Stendal l Dustin Schuchholz ist leidenschaftlicher Radfahrer. Als er sich vor einigen Jahren zwischen dem Kauf eines neuen Rades oder eines Autos entscheiden musste, war schnell klar, worauf es hinauslief. Den eigenen Pkw schaffte er ab, seitdem bewegt sich der gebürtige Stendaler nur noch auf zwei Rädern durch seinen Wohnort Bremen. Sei halt alles in allem praktischer, nennt er den Grund. Keine Parkplatzsuche, mehr Bewegung im Alltag.

Ganz unproblematisch sei sein Alltag als Radler trotzdem nicht. Das hat etwas mit dem Verhältnis zu den Autofahrern zu tun. Obwohl der 32-Jährige betont, kein prinzipielles Problem mit jenen zu haben. Nur sei der Verkehrsraum aus seiner Sicht leider ein wenig ungleich verteilt. „Deutschland ist nun mal ein Autoland. Da bleibt in den Städten für Radfahrer leider oft zu wenig Platz übrig“, beschreibt er, was ihn umtreibt. Mit anderen Worten: Ein Stück weit mehr Gleichberechtigung zwischen den Autofahrern und Radfahrern täte gut.

Critical Mass hat spontanen Charakter

Deswegen macht er seit gut einem Jahr auf sein Anliegen aufmerksam. Zuerst in Bremen, seit einiger Zeit auch in seiner Heimat. Denn der fühlt sich der studierte Nautiker immer noch eng verbunden, obwohl er sie vor 13 Jahren aus beruflichen Gründen verlassen hat.

Bilder

Mit welchem Mittel versucht er, für fahrradfreundliche Städte zu werben? Die Antwort fällt kurz aus: Critical Mass (englisch: Kritische Masse). Dabei treffen sich hauptsächlich Radfahrer, um zusammen durch eine Stadt zu touren. In Großstädten gehört diese Aktionsform fast schon zum Alltag. In Hamburg beteiligten sich einmal mehr als 4000 Menschen an der Aktion. „Die Route wird von denen bestimmt, die an der Spitze der Gruppe fahren“, erklärt Dustin Schuchholz das Konzept. Dadurch erhalte das Ganze einen spontanen Charakter. Nachdem er bereits in Bremen diverse Aktionen organisiert hatte, ist es am kommenden Wochenende in Stendal so weit. Um 18 Uhr treffen sich die Teilnehmer auf dem Marktplatz. Wo es dann ganz genau hingeht, weiß der Initiator noch nicht: „Wahrscheinlich zu Beginn durch die Breite Straße, danach ist die Route offen.“ Etwa 30 Teilnehmer werden erwartet. „Wahrscheinlich ist der Leidensdruck der Radfahrer in Bremen höher als hier. Aber auch in Stendal hat die Aktion ihre Berechtigung“, schätzt er ein.

Es ist keine Demonstration

Um eine offizielle politische Demonstration handelt es sich bei der Critical Mass nicht. Trotzdem hat Dustin Schuhholz die nötigen Absprachen mit der Polizei, dem Ordnungsamt und dem Landkreis getroffen. Für den Organisator ist außerdem klar, dass sich die Teilnehmer an Regeln halten müssen. Vogelwild wird der Tross nicht durch Stendal fahren. „Bürgersteige sind natürlich tabu“, nennt er ein Beispiel. Die Radfahrer sollten außerdem an den Mund-Nasen-Schutz denken und die Abstandsregelungen einhalten. Ansonsten sei es erlaubt, der Veranstaltung einen lockeren Charakter zu verleihen. Soll heißen: Fahrräder dürfen geschmückt werden, gegen Musik sei nichts einzuwenden. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass er aus dem fernen Bremen die Aktion auf die Beine stellte? „Das Internet macht es möglich“, gibt er eine einfache Antwort. Im März hatte er auf der Plattform Instagram auf sein Anliegen aufmerksam gemacht. Schon kurze Zeit später gingen die ersten Rückmeldungen bei ihm ein. Der Allgemeine Deutscher Fahrradclub (ADFC) schrieb ihn an, genauso die Stendaler Ortsgruppe von Fridays For Future. Stetig wuchs damit der Kreis der Unterstützer.

Aktion soll Dauerbrenner werden

Dustin Schuchholz hegt deshalb die Hoffnung, dass es nicht bei einer Ausfahrt bleibt. Die Critical Mass soll zu einem Dauerbrenner werden: „Wenn wir uns an jedem letzten Freitag im Monat treffen, wäre das eine tolle Sache.“ Deshalb wird er in den kommenden Monaten weiter für das Projekt werben.

 

Treffpunkt ist am Freitag um 18 Uhr auf dem Marktplatz.