rolle zu.

Im ozeanblauen Zug zum Publikum

Zu den Preisträgern 2015 gehörte ebenso wie das Theater der Altmark Jens-Erwin Siemssen. Er ist seit 26 Jahren Leiter des Theaterprojektes „Das letzte Kleinod“. In seinem Impulsvortrag ließ er seine Zuhörer ein „ozeanblaues Wunder“ erleben. Gemeint waren damit die Waggons des spielhaus- und bühnenlosen Ensembles. Sie stehen im stillgelegten Bahnhof Geestenseth (Kreis Cuxhaven). Einige dienen den Schauspielern als Unterkunft – „Anders als in den Städten können wir ihnen kein Ein-Zimmer-Apartment mit Sushi-Bar um die Ecke bieten“ –, es gibt einen Speisewagen und einen Waggon, in dem Kindertheater gespielt wird. Ansonsten spielen die Niedersachsen an Originalschauplätzen: Industrieruinen, Hafenanlagen, Militärbrachen. An der Nordseeküste habe der Himmel für eine Beleuchtung gesorgt, die kein Lichtdesigner der Welt zustande bekommen hätte, beim Spiel in einer Kältekammer (-24 Grad) wurden die Zuschauer mit Schlafsäcken und Wärmflaschen ausgerüstet. Angereist wird stets mit dem ozeanblauen Zug.

Bilder

Politik und Kultur

Nach den vielen kreativen Impulsen widmete sich eine Podiumsrunde der Frage „Was Theater leisten: Kunst versus bürgerschaftliches Engagement?“ Zu der Diskussionsrunde gehörten mit Annette Schwandner (Kulturausschuss der Kultusministerkonferenz), Marc Grandmontagne (Deutscher Bühnenverein), Klaus Hebborn (Beigeordneter für Kultur, Deutscher Städtetag) und Tom Wolter (Bundesverband Freie Darstellende Künste) durchaus hochkarätige Teilnehmer.

Recht deutlich wurde, dass Kunst und bürgerschaftliches Engagement sich überhaupt nicht als Gegner gegenüberstehen müssen, sondern sich ergänzen können. So gebe es in den Städten öffentliches Theater, während im ländlichen Raum die freien Gruppen einen höheren Anteil hätten, zu denen eben auch die Bürgerbühnen gehören. Allerdings gebe es auch negative Einflüsse der Bürgerschaft, etwa den Thügida-Theaterboykott in Altenburg. „Da muss man dann Kante zeigen“, meinte Wolter. Es sei wichtig, darin war sich die Runde einig, dass sich die Politik, auch die auf Kommunalebene, wieder mehr der Kultur annimmt.