Stendal l Karin Nelius bezeichnet ihren Garten am Wiesenweg in Stendal als ein Naturparadies. Das Gelände ist weitläufig und naturbelassen. „Hier laufen öfter mal Rehe herum, es waren schon einmal sechs auf einen Schlag“, erzählt sie. Ihr achtjähriger Enkel Frederic spielt gerne im Garten und auch der sechsjährige Nachbarsjunge Bannet. „Umso mehr bin ich jetzt entsetzt, was ich im Garten vorgefunden habe“, sagt Nelius. Sonntagmittag fand sie in einem Gebüsch den Torso eines Rehs. „Das sieht nach einem Wolfsriss aus“, sagt die Stendaler Geschäftsfrau, die unlängst erst einen Jagdschein erworben hat.

Wildschweine und Waschbären töten Rehe

Eine Bestätigung darüber gab es am Montag indes noch nicht. Das Umweltamt des Landkreises war informiert, auch zwei Jäger sahen sich die Reste des zerfledderten Tieres an. Eine Beurteilung gab es vorerst noch nicht.

Auch das Kompetenzzen­trum Wolf in Iden war am Montag informiert. Wolfsexperte Andreas Berbig wollte an Hand von Fotos keine Rückschlüsse ziehen. Ein solches Schadbild bei einem Reh könne mehrere Ursachen haben. Es müsse festgestellt werden, was für Bissspuren möglicherweise noch vorhanden seien. Auch Wildschweine oder auch Waschbären würden auf Reh losgehen, sagt Berbig. Vom Reh im Wiesenweg sind gerade noch der Kopf und die Vorderbeine erkennbar. Die Rippen sind vollkommen freigelegt. Am Sonntag war noch frisches Blut erkennbar.

Für Karin Nelius ist es in diesem Jahr nicht der erste gruslige Fund auf ihrem Grundstück. Bereits im Februar hat sie Reste eines Rehs unterm Küchenfenster entdeckt. Das Landesamt für Verbraucherschutz mit dem Fachbereich Tiermedizin untersuchte das Tier. Man habe ihr gesagt, dass das Tier bereits schon länger tot gewesen und wohl schon an anderer Stelle verscharrt worden sei. Einen Wolfsriss wollten die Experten nicht darin sehen, sagt Karin Nelius.

Dass es nun einen neuerlichen Fund gab, verunsichere sie ungemein, sagt sie.