Stendal l Wegen des Boulettenfestes war es am Vormittag des 12. Oktober 2019 besonders voll in Stendals Innenstadt. Und alle, die in der Fußgängerzone unterwegs waren, wurden Zeugen einer Havarie auf Höhe der Post. Eine riesige Wasserlache hatte sich auf der Breiten Straße ausgebreitet, ein Teil des Boulevards stand zeitweise komplett unter Wasser. Zwischen Marienkirchstraße und Poststraße musste die Trinkwasserversorgung komplett unterbrochen werden. Gleich am Vormittag machten sich Bauarbeiter an die Arbeit, um den Schaden zu beheben. Ursache der Havarie war ein sogenannter Längsriss, auf mehrere Meter Länge musste das Trinkwasserrohr ausgetauscht werden.

Leitungen sind verschlissen

Die optimistische Hoffnung, an dem Wochenende den Schaden zu beheben, erfüllte sich nicht – denn er war heftiger als zunächst gedacht. Der Rohrbruch war notdürftig geflickt worden, in den Tagen danach ging es daran, das defekte Leitungsstück durch ein neues zu ersetzen. Das Schließen der Baugrube und die Pflasterarbeiten haben sich dann auch noch einige Tage hingezogen.

Was die Ursache für die Havarie war, lässt sich schwer sagen. Einige sehen sie in der Belastung der Fußgängerzone durch die schweren Lieferfahrzeuge für anliegende Märkte, andere im Alter des vorhandenen Leitungssystems. „Nach unserer Kenntnis stammen Teile der Trinkwasserleitung dort noch aus dem Anfang des vergangenen Jahrhunderts“, sagte Stadtwerke-Sprecher Rolf Gille auf Nachfrage und fügte die Feststellung hinzu: „Die Leitung ist verschlissen und störanfällig.“ Das habe der Rohrbruch im Oktober habe gezeigt.

Darum planen die Stadtwerke Stendal für dieses Jahr eine komplette Erneuerung der Trinkwasserleitungen im Bereich der Fußgängerzone. Die Arbeiten sollen „zeitnah“ erfolgen. Nach jetzigen Planungen soll es am 8. Juni dieses Jahres losgehen, also direkt nach dem Stendaler Rolandfest. Als direkte Baukosten haben die Stadtwerke zirka 300.000 Euro in ihren Investitionsplan für 2020 eingestellt.

Zu den Arbeiten: „Entlang der jetzigen Leitungstrasse wird die neue Leitung verlegt und eingebunden. Diese Verlegung erfolgt in offener Bauweise auf einer Länge von zirka 300 Metern“, erklärte Rolf Gille. Dabei wird die Oberfläche – soweit notwendig – aufgenommen und die vorhandene Straßenausstattung beräumt und im Anschluss wieder eingebaut. „Dieses Vorgehen ist notwendig, um an die vorhandene Bestandsversorgung zu gelangen und alle Hausanschlussleitungen wieder anzubinden“, so der Stadtwerke-Sprecher.

Arbeiten erfolgen in zwei Abschnitten

Um die Belastung für die Anwohner und die betroffenen Geschäfte in der Breiten Straße möglichst gering zu halten, soll der Leitungsneubau in zwei Bauabschnitten erfolgen: ein Abschnitt zwischen Poststraße und Marienkirchstraße, der zweite Abschnitt zwischen Sperlingsberg und Poststraße.

Zurzeit laufen bei den Stendaler Stadtwerken die umfangreichen Planungen und Vorbereitungen für die Baumaßnahme. „Wenn diese abgeschlossen sind, werden wir die betroffenen Anlieger detailliert informieren und in die Bauausführung soweit wie möglich einbeziehen. Für Fragen stehen wir dann Anwohnern und Geschäften gerne zur Verfügung“, sagte Rolf Gille.