Stendal l Der Zirkus kommt – so richtig zwar erst am Donnerstag, doch die ersten Mitarbeiter waren schon am Dienstag vor Ort auf dem Schützenplatz. Es wurde ausgemessen und mit Farbspray markiert, wo das große Zelt und das Vorzelt stehen werden. Anders als beim Gastspiel 2012 wird der Eingang aus Richtung Bismarckstraße sein. Im nächsten Schritt kamen die 200 Anker in den Boden, jeder etwa 80 Zentimeter tief – alles gut vorbereitet, damit der Zeltaufbau am Donnerstag gleich beginnen kann. Am Dienstag hatte Zirkus Charles Knie noch eine Nachmittagsvorstellung in Braunschweig, am Mittwoch macht sich der Tross mit mehr als 100 Fahrzeugen auf den Weg nach Stendal. Wenn die auf dem Schützenplatz eintreffen und das Zelt in der Mitte steht, „dann kennt jeder seinen Stellplatz. Das ist wie bei einem Stadtplan. Wir kommen mit einer eigenen Stadt in die Stadt“, erklärt Zirkusdirektor Sascha Melnjak. Auch er war vor Ort, um mit den Verantwortlichen von Stadt und Stadtwerken letzte Absprachen zu treffen.

Von der Altmark geht es Richtung Norden

Am Donnerstag gegen 8 Uhr soll mit dem Zeltaufbau begonnen werden, nach etwa zehn Stunden steht dann alles. „Und am Freitag haben wir einen eher seltenen freien Tag“, sagt der Zirkuschef, denn am Karfreitag darf es keine Vorstellung geben. Das Gastspiel in Stendal beginnt am Ostersonnabend. Vom Winterquartier im niedersächsischen Einbeck ging es zum Tourstart nach Northeim, dann weiter nach Alfeld und Braunschweig. Nach Stendal steht Schwerin auf dem Plan, bevor Schleswig-Holstein angefahren wird. Bis Ende Oktober gibt es insgesamt 47 Gastspielorte.

Dass er selbst immer zum Vorkommando gehört, ist für Sascha Melnjak Chefsache. Zwar freue er sich, „Mitarbeiter zu haben, auf die ich mich verlassen kann“, aber es gebe auch viele Situationen, die nicht geplant werden können. Mit dem Zirkus hat sich der 1975 in Stuttgart geborene Melnjak einen großen Traum erfüllt. 1981 war es und Sascha sechs Jahre alt, als er mit seiner Oma das erste Mal einen Zirkus besucht hat, den Circus Corty Althoff. „Von da an wusste ich, dass ich später einmal im Zirkus arbeiten wollte“, erzählt er.

Büroarbeit statt Artistik

Dass es Büroarbeit und Management sein werden, hatte er so aber nicht im Blick. „Ich wollte Zauberkünstler werden“, erinnert sich Sascha Melnjak, auch Artistik habe ihn gereizt – nur fehlte das Talent. Er habe aber schnell gemerkt, dass Logistik und Administration ihm richtig viel Spaß machen – und so hat er heute seinen eigenen Zirkus, ohne selbst im Rampenlicht zu stehen. 2007 übernahm der Stuttgarter, der nach dem Abitur eine kaufmännische Lehre absolviert hat, den Zirkus von Charles Knie.Heute ist Melnjak für knapp 100 Mitarbeiter verantwortlich, hat täglich von 9 bis 20 Uhr im Büro zu tun. „Wir sind wie ein mittelständischer Wirtschaftsbetrieb, nur alle paar Tage an einem anderem Ort“, sagt der Zirkusdirektor.

Vor dem Tourstart am 16. März haben die Mitwirkenden eine Woche in Einbeck für die neue Show geprobt. „Es war eine harte Zeit, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen“, sagt Sascha Melnjak und kündigt ein „Hammer-Programm“ an, das noch „sympathischer und besser als in den Jahren davor“ sei. Allein Alexander Lacey, der nach sechs Jahren in den USA mit seinen 13 Raubkatzen wieder in Europa auftritt, „ist Hollywood im Zirkus für mich“, so Melnjak. Von Jahr zu Jahr werden Nummern ausgetauscht, so dass sich alle drei bis vier Jahre ein Komplettwechsel vollzogen hat.

Vorstellungen: Sonnabend, 31. März, um 16 und 19 Uhr, sowie am Ostersonntag und Ostermontag jeweils um 11 und 15 Uhr. Karten gibt es unter anderem im Volksstimme-Servicecenter sowie täglich ab 10 Uhr an der Zirkuskasse.