Stendal l Seit Dienstag steht ein 29-jähriger Heimbewohner aus Uchtspringe wegen Vergewaltigung vor der 1. Großen Strafkammer am Landgericht Stendal. Der laut Anklage wegen „mittelgradiger Intelligenzminderung mit besonders schweren impulsiv-aggressiven Verhaltensweisen“ vermindert schuldfähige Angeklagte wird beschuldigt, am 26. August vorigen Jahres eine Mitbewohnerin mit Gewalt zur Duldung des Geschlechtsverkehrs gezwungen zu haben.

Mit dem gebürtigen Staßfurter befindet sich eine 26-Jährige auf der Anklagebank. Sie lebt ebenfalls in dem Heim in der Uchtspringer Emil-Kraepelin-Straße. Sie ist der Beihilfe zur Vergewaltigung angeklagt.

Laut Anklage traf sich das Trio am Haus 128. Der Angeklagte wollte demnach Sex mit dem Opfer und packte dazu Kissen und eine Decke ein. Hinter dem Haus, quasi in aller Öffentlichkeit, fragte er sie „wollen wir f...?“ Das spätere Opfer verneinte. Daraufhin soll er die Frau gepackt haben. In der Anklageschrift heißt es weiter, dass er ihr Hose und Schlüpfer herunterzog, und sie auf dem Rücken zu liegen kam.

Weitere schwere Straftaten zu erwarten

Er legte sich auf sie, sie wehrte sich weiter und schrie „ich will nicht“. Hierauf soll die Mitangeklagte dem Opfer gedroht haben: „Wenn Du jetzt nicht mitmachst, haue ich Dir eine rein.“ Die Frau gab nachfolgend den Widerstand auf. Weil weitere schwere, gleichgeartete Straftaten zu erwarten seien, komme die Unterbringung des Angeklagten im Maßregelvollzug in Betracht, hieß es weiter in der Anklage.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 29-Jährige wegen Vergewaltigung einer Mitbewohnerin vor dem Landgericht steht. Im Vorjahr wurde er allerdings freigesprochen, weil das seinerzeitige Opfer, offenbar aus Angst vor dem Angeklagten, die Erstaussage zurückzog und sagte: „Der war es nicht“.

Angeklagter sitzt in Haft

Im Vorjahr wurde er wegen anderer Delikte lediglich zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, die er derzeit verbüßt. Auch diesmal geht es noch um zwei weitere Anklagen.

So soll er am 25. Juni und am 19. August vorigen Jahres Mitarbeiterinnen beziehungsweise Mitbewohnerinnen bedroht und beleidigt haben. Von „krankenhausreif schlagen“ und „ich werde dich abstechen“ war in der Anklage die Rede.

„Ich sage nix“, gab der 29-Jährige beim Prozessauftakt von sich. Die Mitangeklagte tat es ihm gleich. Vier Verhandlungstermine unter erschwerten Corona-Pandemie-Bedingungen hat die Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Simone-Henze von Staden bislang für den Fall angesetzt. Wie Gerichtssprecher Michael Steenbuck auf Nachfrage sagte, drohe für Vergewaltigung im besonders schweren Fall, von dem hier wohl auszugehen sein könnte, eine Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bis zu 15 Jahren.