Tangerhütte l Faktisch einstimmig (bei einer Enthaltung) fielen die Beschlüsse zum Wildpark Weißewarte, und das, obwohl zuvor zwei sehr unterschiedliche Betreibermodelle vorgestellt worden waren. Während Thomas Wamser, Geschäftsführer des Wildparks Müden und der Tipada-Group, noch vor einigen Wochen bei einer Vorstellung im Förderverein des Wildparks von einer Übernahme „zum Nullsummenspiel“ gesprochen hatte (und auch von einem zuvor geäußerten Kaufangebot für einen Euro) ging es diesmal auch um eine mögliche Beteiligung der Kommune, allerdings nicht mit Einfluss auf das Geschäft.

Auf Nachfrage der Stadträte sprach er von deutlichen Eintrittspreiserhöhungen und davon, dass er andere Anlagen suchen wolle, wenn mit dem Wildpark Weißewarte keine Einigung erfolge. „Je mehr Anlagen in einem bestimmten Radius zusammenarbeiten, desto besser für mein Konzept“, erklärte er. Mit seinem Konzept würden der Einheitsgemeinde künftig faktisch keine Kosten mit dem Wildpark mehr entstehen, denn der Betrieb des Wildparks sei kostendeckend möglich, stellte er in Aussicht. Wamser sprach auch noch einmal davon, dass er mit den beiden kommunalen Tierpflegern im Wildpark befreundet sei und auf deren Initiative vom Bürgermeister gebeten worden sei, mit Personal auszuhelfen.

Kosten für Tierpfleger

Die Stadträte Edith Braun (WG Lüderitz) und auch Dietrich Schultz (AfD) monierten die Kosten für den Einsatz seiner Tierpfleger, die per Vertrag seit Oktober und noch bis Februar im Wildpark eingesetzt werden – je nach Bedarf sind das wochenweise zwei bis drei. Für einen Gesellen zahle die Einheitsgemeinde derzeit 380 Euro pro Tag (acht Stunden), so Edith Braun, „was ist das denn für ein Stundenlohn?“, wollte sie wissen. Wamser verwies auf eine regionale Zeitarbeitsfirma, bei der er sich nach den regionalen Tarifen für Leihkräfte erkundigt habe.

Eigentlich aber wurde bereits vor seiner Vorstellung deutlich, dass es eine breite Mehrheit für die andere vorgestellte Variante geben würde: Wie Stadtratsmitglied und Ortsbürgermeister in Weißewarte Marco Radke (CDU) erklärte, sei man (vorausgesetzt, der Stadtrat unterstützt diese Idee) dabei, einen Betreiberverein für den Wildpark aus regional Engagierten zu gründen. Der würde die Geschäfte und die Zusammenarbeit mit dem weiterhin zur Unterstützung bestehenden Förderverein übernehmen und habe bereits Ideen für Kooperationen mit Lebenshilfe oder Arbeitsagentur. „In den vergangenen zwei Jahren ist im Wildpark alles ein bisschen eskaliert“, fasste Radke zusammen.

50. Geburtstag 2023

Seit etwa einem halben Jahr sei er als frischgebackener Ortsbürgermeister (vorher hatte dieses Amt sein Vater Detlef inne) fast rund um die Uhr mit dem Wildpark befasst und er wolle weiter darum kämpfen, dass der Wildpark regional verankert bleibe. „Ich möchte, dass der Wildpark 2023 auch noch seinen 50. Geburtstag feiern kann!“, sagte er und sprach von einer Gruppe von Ehrenamtlichen, die sich unter anderem aus dem Förderverein, aber auch aus Außenstehenden zusammengefunden habe.

Auch Gespräche mit dem Leiter des Dessauer Zoos, Jan Bauer, der in der Einwohnerversammlung zur Wildpark-Zukunft Anfang November seine Unterstützung angeboten hatte, habe es bereits gegeben. Weitere Unterstützug wurde aus Magdeburg zugesagt, so hatte es auch Stadtrat Dietrich Schultz jüngst im Hauptausschuss mitgeteilt. „Man ist dort zu umfangreicher Amtshilfe bereits“, sagte er dort.

Über Zuschuss verhandeln

Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) begrüßte die Initiative „für die Region aus der Region“, fragte aber auch gezielt nach, wie die Zoogenehmigung (die nach Übertragung auf die aktuelle Leiterin nur noch bis zu deren Ausscheiden Ende Januar läuft) künftig geregelt werden soll und wie die Zahlen aussehen. „Sonst kann man die beiden Modelle nicht vergleichen“, fand er. Über den konkreten Zuschussbedarf der Einheitsgemeinde, den Bürgermeister Andreas Brohm am Abend bereits von Marco Radke forderte, soll aber erst noch verhandelt werden.

Die von der Verwaltung jüngst vorgestellte Kalkulation für den Wildpark, die in diesem Jahr ein Minus von 160.000 Euro vorsieht, aber hält Marco Radke für nicht repräsentativ. Und auch Dietrich Schultz, der sich bei Thomas Wamser für dessen Einsatz im Wildpark bedankte, aber auch das Zustandekommen des Aushilfsvertrages ohne Beteiligung des Stadtrates kritisierte, sagte: „In einem stimme ich mit Ihnen überein – dass man den Wildpark plusminus null betreiben kann!“

Drittgrößter Wildpark in Deutschland

Über die Fraktionen hinweg wurde die Idee eines Betreibervereins begrüßt, Steffi Kraemer (SPD), sagte: „Der Wildpark ist für die Einheitsgemeinde eine freiwillige Aufgabe, aber für uns Stadträte und die Bürger ist es eine Pflicht, ihn zu erhalten!“ Michael Bartoschewski (CDU) verwies auf den Gebietsänderungsvertrag zur Einheitsgemeindebildung 2010, in dem festgelegt worden sei, Ortschaften und deren Einrichtungen so zu fördern, dass sie in ihrer Entwicklung nicht beeinträchtigt werden.

Edith Braun erinnerte daran, dass der Wildpark Weißewarte der drittgrößte in Deutschland und der größte Wildpark in Sachsen-Anhalt sei. Auch wenn ein Antrag der AfD auf jährlich 75.000 Euro aus dem Kreishaushalt für den Wildpark abgelehnt worden sei, gebe es die Möglichkeit, im Landkreis eine einmalige Unterstützung für den Erhalt der Anlage zu beantragen, sagte sie. Dass Bürger aus der Region den Wildpark selbst in die Hand nehmen wollen, begrüßte auch Uwe Nastke (AfD) für seine Fraktion und Marcus Graubner (CDU) sagte: „Ich freue mich, dass es diese Variante gibt. In der ganzen Einheitsgemeinde gab es ein Echo, das heißt: Erhalt in kommunaler Hand!“

Der Verein wolle sich noch in diesem Jahr gründen, erklärt Marco Radke. Der Grundsatzbeschluss zum Erhalt in kommunaler Hand wurde auf Grundlage eines im Ortschaftsrat Weißewarte formulierten Antrags gefasst. Nun sollen mit Unterstützung der Verwaltung der neue Betreiberverein und eine Vereinbarung mit der Kommune auf den Weg gebracht werden. Voraussichtlich ab März 2020 könnte der dann die Geschäfte im Wildpark Weißewarte übernehmen.