Laub

Wohin mit den Blättern im Herbst? Im Rathaus Stendal wird eine Container-Variante favorisiert

Die Frage, wer das Laub von öffentlichen Straßen entsorgen muss, stellt sich Jahr für Jahr. Und sie stellt sich im Sommer. Denn jetzt müssten die Weichen gestellt werden, damit die Hansestadt wie gefordert aktiv werden kann. Ein Konzept liegt vor, das schon 2021 umgesetzt werden könnte – wenn der Stadtrat das möchte.

Von Donald Lyko
Im Herbst fällt eine ordentliche Menge Laub an, das meist die Anlieger entsorgen müssen.
Im Herbst fällt eine ordentliche Menge Laub an, das meist die Anlieger entsorgen müssen. Foto: Florian Schuh/dpa

Stendal - Im Herbst fällt das Laub – wegen des Farbenspiels schön anzusehen, wegen der Entsorgung ein Aufregerthema. Das hat sich mit der Einführung der kostenpflichtigen Biotonne für den Landkreis Stendal zu Jahresbeginn noch verschärft. Denn Grundstückseigentümer, denen die Reinigung der öffentlichen Straße übertragen wurde, müssen auch das Laub entsorgen, das von städtischen Bäumen fällt. Bedeutet: Die Biotonne ist schneller voll, muss öfter entleert werden, zusätzliche Kosten entstehen. Auf Straßen, die von der Hansestadt Stendal gereinigt werden, werden die Kosten der Laubentsorgung über die Straßenreinigungssatzung den Anliegern auferlegt.

Uchtspringer Ortschaftsrat forderte Konzept ein

Der Uchtspringer Ortschaftsrat hatte im Herbst vorigen Jahres ein Konzept zur kostenfreien Herbstlaubentsorgung eingefordert. Der Stadtrat gab per Beschluss diesen Auftrag an die Stadtverwaltung weiter. Nun liegt das Konzept vor. „Die Umsetzung ist grundsätzlich schon in diesem Jahr möglich“, kündigte Silke Pidun, Leiterin des Amtes für technische Dienste, im Ausschuss für Stadtentwicklung an. Aber: Die Frage der Finanzierung für dieses Jahr ist noch ungeklärt. Denn aktuell sind Kosten für die Laubentsorgung nicht im Haushalt vorgesehen. Sie wäre zudem eine freiwillige Aufgabe, bis auf wenige Ausnahmen (weil es nicht zumutbar ist) besteht keine kommunale Pflicht zur Entsorgung.

Wenn Silke Pidun von einer grundsätzlich schon in diesem Jahr möglichen Umsetzung spricht, hat sie die von der Verwaltung favorisierte Container-Variante im Blick. Diese war ebenso geprüft worden wie die sogenannten BigBags, also große „Taschen“ zur Laubsammlung.

Begonnen hatte die Arbeit am Konzept damit, die anfallende Laubmenge zu ermitteln. Aktuell geht die Verwaltung von geschätzt zirka 2000 Kubikmetern insgesamt aus. „Den Wert darf man aber nicht auf die Goldwaage legen“, sagte die Amtsleiterin, denn es wurde eine durchschnittliche Bewertung für jeden Baum vorgenommen. Für die Kernstadt Stendal wurden 4683 Bäume in die Berechnung einbezogen, für die Ortschaften 2631 Bäume.

Ausgaben sind bisher nicht im Haushalt eingeplant

Für die geschätzte Menge würden in der Hansestadt insgesamt 274 Container mit je sieben Kubikmeter Fassungsvermögen benötigt werden, 88 davon für die Ortsteile. Eine einmalige Abholung würde Mitte bis Ende November erfolgen. Der erwarteten Kosten: brutto knapp 84 000 Euro. Die Vorteile in dieser Variante sieht die Verwaltung darin, dass sie die kostengünstigere ist und dass Fremdfirmen beauftragt werden könnten. Die Nachteile: Gefahr der Fremdbefüllung und Nutzung für private Gartenabfälle, ein hoher Platzbedarf an zentralen Stellen, der Transportaufwand für Anwohner zum Sammelpunkt.

Die andere Möglichkeit: BigBags. Dafür liegen der Verwaltung aber keine Erfahrungswerte vor. Darum ist im Konzept eine Modellrechnung zu finden: Wenn der städtische Bauhof die Leistung erbringt und 435 dieser Behältnisse in der Kernstadt und 205 in den Ortschaften verteilt, fallen unter dem Strich rund 117 000 Euro brutto an. Denn es müsste für die Einsammlung der BigBags ein Lastwagen mit Ladearm angemietet werden. Zudem setzen Sonnenlicht und Beanspruchung dem Material stark zu, jährliche Neuanschaffungen und die Entsorgung der alten Schüttgutbehälter müssten eingeplant werden. Diese Variante hätte den Vorteil, dass es keinen Transportaufwand für Anwohner gibt, keine zentralen Flächen benötigt werden und das Umfeld weniger verschmutzt wird. Die Gefahr der Fehlbefüllung besteht auch hier, zudem werden Bauhof-Mitarbeiter gebunden, die dann keine anderen Arbeiten erledigen können.

Darum der Vorschlag aus dem Rathaus: Container nutzen, aber deutlich weniger. Konkret werden 100 genannt, davon 32 in den Ortsteilen. Es würde zwar nicht das gesamte Laub entsorgt werden, dennoch eine deutliche Entlastung erfolgen. In der Kernstadt würden die 68 Container nahe der Straßen mit dem höchsten Laubaufkommen aufgestellt werden, darunter Arnimer Damm, Westwall, Fichtestraße, Haferbreiter Weg und Freiherr-vom-Stein-Straße. Diese Variante würde nach jetziger Berechnung etwa 30 600 Euro kosten.

Stadtrat müsste Satzung überarbeiten

Die wer bezahlt? Im Antrag des Uchtspringer Ortschaftsrates war ein Konzept gefordert worden, nach dem die Entsorgung nicht zulasten der Anlieger geht. Wie verfahren werden soll, kann der Stadtrat mit einer Neukalkulation und Überarbeitung der Straßenreinigungsgebührensatzung regeln. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten. So könnten zusätzliche Reinigungsklassen für die Laubentsorgung eingeführt werden. Möglich wäre auch eine Grundgebühr für alle Grundstückseigentümer und eine Reinigungsgebühr für die von der Stadt zu reinigenden Straßen, um die Kosten für die Laubentsorgung gerecht zu verteilen.

Das jetzt vorgelegte Konzept ist eine Mitteilungsvorlage für die Stadträte, noch kein konkreter Beschlussvorschlag. Der Stadtrat müsste sich aber bei seiner Sitzung am 19. Juli, der letzten vor der Sommerpause, positionieren, wenn die Container-Variante schon dieses Jahr kommen soll. Denn dafür müsste jetzt der Auftrag ausgeschrieben werden, erklärte Silke Pidun.