Remkersleben l Aus der Hoffnung von Andrea Wolff, Leiterin der Remkersleber Kindertagesstätte „Zwergenland“, dieses Weihnachten wieder zuhause in der Kita des Dorfes mit ihren Schützlingen und Kolleginnen feiern zu können, wird nichts. Dieser vor Monaten anvisierte Termin verzögert sich. Wie so viele Termine zuvor. Das Ende der Kita-Sanierung war für Dezember 2018 geplant.

Jetzt wird erst Februar 2019 daraus. Das „Zwergenland“ will die Wiedereinweihung der Kita am 17. Februar mit einem „Tag der offenen Tür“ feiern. Dann wird auch der 200. Geburtstag des alten Fachwerkhauses begangen. Seit August 2017 und bis zum Bauende sind die Mädchen und Jungen des Remkersleber „Zwergenlandes“ in den Kindertagesstätten Seehausen und Groß Rodensleben zusammen mit ihren Erzieherinnen untergekommen.

Kita-Chefin guter Hoffnung

„Es sieht schon gut aus“, schätzte Andrea Wolff bei der jüngsten Beratung mit Remkerslebens Ortsbürgermeister Martin Niemann (Freie Wähler), Wanzlebens Bauamtsleiter Olaf Küpper und Ines Darius, Sachbearbeiterin Hochbau und Bauleitplanung bei der Stadt Wanzleben-Börde, ein. Nunmehr ist auch die Kita-Chefin guter Hoffnung, dass das Mammutvorhaben zu einem guten Ende komme. „Daran haben nicht mehr viele Remkersleben geglaubt“, sagte sie angesichts der enormen Verzögerungen im Bauablauf. Mittlerweile hat das Haus einen neuen Giebel aus Stein, dort wo vormals alte Holzbalken und Lehm das marode Fachwerk bildeten. Im Inneren des Gebäude stützen bis zu 15 Meter lange Träger aus Stahl die Decke. Der Fußboden wurde komplett neu aufgebaut. Auf der zur Straße hin zeigenden Fassade sind neue Fenster zu sehen.

Bilder

Die Verzögerungen im Bauablauf hatten vornehmlich mit der Statik des unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhauses, dem ältesten in Remkersleben, zu tun, erläuterte Remkerslebens Ortsbürgermeister Martin Niemann (Freie Wähler). Wie sein Vorgänger im Amt Christian Becker (Freie Wähler) und wie viele Remkersleber hat sich Niemann stark für die erfolgreiche Sanierung der Kindertagesstätte eingesetzt. Die Einwohner hatten zu Beginn der Arbeiten bei etlichen Arbeitseinsätze freiwillig und unentgeltlich angepackt, um das alte Gebäude zu entrümpeln und um somit für die Stadt Wanzleben-Börde Geld zu sparen. Einwohner leisteten in vier Einsätzen 286 Stunden ehrenamtliche Arbeit.

Viele der alten Holzbalken marode

Nach dem Beginn der energetischen Sanierung der Kita „Zwergenland“ durch professionelle Bauleute traf alle Beteiligten dann Ende 2018 der Schock. Viele der alten Holzbalken waren marode, konnten nicht mehr gerettet werden und gefährdeten die Standsicherheit des alten Hauses. Die Stadt musste ihre Pläne zur Sanierung fast über den Haufen werfen und neu planen. Hinzu kam, dass es mit der Erarbeitung der Statik Probleme gab.

Mit dem Remkersleber Martin Niemann kam ein neuer Statiker ins Spiel, der die nötigen Unterlagen erarbeitete. In Zusammenarbeit mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Börde fand die Stadt einen Weg, das alte Haus zu retten. Die Beteiligten einigten sich darauf, den alten Giebel abzureißen und durch ein neues Mauerwerk zu ersetzen. Lediglich die für Remkersleben prägende Ansicht des alten Fachwerkhauses zur Straßenseite hin sollte unter Beachtung des Denkmalschutzes instand gesetzt werden. Dort ist das alte Fachwerk nach außen hin sichtbar und sind neue Holzfenster eingebaut wurden. Während dort die Wärmedammung hinter der Wand verlegt wird, welche sie an den anderen Wänden davor angebracht. Ebenso wurde der Flur verbreitert, weil die frühere Breite nicht den Brandschutzbestimmungen entsprach.

Noch ist die Kita ein „hohler Vogel“. In den nächsten Wochen bis zur Fertigstellung im Februar müssen unter anderem noch neue Leitungen für Elektro verlegt und eine neue Heizung eingebaut werden.

Breitbandanschluss gefordert

„Ein Ort ohne Kita ist kein lebenswerter Ort“, war sich Martin Niemann sicher. Nach den jüngsten Kommunalwahlen wurde er zum Ortsbürgermeister von Remkersleben gewählt. Für ihn sei sicher, dass es nur gelinge, junge Menschen zum Zuzug auf das Dorf zu gewinnen, wenn eine Kindertagesstätte und Breitbandschlüsse vorhanden seien.

„Es ist alles passiert, was passieren konnte“, sagte Wanzlebens Bauamtsleiter Olaf Küpper im Rückblick auf den Bauverlauf. Jetzt rechne er nicht mehr mit Problemen, die den Zeitplan verzögern könnten. Und auch bei den Kosten liege die Stadt im Rahmen. Die Sanierung des „Zwergenlandes“ kostet 439.735 Euro, wobei 261.756 Euro aus dem Landesförderprogramm Stark III stammen. Die Stadt Wanzleben steuert einen Eigenanteil von 177.978 Euro hinzu.

Kita-Chefin Andrea Wolff hob den enormen Einsatz von Christian Becker, dem früheren Remkersleber Ortsbürgermeister, beim Kampf um die Sanierung hervor. Ohne seinen ganz persönlich Einsatz wäre das Projekt ihrer Meinung nach schon längst gescheitert gewesen.

Am 4. Juli 1820 wurde in dem Fachwerkhaus die erste Schule in Remkersleben eingeweiht. Eine zweite und sogar dritte Schule folgten 1860 und 1895. Es waren zu dieser Zeit 118 Kinder zu unterrichten. Im Jahr 1954 zog dann der Kindergarten in die erste Schule ein. Damit wird das Haus im kommenden Jahr 200 Jahre alt und die Kindertagesstätte bestand 2019 seit 65 Jahren.