Volksstimme: Wie fällt für 2015 Ihre Bilanz für die Stadt Seehausen-Börde aus?

Eckhard Jockisch: Es wird immer Dinge geben, die verbessert werden können. Hervorheben möchte ich den vorzeitigen Abschluss der größten Baumaßnahme in der Einheitsgemeinde, den grundhaften Ausbau der Bundesstraße B 246 a. Die Anwohner haben geduldig die Unannehmlichkeiten und Einschränkungen ertragen, die diese Maßnahme mit sich gebracht hat. Dafür ist ihnen uneingeschränkter Dank zu zollen. Aber auch den bauausführenden Unternehmen gilt mein Dank. Alle Beteiligten haben in zwei Schichten gearbeitet und auf diese Weise den Bau ein halbes Jahr früher als vorgesehen beendet. Straße und Nebenanlagen präsentieren Seehausen nun in schönerem Licht und werten unseren Ort beträchtlich auf.

Die Stadt Wanzleben-Börde konnte 2015 keinen Haushalt verabschieden. Ein Haushaltsloch von 5,4 Millionen Euro stand zu Buche. Welche Konsequenzen auch bezüglich freiwilliger Leistungen befürchten Sie?

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Wir werden erhebliche Einschränkungen verkraften müssen. Freiwillige Leistungen stehen fast gar nicht mehr zur Verfügung, da diese durch den nicht genehmigten Haushalt auf Eis gelegt worden sind. Aktivitäten sind nur noch auf Vereinsebene zu stemmen. Hier leisten unsere Vereine einiges und gelingt es ihnen, durch Eigeninitiative und Engagement Veranstaltungen und Feste in gewohnter Qualität durchzuführen.

Gerät durch das bestehende Haushaltsdefizit womöglich der Schulstandort Seehausen in Gefahr?

Diese Thematik beschäftigt gewiss alle Orte, die eine Schule haben. Dem Verlangen der Einheitsgemeinde, zwei Schul-standorte zu schließen, konnte bislang erfolgreich begegnet werden. Ich gehe davon aus, dass sich im Zuge der Flüchtlingsproblematik die Schülerzahlen stabilisieren, vorausgesetzt, dass die Familien hier auch dauerhaft bleiben wollen. In Seehausen gibt es aber auch wieder mehr Geburten zu verzeichnen. Ich gehe daher fest davon aus, dass der Schulstandort Seehausen erhalten bleibt.

Sie haben langjährige Erfahrung in der Lokalpolitik. Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit der politischen Parteien und Fraktionen im Stadtrat ein?

Zu Beginn hat es zwischen den Genannten mitunter doch einige Nicklichkeiten gegeben. Nicht immer gelang dem einen oder anderen der objektive Blick über den Tellerrand hinaus. Sichern eigener Pfründe hatte zuweilen Vorrang. Zuletzt ist es aber immer mehr zu vernünftigen Beschlüssen gekommen. Der Verkauf der Stadtwerke war aus meiner Sicht vernünftig. Wir haben einsehen müssen, dass ein mit Verlusten arbeitender Betrieb nicht akzeptabel ist und daher einen demokratischen Mehrheitsbeschluss gefasst. Die Angst der Bevölkerung vor einer drohenden Unterversorgung seitens der neuen Eigentümer der Stadtwerke war schlussendlich unbegründet. Im großen Stadtrat läuft es derzeit sehr ordentlich.

Was ist Ihrer Ansicht nach im vergangenen Jahr auf Stadtebene besonders gut gelungen?

Wir haben trotz des defizitären Haushalts einige Dinge auf den Weg bringen können. So haben wir in der Grundschule die Heizungsanlage grundlegend erneuert. Im Gemeinschaftszentrum Sonne sind die sanitären Anlagen instand gesetzt worden.

Wo sehen Sie Reserven und Handlungsbedarf? 

Unsere Hauptmaßnahme wird die Fertigstellung des Breiten Weges sein. Fördermittel für den Anschluss an die B 246 a sind zu beantragen. Wir trachten danach, das Vorhaben dann zeitnah zu realisieren, wenn die Finanzierung geklärt ist. Außerdem steht die Planung für die Straßensanierung der Ringstraße auf unserer Agenda. Die Ringstraße soll ab Höhe Autohaus Prudlo bis zum Ortsausgang Seehausen in Richtung Oschersleben saniert werden. Die Kreuzung wird dann einem Kreisel weichen. Baubeginn soll 2017 sein.

2015 hat die Stadt Wanzleben-Börde Flüchtlinge aus Krisengebieten aufgenommen. Auch in Seehausen sind Unterkünfte für Asylsuchende zur Verfügung gestellt worden. Welche unterstützenden Maßnahmen sind ergriffen worden?

Bislang sind drei afghanische Familien angekündigt worden. Dazu hatte mich der Landkreis Börde am vergangenen Mittwoch kontaktiert. Ein geeignetes Objekt ist gefunden und von den verantwortlichen Stellen abgenommen worden. In naher Zukunft rechnen wir mit etwa 50 bis 60 Neuankömmlingen. Diese werden im Hotel Romanik eine vorläufige Bleibe finden.

2016 soll das Jubiläum „1050 Jahre Seehausen“ gefeiert werden. Werden Sie das Finanzielle stemmen können?

Aus dem Topf der Gemeinde werden wir keine großen Zuwendungen erwarten können. Wir sind also auf private Geldspenden und das Engagement der Freiwilligen angewiesen. Im Klartext: Private Hand und Ehrenamtler werden das Jubiläum überwiegend allein stemmen müssen.

Nennen Sie uns doch bitte Ihre größten Wünsche für das bevorstehende Jahr?

Die sind ganz bescheiden: Dass Lebensgrundlagen wie Schul- standort, Kindertagesstätte oder auch die ärztliche Versorgung in vollem Umfang erhalten bleiben. Auch die Rundumversorgung durch hier ansässige Märkte soll erhalten bleiben. Zudem wünsche ich mir, dass unsere Vereine weiterhin unterstützt werden. Denn gesellschaftliches Leben hält eine Kommune am Leben.