Stendal l Vor allem mit zwei Umständen hatten die Zuckerrübenbauern im vergangenen Jahr zu kämpfen: mit der Dürre und dem zunehmend schlechten Image, das Zucker hat. „Es ist kein Teufelszeug, was wir auf den Äckern betreiben“, sagte Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des Dachverbandes Norddeutscher Zuckerrübenbauer (DZN). Der DZN und die Nordzucker AG hatten am Dienstag zur Winterversammlung ins Stendaler Rathaus eingeladen. Unter dem Motto „Nur zusammen sind wir Zucker“ schwört sich der Verband auf Zusammenhalt ein. Zucker sei ein Lebensmittel, das in keiner ausgewogenen Ernährung fehlen dürfe. Natürlich dürfe er aber auch nicht im Übermaß genossen werden.

Wenig Wertschätzung

Dass den Zuckerrübenbauern so wenig Wertschätzung entgegengebracht werde, verband er damit, dass sie eine gesellschaftliche Randgruppe geworden seien. Bei 80 Millionen Einwohnern gebe es nicht einmal 30.000 Zuckerrübenbauern. In Indien, dem weltweit größten Zuckerhersteller sind unter den rund 1,1 Milliarden Einwohnern 50 Millionen Zuckerbauern, das ist eine andere Größenordnung. Nach Indien folgen Brasilien und Thailand als Zuckerproduzenten von Weltrang, alle drei gewinnen den süßen Stoff aus Zuckerrohr. Dieser Zucker sei allerdings nicht hochwertiger als der aus der Rübe, auch wenn er in den Geschäften teurer verkauft werde.

Gegen die Verteufelung

Zu den Zuhörern gehörte auch Frank Wiese, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Stendal. Auch er wehrte sich gegen die Verteufelung des Zuckers. „Das Problem, an das jeder denken muss, ist, dass es wohl nicht gesund ist, vier Flaschen Cola zu trinken“, sagte er. Aber dafür sei jeder selbst verantwortlich, niemand werde von der Industrie dazu gezwungen. Jeder treffe die Entscheidung selbst und müsse verantwortungsbewusst damit umgehen. Und den Kindern natürlich vorleben, was eine ausgewogene Ernährung ist. Daher findet er auch Aktionen wie ein kostenloses gesundes Frühstück in Kindereinrichtungen sehr positiv.

Anteilmäßig an der Landwirtschaft in der Altmark hat der Zuckerrübenanbau eher eine geringe Bedeutung. Cord Linnes, Geschäftsführer des DNZ-Regionalverbandes Magdeburg, gibt die Anzahl der Betriebe in der Altmark und dem Bereich östlich der Elbe mit rund 80 an. Frank Wiese schätzt den Flächenanteil auf fünf Prozent. Aber dennoch habe die Zuckerrübe eine wichtige Bedeutung, nämlich für die Fruchtfolge. Damit wird im Ackerbau der wechselnde Anbau verschiedener Kulturen bezeichnet. Grundsätzlich gilt: Je vielseitiger die Fruchtfolge, desto besser geht es dem Boden und desto gesünder sind die Pflanzen.

Höherer Zuckergehalt

Durch die anhaltende Dürre waren sie im vergangenen Jahr vor allem kleiner als sonst. Die Ernte fiel schlecht aus. In der Altmark war sie um ein Drittel geringer als im Jahr zuvor, wie Harm-Henning Wolters, Leiter des Rübenbüros der Zuckerfabrik der Nordzucker AG im Bördeort Klein Wanzleben, erklärte. Dorthin werden die meisten altmärkischen Zuckerrüben gebracht, ein Teil geht auch in die Zuckerfabrik im niedersächsischen Uelzen. Die Rübe habe unter der Trockenheit gelitten. Positiv wirkte sich die allerdings auf den Zuckergehalt aus. Der lag mit 20,1 Prozent höher als je zuvor, so dass der Verlust beim Zuckerertrag um 20 Prozent lag. „Lassen Sie uns nicht den Kopf in den Sand, sondern die Rübe in den Boden stecken“, ermunterte er seine Zuhörer.

Geschäft mit australischem Konzern

Von der Trockenheit seien im Übrigen alle Länder betroffen gewesen, mit denen Nordzucker im Verbund steht, ob Schweden und Dänemark oder Litauen und die Slowakei. Demnächst könnte der Konzern seinen Arm noch etwas, eher ein gehöriges Stück weiter, ausstrecken – bis nach Australien. Matthias Schulte, Manager des Rübenbüros in Schladen (Landkreis Wolfenbüttel), hatte Neuigkeiten von Nordzucker mitgebracht: „Wir stecken in Gesprächen mit Mackay Sugar, die im Nordosten Australiens, in Queensland zwischen Cairns und Townsville angesiedelt sind.“

Durch Trockenheit und Managementfehler ist der zweitgrößte Zuckerproduzent des Kontinents in eine finanzielle Schieflage geraten, aus der er ohne Partner nicht herauskommt. Die helfende Hand kommt nun aus Deutschland.