Stendal l „Die Altmark war schon immer eine landwirtschaftlich geprägte Region und ist eine wichtige Basis unserer Arbeit“, sagt Horst Bremer, Geschäftsführer der Altmarksaaten Stendal GmbH. Seit 1974 ist der Stendaler am Standort und war schon fünf Jahre später als Betriebsleiter tätig. Mit der politischen Wende und einem neuen Eigentümer standen Bremer und seine Kollegen jedoch vor unsicheren Zeiten.

Wie sicher ist dann noch unser Arbeitsplatz? „Das haben wir uns damals gefragt und die einzige Lösung, die wir gesehen haben, war die Übernahme des Betriebes durch uns“, erinnert sich Bremer. Für das sogenannte „Management by out“ – die Übernahme eines Betriebes durch Angestellte oder Führungskräfte des Betriebes, konnte Bremer zunächst drei weitere Kollegen überzeugen. Mitte Oktober 1991 stellte er den Antrag zur Übernahme der Produktionsstätte am Hohen Weg in Stendal. Im Januar 1992 kam dann die Zusage.

Mitarbeiter kaufen Betrieb

Auch wenn der Betrieb zu dieser Zeit technisch nicht auf dem neuesten Stand war, war die Übernahmesumme für die angehenden Unternehmer ein kleiner Schock. Sie mussten einen siebenstelligen Betrag für die zukünftige Altmarksaaten Stendal GmbH aufbringen. Das war nicht ohne Weiteres möglich. Es gab zahlreiche Absagen von regionalen und überregionalen Kreditinstituten. Doch Horst Bremer, Erich Steffens, Joachim Pierau und Albrecht Bremer glaubten an ihre Vision für einen eigenständigen Saatgutbetrieb in der Altmark und gründeten im Juli 1992 per Notarvertrag die Altmarksaaten GmbH. Im März 1993 wurde sie ins Handelsregister eingetragen.

Weil die Banken keine Zusagen machten, wurde der Kauf der Produktionsstätte verschoben und für knapp 1,5 Jahre gepachtet. „Diese Zeit war finanziell gesehen mit einem Ritt auf der Rasierklinge zu vergleichen“, sagt Geschäftsführer Bremer. Im April 1994 zahlte sich Geduld und Beharrlichkeit der verbliebenden Gesellschafter Horst Bremer und Erich Steffens aus. Die Dresdner Bank gab ihnen eine Kreditzusage.

10.000 Tonnen Saatgut

„Auf der Grundlage unserer langjährigen Erfahrungen in der Landwirtschaft innerhalb unserer Heimat konnten wir uns einen festen Platz im Markt erarbeiten und stetig ausbauen. Als regional geführte und tätige VO-Firma unterhalten wir als einzige der Region Lizenzverträge mit allen deutschen Pflanzenzüchtern“, sagt Geschäftsführer Bremer mit Stolz. Während der landwirtschaftlichen Hauptsaison von Juli bis Dezember sind bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigt. Pro Jahr werden 10.000 Tonnen Saatgut umgeschlagen. Etwa 50 bis 60 Prozent davon verbleiben in der Altmark. Der übrige Teil wird an Kunden in ganz Deutschland und auch in Teilen Europas geliefert.

„Mein Wunsch ist es, dass das altmärkische Unternehmen auch in Zukunft als regionaler Dienstleister der Landwirtschaft verbunden bleibt“, sagt Horst Bremer. Durch den Verkauf seiner Anteile nach fünfjähriger Vorbereitung Mitte 2016 an langjährige Partner des Unternehmens gab es bereits Gerüchte, dass sich die Ausrichtung des Unternehmens ändert. Doch diesen Spekulationen tritt Horst Bremer vehement entgegen. Auch er bleibe dem Unternehmen noch ein paar Jahre erhalten. „Das ist mein Leben und ich trage natürlich auch als angestellter Geschäftsführer Verantwortung für meine Mitarbeiter“, sagt der Stendaler.

Seit Anfang 2017 gibt es beim Stendaler Unternehmen eine neue Gesellschafterstruktur. Langjährige Partner, die Beiselen GmbH aus Ulm und die Rudolf Peters Landhandel GmbH & Co. KG aus Winsen (Luhe) sind nun Mehrheitseigner der Altmarksaaten Stendal GmbH. Horst Bremer ist jedoch weiterhin als Geschäftsführer tätig und das soll auch noch ein paar Jahre so bleiben.

Für die Zukunft sieht Bremer hohe Chancen für Hybridsorten bei Weizen und Gerste. Der Hybrideffekt, die Kreuzung von zwei genetisch entfernten Linien während der Zucht, sorgt für einen einmaligen Mehrertrag (Heterosis-Effekt) bei den Pflanzen. „Ich bin überzeugt, dass sich dieses System auch bei Weizen und Gerste durchsetzen wird. Es ist nur eine Frage der Zeit“, sagt Bremer.