Tangerhütte l Eigentlich sollten nach den hitzigen Diskussionen der Sondersitzung des Sozialausschusses am 11. November Meinungsbildungen zum Thema Wildpark in den einzelnen Stadtratsfraktionen erfolgen. Die Rückmeldungen darüber waren Bestandteil der Tagesordnung der Sitzung am Montag. Vorsitzende Carmen Kalkofen (UWG Südliche Altmark) aber zog eine Erklärung vor, in der sie von zwei Varianten sprach und darum bat, bis zur nächsten Stadtratssitzung „abzuwarten, um nicht ins Leere zu diskutieren“.

Ralf-Peter Bierstedt (SPD), der auch selbst bei der jüngsten Beratung des Wildpark-Fördervereins dabei gewesen war, sprach hingegen von drei Varianten, denn die neue Option, dass Detlef Radke (CDU) als Koordinator die Mitarbeiter im Wildpark betreuen wolle, war dort erst aufgekommen.

Drei Optionen zur Zukunft

Für ihn stünden deshalb drei Optionen im Raum: Verkauf, Verpachtung und das Angebot Radkes. Marco Radke (CDU) betonte noch einmal, dass der Wildpark kommunal bleiben müsse und nach einem überarbeiteten Konzept geführt werden sollte. Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) erklärte daraufhin, dass gar keine Kaufvariante zur Debatte stehe. Die aber sei vom Übernahmeinteressenten im Förderverein durchaus so kommuniziert worden, erinnerte sich Bierstedt.

Man wolle nun bis zur Stadtratssitzung am 12. Dezember mit weiteren Entscheidungen warten, hieß es. Vorher aber soll es noch eine Begehung des Wildparkes mit Fachämtern geben, die den Wechsel des Sachkundenachweises (bisher Detlef Radke, die Zoogenehmigung ist dem Landkreis zufolge unbefristet gültig) auf die neue Wildparkleiterin Josefine Krohn, die zum Jahresende gekündigt hat, zum Inhalt habe.

„Warum soll das auf eine Person übertragen werden, die uns in einigen Wochen verlässt?“, wollte Daniel Wegener (WG Zukunft) vom Bürgermeister wissen. Das Verfahren laufe bereits seit 2018 und müsse abgeschlossen werden, erklärte der Bürgermeister daraufhin. Weitere Erläuterungen gab es während der Sitzung nicht.

Hatte Leiterin gar keinen Nachweis?

Marco Radke (CDU) erklärte, dass mit den Aufsichtsbehörden eine Weiterführung des Sachkundenachweises über seinen Vater Detlef Radke bereits besprochen worden sei und er als Stellvertreter zur Verfügung stehen wolle. Außerdem soll nach seinen Informationen bisher die Befähigung für den Sachkundenachweis bei der nun benannten Leiterin gar nicht vorhanden gewesen sein.

Daniel Wegener (WG Zukunft) sprach von „Tatsachen schaffen, die dann am 12. Dezember auf dem Tisch liegen“, und warnte davor, den Sachkundenachweis und damit die Verantwortung umzuschreiben, weil bei Veränderungen wie diesen auch oft neue Voraussetzungen gelten würden. Auch Ralf-Peter Bierstedt (SPD) kritisierte: „Eine Perspektive für die jetzige Leiterin ist nicht gegeben!“

Wie die Verwaltung auf Volksstimme-Nachfrage erklärt, sei die Forderung der Unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Stendal, die aus dem Jahre 2005 stammende Zoogenehmigung zu überarbeiten, bereits 2018 infolge der Einstellung einer neuen Leiterin im Wildpark aufgemacht worden.

Die Zoogenehmigung laufe grundsätzlich auf die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte, als Betreiber des Wildparkes und (seit der Einheitsgemeindebildung 2010) Rechtsnachfolger der Gemeinde Weißewarte. Im Oktober 2018 wurde gefordert eine Änderung der Zoogenehmigung durchzuführen, verantwortlich war zu diesem Zeitpunkt bereits die neue Leiterin Josefine Krohn, heißt es.

Schon Versäumnisse in der Vergangenheit

Sachkundeinhaber müsse eine vor Ort verantwortlich handelnde Person sein, die Wissen und Fertigkeiten in Bezug auf die zu betreuenden Tiere nachweisen muss und auch ihre Zuverlässigkeit anhand eines erweiterten Führungszeugnisses sowie regelmäßiger Fortbildungen. Schon seit Einheitsgemeindebildung hätte sich demnach an der Verantwortung Detlef Radkes, der nicht dauerhaft vor Ort war, etwas ändern müssen, so die Verwaltung.

Bürgermeister Andreas Brohm (parteilos) erklärt weiterhin, dass sich der Landkreis infolge der Presseberichte seit September 2019 gezwungen gesehen habe, das laufende Verfahren zu beschleunigen und auf einer den örtlichen Gegebenheiten entsprechende Genehmigung zu bestehen. Josefine Krohn verlässt die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte zum 31. Januar kommenden Jahres. Als Stellvertreter agiert Michael Zahrt, der ebenfalls über eine Fachausbildung und somit entsprechende Sachkunde verfügt. Somit seien aktuell die Voraussetzungen für die Erteilung der Genehmigung gegeben, erklärt Brohm.

Eine Entscheidung zur Nachfolge im Wildpark könne es erst nach einem Stadtratsbeschluss am 12. Dezember geben, danach sei gegebenenfalls ein neues Antragsverfahren im Zusammenhang mit der dann erteilten Zoogenehmigung notwendig.