Kreisausschuss des Kreistages befürwortet Bildung eines kommunalen Zweckverbandes

Ziel: Bis 2017 Datenautobahn aus Glasfasern für jeden Haushalt der Altmark

Von Egmar Gebert

Bis zum Jahresende soll jeder Sachsen-Anhalter über einen Breitband-Internetanschluss mit mindestens zwei Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verfügen können. Das will die Landesregierung. Die Altmark will mehr: die zukunftsfeste Breitbandversorgung mit mindestens 50 Mbit/s für jeden Altmärker bis 2017.

Stendal l Was Staatsminister Rainer Robra (CDU) ankündigte (die Volksstimme berichtete), sei "der erste Schritt", kommentiert der zweite Beigeordnete des Stendaler Landrats, Carsten Wulfänger, die flächendeckend bis Ende 2012 avisierten zwei Mbit/s-Breitbandanschlüsse. Davon profitieren würden Teile der Verbandsgemeinde Seehausen im Norden und einige Orte der Einheitsgemeinde Tangerhütte im Süden des Landkreises, die momentan mit weniger als zwei Mbit/s im Internet unterwegs und damit unterversorgt seien.

"Wir wollen den zweiten Schritt gehen", ordnet Wulfänger ein, wozu sich die Mitglieder des Kreisausschusses auf ihrer Januarsitzung per "politischer Absichtserklärung" einstimmig bekannten: den Aufbau einer "zukunftsfesten Breitbandversorgung", die jedem Nutzer einen Internetzugang mit mindestens 50 Mbit/s garantiert. Und das nicht nur in jeder Ecke des Landkreises Stendal, sondern altmarkweit. Ein solches Netz werde in naher Zukunft ebenso zur unverzichtbaren Infrastruktur gehören wie es heute schon der öffentliche Busverkehr ist.

Diese Zukunft sehe so aus, erläuterte Sebastian Stoll vom kreislichen Amt für Wirtschaftsförderung, dass nicht mehr nur Internet- oder Telefonverbindungen abgesichert werden, sondern auch die Daten fürs Fernsehen, von Telearbeitsplätzen - wichtig für Unternehmen in der Region -, in der Telemedizin oder beim elektronischen Lernen via Breitband übertragen werden.

Kupferkabel und Funknetz sind überfordert

Um das alles mit nur einem Anschluss pro Nutzer zu garantieren, brauche es eine Bandbreite, die es heute im Landkreis Stendal noch nicht gibt. Zwar sei der Großteil der Nutzer mit bis zu 25 Mbit/s-Zugängen versorgt, aber auch das sei nicht zukunftsfähig. Diesen Anspruch könne nur das Hochleistungs-Breitband mit einer Kapazität von mehr als 50 Mbit/s erfüllen. Die heute eingesetzte Technik, sprich Kupferkabel oder Funknetze, wäre damit überfordert. Zum einen seien diese Netze dafür zu langsam, zum anderen auch physikalisch nur begrenzt einsetzbar. Sebastian Stoll: "Je größer die Entfernung, desto mehr wird das zu übertragende Signal gedämpft." Ein Problem, das es mit Glasfaserkabeln nicht gibt. Sie sind die einzige Möglichkeit, das schnelle Breitband in jeden Winkel des Landkreises und darüber hinaus in die Altmark zu tragen.

Sebastian Stoll machte die neuen Dimensionen, die sich dem Glasfaser-Einsatz ergeben, an einem Beispiel deutlich: Mit einem heute in vielen Haushalten üblichen 4 Mbit/s schnellen DSL-Anschluss ließen sich 24 Digitalbilder in etwas mehr als drei Minuten übertragen. Die gleiche Menge Daten schießt in 0,13 Sekunden durchs Glasfasernetz, egal wohin.

Nun gibt es allerdings ein Kardinalproblem: Die ländliche, dünn besiedelte Altmark ist für Firmen, die solche Glasfasernetze aufbauen, wirtschaftlich nicht attraktiv. In einer von Stoll und Wulfänger präsentierten bundesweiten Rangliste findet sich der Landkreis Stendal auf Platz 402.

Klartext: Es wird sich kein privater Anbieter finden, der in der Altmark ein Glasfasernetz bis in jeden Haushalt verlegt. Der Ausweg soll ein kommunaler Zweckverband sein - ein altmarkweit agierender, zu dem sich beide Landkreise bekennen, den beide gemeinsam gründen. Der Kreistag des Altmarkkreises Salzwedel hat sich am 12. Dezember vergangenen Jahres dazu bekannt.

Dem Stendaler Kreistag empfahl der Kreisausschuss, gleiches am 2. Februar zu tun. Das Land würde die Zweckverbandsgründung mit 90000 Euro unterstützen, je 9000 Euro würde der Eigenanteil der Landkreise betragen. Dieser Verband würde die Leerrohre, in die anschließend die Glasfaserkabel von einem Betreiber des Netzes "eingeschossen" werden, bis in jeden Haushalt des Landkreises verlegen. Das Rohrnetz bliebe Eigentum des Verbandes. Allerdings müsste der Verband dann auch kostendeckend arbeiten können, was einen Anschlussgrad von mindestens 60 Prozent der altmärkischen Haushalte (inklusive aller Firmen) voraussetzt. Ein durchaus realistisches Ziel, so Carsten Wulfänger. Die Zuversicht, das und mehr zu erreichen, nehmen er und Landrat Jörg Hellmuth unter anderem aus Besuchen in Nordfriesland, wo ein solcher kommunaler Zweckverband ein Glasfasernetz aufgebaut und inzwischen einen Breitband-Anschlussgrad von mehr als 90 Prozent erreicht hat.

Keine Anschlussgebühren und günstiges Komplettpaket

Was einen solchen Anschluss für die Altmärker interessant machen könnte, sind nicht nur die enormen Datenmengen, die in kürzester Zeit übertragen werden. Es wäre auch die finanzielle Seite der Medaille. So sollen keine Anschlussgebühren erhoben werden und die Nutzung für einen solchen Glasfaser-Breitbandanschluss zwischen 16 und 50 Euro im Monat liegen. Wobei dem Kunden für besagte 50 Euro ein Komplettpaket mit Internet, Telefon und Fernsehen per Glasfaser ins Haus geliefert würde. "Das kann derzeit niemand zu diesem Preis bieten", versichert Sebastian Stoll, der davon ausgeht, das ein solches Breitbandnetz in "sportlichen fünf Jahren" altmarkweit aufgebaut sein kann. Vorausgesetzt, der Zweckverband ist bis Ende 2012 gegründet - so das Ziel -, stünde das Glasfaser-Breitbandnetz spätestens Ende 2017 allen Altmärkern zur Verfügung.