Stendal l Mit einer großen und beeindruckenden Veranstaltung ist das Winckelmann-Museum am Freitag eröffnet worden. Für rund 4,3 Millionen Euro ist ein modernes Museum entstanden. Die Querelen, die es im Vorfeld wegen der Finanzierung und der Bauverzögerungen gab, schienen da vergessen.

Die Stadträte hatten fünf Tage zuvor zähneknirschend einem Nachschlag in Höhe von 495.000 Euro mehrheitlich zugestimmt, wobei 90 Prozent davon das Land bezahlen wird.

Interview wird irritiert wahrgenommen

Max Kunze, der Präsident der Winckelmann-Gesellschaft, war trotz der feierlichen Eröffnung nicht auf Harmoniekurs. In einem MDR-Interview bezeichnete er das Vorgehen im Stadtrat als „ziemlich albern“. Er bezog sich darauf, dass die Stadt knapp 50.000 Euro nachschießen sollte und letztlich auch getan hat. „Wir haben angeboten, dass wir als Gesellschaft das Geld selbst bezahlen. Das wollte man aber nicht haben“, sagte Kunze.

Auf Nachfrage im Rathaus hieß es, dass man die Zahlung der Winckelmann-Gesellschaft für diesen Zweck nicht hätte annehmen dürfen, da dies den Förderbedingungen widersprochen hätte.

Für Denkmal 30 Jahre gebraucht

Aber Kunze hatte noch mehr der Häme drauf. „Ich beglückwünsche den Stadtrat zu der schnellen Entscheidungen“, sagte er im Interview. Für das Aufstellen der „wunderbaren Bronzefigur“, dem Winckelmann-Denkmal in Stendal, hätten die Stadtväter 1859 insgesamt 30 Jahre lang gebraucht – allein drei Jahre seien mit der Diskussion um den Sockel draufgegangen. Gemessen daran, so Kunze, sei der Stadtrat nun „in einem rasanten Tempo zum Ergebnis“ gekommen.

„Ich empfinde das als Nachtreten und als stillos“, sagte Hardy Peter Güssau, der Fraktionsvorsitzende von CDU/Landgemeinden im Stadtrat. „Die Arroganz ist beeindruckend“, sagte Herbert Wollmann, Fraktionsvorsitzender SPD, FDP, Piraten, Ortsteile.

Joachim Röxe, Fraktionsvorsitzender Linke/Grüne wollte Kunzes Äußerungen nicht weiter bewerten. „Wir haben als Stadtrat die richtige Entscheidung getroffen“, sagte er. Röxe und zwei Fraktionskollegen waren am Freitag denn auch die einzigen von 40 Stadträten, die beim Festakt zur Eröffnung dabei waren.

Presse bei Versammlung unerwünscht

Apropos nicht dabei. Die Presse blieb bei der Mitgliederversammlung der Winckelmann-Gesellschaft wieder einmal vor der Tür. Wie schon vor zwei Jahren gab es keinen Einlass, als es um die Rechenschaftsberrichte der Gesellschaft mit ihren rund 600 Mitgliedern ging. „Wir müssen das immer erst kurzfristig im Kuratorium beschließen“, sagte Geschäftsführerin Stephanie-Gerrit Bruer. Aber auch eine kurzfristige Einladung erhielt die Volksstimme nicht, trotz einer Bitte darum.

Die Stadträte gehen indes mit dem Ablauf der Ereignisse um die Finanzierung unterschiedlich um. „Wir sind bis zum heutigen Tage verärgert“, sagte Güssau. Er habe jedoch mit der Sache abgeschlossen.

Anders sieht es bei Herbert Wollmann aus, er möchte nach wie vor eine genaue Prüfung. Das Rechnungsprüfungsamt und der Landesrechnungshof sollen noch genauer hinsehen, warum es zu der großen Kostensteigerung kam. Statt 2,3 Millionen Euro kostet das Museum am Ende 3,3 Millionen Euro. Für die neue Ausstellung kommt noch eine weitere Million hinzu. Die Winckelmann-Gesellschaft selbst hat 250.000 Euro aufgetrieben.

Für Joachim Röxe bleibt als Konsequenz, dass vom Oberbürgermeister erwartet werde, über die Gründe für das Versagen bei dem Bau- und Sanierungsprojekt zu berichten. Möglicherweise müsse über eine bessere personelle Ausstattung im Bauamt nachgedacht werden.