Stendal l In den vergangenen zehn Jahren flogen regelmäßig Austauschschüler aus der Altmark über ein Bundestag-Stipendium in die USA. Diese Förderung wird auch für junge Berufstätige angeboten, vergeben wurde sie allerdings selten. Florian Sell, Metallbauer in einem Kümmernitzer Familienbetrieb, ist in dieser Region nun der erste seit mindestens zehn Jahren, der mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm (PPP) in die Vereinigten Staaten reist.

Sell war auch der einzige Bewerber 2019, nachdem er durch Zufall und über die Handelskammer auf das PPP aufmerksam wurde. Dennoch musste er erstmal den Abgeordneten Marcus Faber (FDP) mit seiner Bewerbung überzeugen.

Dies gelang, sodass er nun Anfang August mit 74 anderen Bundestagsstipendianten in die USA fliegt, um dort die Schul- und Berufswelt kennenzulernen. Vor dem Abflug trafen sich Sell und Faber noch einmal, damit Sell ihm von seinen Plänen für das Auslandsjahr erzählen und von Faber ein Abschiedsgeschenk mit altmärkischen Spezialitäten entgegennehmen konnte.

Glück beim Reiseziel

Ähnlich wie beim Stipendium hatte der 21-jährige auch bei seinem Wunschziel nur wenig Konkurrenz: Er fliegt nach Alaska, das bei Bewerbern sonst eher unbeliebt ist. Für den Hobby-Angler und selbsternannten Naturmenschen ist der Bundesstaat aber optimal – nicht umsonst führt zum Beispiel die offizielle Seite des Staates das Erlangen einer Fischer- oder Jagdlizenz noch über Tipps für die Jobsuche auf.

Wegen der Nähe zur Natur und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, die auf seine Hobbies zugeschnitten wirken, meldete er sich freiwillig für den abgelegenen Riesenstaat an. Als unerwarteter Vorteil kam außerdem ein Angel-Shop hinzu, der direkt neben dem Haus seiner Gastfamilie auf der Halbinsel Kenai steht.

Der Kenai Nationalpark und der Berg Denali (inoffiziell auch Mount McKinley genannt) sind weitere Ziele, die er sich für seine Reise gesteckt hat. An einer Jagd teilzunehmen, plant er ebenfalls – bei der kann er allerdings nur als Zuschauer mitmachen, da die Nutzung von Waffen durch das Austausch-Programm untersagt ist.

Die Schulbank wird Sell in der Zeit auf dem Kenai Peninsula College drücken. Das College steht also schon mal fest, vieles andere muss aber noch organisiert werden.

Job suchen

So muss Sell sich zum Beispiel einen Job suchen, ein Auto sowie eine neue Fahrerlaubnis zulegen, Versicherungen abschließen und seinen Handyvertrag umstellen. Eine Auffrischung der Englischkenntnisse ist auch nötig - für einen Intensivkurs fliegt er vor der Reise noch ins englische Cambridge.

Nach seinem Jahr in Übersee hat Sell zunächst nicht vor, noch länger dort zu bleiben. Dazu gibt es allerdings ohnehin keine Möglichkeit: Sein Visum ist nur für zwölf Monate ausgelegt, danach verhängt der amerikanischen Gesetzgeber eine zweijährige Arbeitssperre in den USA.

In der Zeit ist nur der Aufenthalt als Tourist möglich. So richtig sah er die USA aber sowieso noch nie als Option zum Auswandern, wie er erzählt: „Ich habe darüber noch gar nicht richtig nachgedacht. Eigentlich geht es uns ja gut hier.“