Tangermünde l „So ein schlechtes Wetter hatten wir noch nie“, sagt Christine Pfaff mit Blick gen Himmel. „Wir waren auf gutes Wetter eingestellt und mussten deshalb erst einmal unsere Outfits überdenken.“

Dem Wetter ist es auch geschuldet, dass das geplante Programm ein wenig kompakter gestaltet wird. „Wir werden unser Radrennen um eine Stunde vorziehen“, erklärt Christine Pfaff. Und auch der Abschluss-Corso soll nach vorn verlegt werden, damit die Teilnehmer nicht zu lange bei diesem urgemütlichen Wetter ausharren müssen.

Radrennen vorgezogen

Für die Teilnehmer mit ihren historischen Zweiräder scheint das Wetter an diesem Sonnabend jedoch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Da ist beispielsweise Edd Turner aus Stendal mit seinem Rennrad dabei. In letzter Sekunde trifft er für das vorgezogene Radrennen auf dem Markt ein, meldet sich an, legt die Stoffarmbinde mit der Startnummer um und steht freudestrahlend am Start. Kaum hat Christine Pfaff die Startklappe zusammengeschlagen, tritt der gebürtige Engländer mit voller Kraft in die Pedale und hält das Tempo auch fünf Stadtrunden lang bei. Er überholt sogar einige der Radrennenteilnehmer. Und er hat bei jeder Runde noch Kraft und Muse, den Zuschauern am Straßenrand zuzuwinken. Im Ziel angekommen, gibt er zu verstehen: „Hätte ich auch so ein historisches Rad gehabt, wie die anderen hier, hätte ich das Rennen genossen. Aber mit einem Rennrad muss ich ja schnell fahren.“

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Ein Hingucker während dieser fünften Auflage des Radrennens war der Niedersachse Christian Steyer. Er war mit seinen Hochrad Teilnehmer des Rennens. „Im vergangenen Jahr hatte ich durch Zufall von dem Vintagerennen erfahren. Jetzt wollte ich unbedingt dabei sein“, erzählt er. Seit gut einem Jahr ist der Mann aus Isingerode bei Wolfenbüttel im Besitz seines Hochrades. Er hatte sich das Rad extra anfertigen lassen, bekam dafür vom Hersteller eine kurze Einweisung und fährt es seitdem zu jeder freien Minute. „Immer stilecht“, versichert er. Das bedeutet: Wenn Christian Steyer auf sein Hochrad steigt, dann niemals in Jeans, sondern so, wie die Menschen zu Hochradzeiten gekleidet waren.

Dass das Kopfsteinpflaster in Tangermünde nicht die optimalsten Voraussetzungen für eine Hochrad-Tour bietet, weiß der 41-Jährige. Die Vollgummiräder und die gesamte Radkonstruktion lassen jede Unebenheit spüren. „Da federt überhaupt nichts“, gibt der Hochrad-Liebhaber zu verstehen. „Deshalb habe ich mir heute auch extra eine gepolsterte Unterhose angezogen.“

Tandems kommen gut an

Rund um das Radrennen ist der Marktplatz mit zahlreichen Ständen ausgestattet. Kinder können hier kreativ tätig werden, alte Kinderspiele ausprobieren, einen Geschicklichkeitsparcours mit alten Kinderrädern absolvieren. Die Kindertanzgruppe des Karnevalvereins unterhält auf dem Marktpflaster mit drei Showeinlagen. Es gibt zu essen und zu trinken. Tangermünder Händler sind mit ihren Angeboten vertreten und erstmals sind auch die Simsonfreunde der Stadt dabei.

Außerdem hat sich die Schweizer Garde auf ihren Rädern unter Leitung von Lutz Rüdiger wieder mit in das Bild des Tages integriert und nimmt am Radrennen teil.

„Die Tandems, die uns Florian Stiegler besorgt hatte, kommen richtig gut an“, freut sich Christine Pfaff, ein weiteres Highlight an diesem Tag bieten zu können. Für einen kleinen Obolus ist es möglich, sich die alten Tandems zu mieten und damit seine Runden durch die historische Altstadt zu drehen.