Schwaneberg l Strukturen geben und Rituale vermitteln, Stärken fördern und Schwächen verringern – Stabilität erzeugen: das ist nicht immer einfach. Gerade Kinder und Jugendliche brauchen aber genau all das in ihrer Entwicklung.

„Da kann es schon passieren, dass Eltern damit überfordert sind. Die Gründe dafür können absolut unterschiedlich sein; materiell, sozial und emotional“, erklärt der Geschäftsführer und Leiter des Kinder und Jugendhilfezentrums (KJHZ) Groß Börnecke, Sven Schulze, „wenn diese Mängel zu gravierend sind, kann es zu einer Meldung beim Jugendamt durch die Schule oder den Kinderarzt, Nachbarn oder Freunde kommen.“

Der nächste Schritt sei dann ein Hausbesuch durch das Jugendamt, berichtet Schulze. Wenn dabei festgestellt würde, dass es ein Risiko für das Kind gibt oder die Umgebung schädlich für es sein kann, müsse der Staat aufgrund seiner Fürsorgepflicht handeln. Schulze: „Eine erste, niedrigschwellige Hilfe ist dann zunächst der Besuch durch Sozialarbeiter. Wenn das nicht ausreicht, kommt es zur stationären Unterbringung in Hilfezentren, wie beispielsweise unserer Einrichtung.“

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Ziel, Kind zu Eltern zurückzubringen

Ziel der Maßnahmen ist immer, das Kind in sein Elternhaus zurück zu bringen. „Blut ist dicker als Wasser, keine Einrichtung kann die Eltern ersetzen. Aus diesem Grund sind ein wichtiger Teil unseres Angebots auch dann, wenn die Kinder bei uns untergebracht sind, die Elterntage. So nehmen Mama und Papa an der Entwicklung ihres Kindes teil, der Kontakt besteht weiter, trotz der räumlichen Trennung.“

Durch das betreute Wohnen in der KJHZ sollen alle Jugendlichen befähigt werden, mit 18 Jahren ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Damit das gelingt, gibt es im KJHZ Dienstpläne, eine Supervision von Außen durch einen Coach und eine Intervision durch ein eigens Psychologen-Team der KJHZ. Klingt steril, ist es aber nicht. Dahinter verbergen sich konkrete, maßgeschneiderte Angebote an die Kinder und Jugendlichen, die ihnen helfen, ihr Leben selbst zu meistern. Schulze: „Bemitleiden ist der falsche Weg. Wir verstehen die Kinder und binden sie in die Gestaltung mit ein. Nur so erkennen wir ihre Stärken und Ressourcen, nur so können wir sie gezielt genau da abholen.“

Wer sich den Monatsplan in der KJHZ-Zentrale in Groß Börnecke anschaut, versteht was Schulze damit meint: Anbaden der Freibadsaison, Miniplaybackshow, Tretbootfahren, Anlegen eines Hochbeets, Spielplatztour und Gruppeneinkauf stehen da beispielsweise mit drauf.

Wohngruppe seit 20 Jahren

Schon seit 20 Jahren gibt es die Wohngruppe in Schwaneberg. Hier leben acht Kinder im Alter von 8 bis 17 Jahren, sechs Pädagogen betreuen sie. Pädagoge Karsten Göth leitet die Einrichtung.

Die täglichen Aufgaben sowie der Wochen- und Jahresplan geben den Bewohnern Struktur. „Dank dieser organisatorischen Hilfen meistern wir die Herausforderungen. Kochen und Essen, Einkaufen und Verstauen, Schule und Hausaufgaben – all das fällt fast täglich an. Der Wochenplan listet die Freizeit- und Bildungsangebote auf. Mit dabei sind Kunst-Workshops, Tanztreffs, Tischtennis- und Fußballgruppen.“

Der Jahresplan enthält längerfristige Aktionen, wie Radtouren, Sommerausflüge und die Teilnahme am Umweltpreis des Landes Sachsen-Anhalt.

Jugendliche nehmen an Projekten teil

Göth: „2015 haben wir daran mit unserem Projekt zum Up-Recycling von Gartenmöbeln teilgenommen. Aus Holz-Paletten haben die Kinder Gartenstühle und einen Tisch gebaut. Dieses Jahr nehmen wir mit unserem Insektenhotel erneut daran teil.“

Bei den Gartenmöbeln hatte die 17-jährige Vanessa mitgeholfen. „Es hat mir totalen Spaß gemacht, solche Herausforderungen zusammen in der Gruppe zu bewältigen.“ Der 11-jährige Ali war dieses Jahr beim Insektenhotel mit dabei. „Toll, was wir da sonst noch alles drumherum um die Insekten gelernt haben, als wir das Hotel gebaut haben.“

Selbstständigkeit, wie sie Schulze einfordert, wird natürlich auch in Schwaneberg groß geschrieben. So ist Vanessa mit ihren 17 Jahren eine Selbstversorgerin, heißt, sie bekommt ein Wochenbudget und muss sehen, wie sich das einteilt.

Natürlich gibt es in der wohngruppe auch Probleme. Aus diesem Grund ist das Gruppengespräch, einmal die Woche, ein fixer Termin. „Bei unseren Gruppengesprächen bringen sich die Kinder ein. Hier besprechen wir das Einkaufen und unsere Aktionen, aber auch alle Probleme kommen dann auf den Tisch, und werden hier gemeinsam gelöst.“