Stadtmauer an der Hafenpromenade bröckelt

Zahn der Zeit nagt am historischen Ring

Von Anke Hoffmeister

Tangermünde. An der Hafenpromenade von Tangermünde sind Bauzäune aufgestellt worden. In Höhe des Spielplatzes stehen sie und fassen einen Teil der Stadtmauer ein. Niemand soll diesem Teil des historischen Bauwerkes zu nahe kommen. Der Grund: Die Mauer ist in diesem Bereich akut einsturzgefährdet. Nach dem letztes langanhaltenden Regen wurde das Problem, das zuvor niemand registriert hatte, mit bloßem Auge deutlich.

"Die Mauer drückt im oberen Bereich nach außen", berichtet Architekt Jörg Jensen. Nach dem letzten Regen habe sich ein großer Erdspalt zwischen Mauer und den oben an die Stadtmauer grenzenden Grundstücken aufgetan. Deshalb sei es derzeit nicht nur am Fuße der Mauer nicht erlaubt zu gehen. Auch die Hauseigentümer oberhalb der Stadtbegrenzung, die in diesem Bereich wohnen, müssen Abstand halten. Jederzeit könnten die oberen Meter der Mauer in sich zusammenfallen.

In den vergangenen Tagen seien bereits Probebohrungen erfolgt, um die Bodenbeschaffenheit hinter und entlang der historischen Anlage festzustellen. Nur Schutt, so Jörg Jensen, sei gefunden worden.

Für die Sanierung dieses 35 Meter breiten Abschnitts, der derzeit abgesperrt ist, und weiterer 14 Meter im Bereich der Langen Fischerstraße 32 und daneben bedeutet das eine umfangreiche Baumaßnahme. Allein auf den 35 Metern müsse die Stadtmauer aller Voraussicht nach um drei bis vier Meter abgetragen und wieder neu aufgemauert werden. In dem kürzeren Abschnitt geht es darum, die abkippende Mauerkrone zu sichern und neu herzustellen.

Ende August, so Jensen, würden die Arbeiten beginnen. Bei nicht gar so frühem Wintereinbruch könnten sie auch noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Die fast zwei Kilometer lange Backsteinmauer um Tangermündes Innenstadt scheint eine niemals enden wollende Baustelle zu sein. Jahr für Jahr beschäftigt sie Planer und Bauunternehmen. Stück für Stück wird das historische Bauwerk, das bereits etliche Generationen vor uns in Bewegung hielt, saniert. Erst im vergangenen Jahr war in der Mauerstraße ein Teil saniert worden. Davor hatte zwischen Steigberg und Roßfurth das Baugerüst gestanden.

Blättert man in der Chronik der Stadt, so gab es immer wieder Abriss und Aufbau an der Mauer. Um 1830 wurden zum Beispiel Wehrgang und Zinnenkranz des Neustädter Tors wegen Baufälligkeit abgerissen - 1895/1897 erst wieder aufgebaut. 1630 stürzte an der Notpforte ein Teil der Stadtmauer ein. 1700 und 1747 fiel die Mauer an der Elbseite streckenweise zusammen. 1804 traf es einen anderen Teil der Befestigungsanlage.