Langenweddingen l In der Luft liegt der spezielle Geruch von Holz und Büchern, ein wenig riecht es auch säuerlich nach dem speziellen Leim, mit dem Bücher gebunden werden, als Guido Skirlo die Räume der Bücherei in Langenweddingen aufschließt.

Drei Räume gehören in der ersten Etage des Pfarrhauses dazu; zwei kleinere und ein größerer. Und wie in jeder Bibliothek so scheinen auch hier die Regale nicht auszureichen. Überall gibt es mal einen kleinen, mal einen etwas größeren Turm mit Büchern, die noch oder schon wieder einsortiert werden müssen.

Management komplett analog

Im größeren Raum stehen auch ein bequemer Lesestuhl sowie eine Bank und davor ein Tisch. Darauf liegen natürlich auch Bücher herum. Auf einem Haufen liegt obenauf die Abenteuererzählung „Dschungelkind“. Daneben steht ein fünf Bücher hoher Turm, oben drauf der Roman „Die Welle“. Dazwischen liegen zwei Stempel und zwei Kugelschreiber, in der Mitte steht die „Verwaltung“ der Bücherei: eine Holzbox mit Karteikarten, sortiert nach dem Alphabet.

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Komplett analog erledigt Guido Skirlo das Ausleihmanagement. „Der Großteil unserer Bücher ist Belletristik, die wird auch genutzt. Reisebücher und Landschaftsbeschreibungen nicht, das schauen sich die Menschen wohl heutzutage eher im Internet an“, mutmaßt der Bibliothekar und deutet auf das hinter der Eingangstür versteckte Regal.

Vor zwei Jahren musste die Bibliothek ihr Domizil im Bürgerhaus verlassen, weil dort der Heimatverein einzog. „Zum Glück hat Pfarrer Raimund Müller-Busse uns damals diese Räume zur Verfügung gestellt“, erinnert sich Skirlo, „damals wurden dann die Bücher auch aufgeteilt. Hier im Pfarrhaus gab es einfach nicht genug Platz. Alle Kinder- und Jugendbücher wurden in eine Schulbibliothek ausgelagert.“

Auch ein Treffpunkt für Gespräche

Heute sei die Bibliothek meist ein Treffpunkt für die etwas älteren Damen im Ort: „Sie nutzen dies als Treffpunkt und versorgen sich bei mir mit neuem Lesefutter.“ Für das geringe Interesse an Büchern generell will Skirlo den Einfluss der neuen Medien nicht als Entschuldigung gelten lassen. „Wir hatten früher unseren Fußball, oft bis Sonnenuntergang. Danach aber haben sich viele von uns auf ihre Bücher gefreut.“

Skirlo meint, dass der Mangel an Interesse „der Überfrachtung des Lebens geschuldet ist“. Viele Eltern hätten aus diesem Grund kaum Zeit, mit gutem Beispiel voran zu gehen. „Das Bücherlesen ist dann leider eines der ersten Dinge, die hintenrunter fallen.“ Das sei sehr schade, denn anders als beispielsweise Filme entführe das Lesen in eine komplett eigene Welt, was gerade bei Kindern die Phantasie beflügele.