Stendal l Nicht gleich in einer Hauruck-Aktion, sondern Schritt für Schritt und langsam aufbauend sind in der Karl-Liebknecht-Straße 9 in den vergangenen zwei Jahren vier Wohngemeinschaften entstanden. Schon 2018 hatte die SWG damit begonnen, in dem Fünfgeschosser auf vier Etagen aus den jeweils zwei Wohnungen pro Etage eine große Wohnung zu machen, zum großen Teil barrierearm. Der neue Zuschnitt bietet neben einem Gemeinschaftsraum, zwei Bädern und einer Küche fünf separate Zimmer verschiedener Größe für die Mieter. Der Flur wurde etwas verlegt, denn zu den Wohnungen gelangen Mieter, Besucher und Mitarbeiter des Winckelmann-Pflegedienstes über einen Fahrstuhl.

Mit dem Pflegedienst, der zwei Eingänge weiter seinen Sitz hat, arbeitet die Wohnungsbaugesellschaft für dieses Projekt des ambulanten betreuten Wohnens seit zirka zwei Jahren zusammen. „Ich finde die Idee immer spannender“, sagt SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik.

Eigenes Zuhause im Alter

Gerade in Zeiten, in denen ältere Menschen gern weiter ein eigenes Zuhause haben und noch nicht in eine Pflegeeinrichtung umziehen wollen, würden solche Angebote immer wichtiger werden. Aus der Erfahrung weiß er, dass auch die Wohnform WG ihre Anhänger findet. Unter denen nämlich, die nicht allein leben möchten, die Spaß an der Gemeinschaft haben. „Wichtig ist auch, dass ein gewisses Sicherheitsgefühl vermittelt wird“, so Daniel Jircik, dass immer jemand in der Nähe ist, sollte Hilfe benötigt werden.

In der Praxis funktioniert es so: Die Bewohner der Wohngemeinschaft sind jeweils einzeln Mieter bei der SWG. Tagsüber gibt es von etwa 6 bis 20 Uhr eine Betreuung. In der Regel sind zwei Pflegedienstmitarbeiter vor Ort, eine Pflegekraft und eine sogenannte Präsenzkraft, die unter anderem das Frühstück vorbereitet, Arztbesuche organisiert, Freizeitaktivitäten plant und vorbereitet und sich um die Einkäufe kümmert. Das Mittagessen wird vom Caterer geliefert. Darüber hinaus können die Bewohner ihren Tag gestalten, wie sie möchten – denn es handelt sich um eine individuelle, selbstbestimmte Wohnform.

Von den 20 Plätzen sind zum 1. November zehn Zimmer vermietet. Für Benny Friedrichs, Kunden-/Prozess- und Qualitätsmanager der Winckelmann-Gruppe, ist das eher ein Ausdruck für den schrittweisen Aufbau: „Das Projekt ist mit sich gewachsen.“ Damit meint er auch, dass während des Aufbaus Erfahrungen gesammelt wurden. Die zum Beispiel, dass der Balkon gar nicht am Gemeinschaftsraum gewünscht wird, viel mehr würden sich Mieter ein Zimmer mit Balkon wünschen. Also wurde beim Umbau der nächsten Etage genau darauf geachtet.

Rückkehrerin aus Hamburg ist eingezogen

Mit dem Angebot sollen vor allem ältere Menschen mit Pflegebedarf angesprochen werden, die sich auf das Miteinander einer WG einlassen möchten. „Es ist ein pures Aufleben der Bewohner, das wir erleben“, berichtet der examinierte Altenpfleger Kai Spinnrad, der das ambulant betreute Wohnen leitet.

Ein Angebot, das für SWG-Chef Daniel Jircik auch mit Blick auf die Mieterbindung wichtig ist. „Denn viele wollen aus dem Stadtseegebiet nicht fortziehen, wollen hier wohnen bleiben“, sagt er. Die Senioren-WG ist mittlerweile selbst für Auswärtige interessant. Aus Stendaler Ortsteilen sind Alleinstehende in die Karl-Liebknecht-Straße 9 gezogen, sogar eine Altmark-Rückkehrerin aus Hamburg gehört jetzt zu den Mietern.