Stendal l Michael Zill hat zwei Leidenschaften: Horror und Heavy-Metal-Musik. Wer vor seinem Auto steht, dem verrät er damit kein Geheimnis. Denn der Audi 80 ist ein kleines Horrorkabinett auf vier Rädern. „So sieht es aber auch bei mir zu Hause aus“, sagt der 42-Jährige, der im Hofer Ortsteil Trogen wohnt. Der Sarg auf dem Dach, Zombies und Körperteile auf der Rückbank und im Kofferraum, ein Minischädel auf dem Schaltknüppel, viel Kunstblut – und jede Menge mehr Details. „Basteln ist generell mein Hobby“, erzählt Michael Zill. Für die Wohnung und die Autodekoration gilt das ebenso wie für den Audi selbst.

Auto auseinander genommen

Vor vier Jahren hat er ihn sich gekauft, da war das Fahrzeug in keinem guten Zustand. „Mit der ersten Roststelle hat es angefangen, dann kam immer mehr dazu, eine Baustelle nach der anderen. Irgendwann habe ich gesagt: ‚Jetzt reicht es‘, die Flickschusterei wollte ich nicht mehr“, so der Bayer. Er hat den Audi komplett auseinander genommen und (repariertes oder erneuertes) Teil für Teil wieder zusammengesetzt. Was ihn besonders freut: Am Ende gab es die TÜV-Plakette. „Das ist mein Alltagsauto, damit fahre ich jeden Tag zur Arbeit.“ Der Sarg fährt dann aber nicht auf dem Dach mit, auch andere Figuren bleiben daheim.

So komplett ist der Horror-Audi nur bei Autotreffen zu sehen. So wie am Wochenende in Stendal. Für Michael Zill der erste Besuch in der Altmark – und ein zufälliger. „Ich wollte eigentlich zu einem Metal-Festival nach Leipzig, habe aber keine Karte mehr bekommen.“ Aber weil seine Frau arbeiten musste, wollte er auch nicht das Wochenende allein daheim sitzen. Er recherchierte und stieß auf das VW-Treffen in Stendal. Das ist ja so weit nicht von Leipzig entfernt, sagte sich der 42-Jährige, denn als eingefleischter Metal-Fan hatte er vor Ort noch versucht, doch noch eine Karte zu bekommen. Gab es aber nicht: Pech für ihn, Glück für die Teilnehmer und Besucher des Treffens auf dem Borsteler Flugplatz. Denn die bekamen so eines der am kreativsten gestalteten Fahrzeuge zu sehen, die auf den Platz gerollt waren.

Bilder

Wie auf einem Campingplatz

„Ich bin halt der Lachs, der gegen den Strom schwimmt“, sagt der Hofer und meint damit, dass er nicht wie viele andere sein Auto mit jenem Spoiler oder diesen Felgen ausstatten wollte. Es sollte etwas ganz Besonderes sein. Zill: „Man muss sich damit identifizieren.“ Das halte er im Leben so, und eben auch bei seinem Auto, das eine Botschaft habe, sagt er und schlägt nachdenkliche Töne an: „Es geht nicht nur ums Leben, sondern auch um den Tod. Der gehört zum Leben dazu.“ Und schon ist er bei den sieben Todsünden wie Neid und Habgier, die immer mehr zum Alltag werden. „Das Miteinander geht immer mehr verloren“, sagt der Hofer. Darum freue er sich, bei Treffen wie in Stendal mit den Menschen ins Gespräch zu kommen – nicht nur über Autos.

Gelegenheit dafür gab es von Freitag bis Sonntag ausreichend. Das Areal glich einem riesigen Campingplatz. An einer Stelle saß eine Gruppe gesellig beim Grillen unter dem großen Pavillon, an anderer dröhnten die Motoren beim Viertelmeilen-Rennen oder beim PS-Messstand. Viele flanierten gemütlich über den Platz, um sich die vielen Autos (auch mit recht interessanten Um- und Anbauten) anzuschauen und genossen das schöne Frühlingswetter in autobegeisterter Gemeinschaft. Am Abend wurde vor der Open-Air-Bühne gefeiert, diverse Händlerangebote rundeten das 23. Internationale VW-Treffen ab, das nach 18 Jahren in Wittenberge zum fünften Mal in Stendal stattfand. Fortsetzung nicht ausgeschlossen, denn schon am Sonnabend zog der Veranstalter ein positives Zwischenfazit.