Nahverkehr

Blumenberger Interessengemeinschaft kämpft für Reaktivierung des Haltepunktes

Ein Versprechen, dass sich die Busanbindung in naher Zukunft verbessern wird, stellt eine Interessengemeinschaft aus Blumenberg nicht zufrieden. Sie hält weiter an ihrem Ziel fest , den 2018 geschlossenen Bahnhaltepunkt im Ort wieder zu aktivieren.

Von Constanze Arendt-Nowak
Das historische Bahnhofsgebäude in Blumenberg hat heute keine Bedeutung mehr.
Das historische Bahnhofsgebäude in Blumenberg hat heute keine Bedeutung mehr. Archivfoto: Hagen Uhlenhaut

Blumenberg - Nachdem in Blumenberg eine Antwort auf einen offenen Brief an den sachsen-anhaltischen Ministerpräsidenten Reiner Haseloff angekommen ist, keimt bei der Interessengemeinschaft, die sich für die Wiederinbetriebnahme des 2018 stillgelegten Bahnhaltepunktes einsetzt, leichte Hoffnung auf. Hoffnung, dass die Erreichbarkeit des Wanzleber Ortsteils bezüglich des öffentlichen Nahverkehrs zukünftig verbessert wird. Das Ziel, dass wieder Züge am Bahnhaltepunkt Blumenberg halten, steht aber nach wie vor in weiter Ferne.

Marika Reipsch hatte zuvor in ihrem offenen Brief dem Ministerpräsidenten die Situation und auch die Maßnahmen geschildert, mit denen die Blumenberger seit der Stilllegung des Bahnhaltepunktes im Dezember 2018 für die Wiederinbetriebnahme kämpfen. Höhepunkt dabei war im vergangenen Jahr eine Petition unter dem Titel „Starten statt warten – Dörfer auf dem Abstellgleis“, die 2700 Menschen aus der Region mit ihrer Unterschrift unterstützt haben. Zudem kann Marika Reipsch auf Grundlage einer Bedarfsermittlung darauf verweisen, dass 88 Personen den Zug täglich nutzen würden, wenn er denn am Blumenberger Haltepunkt halten würde. Dabei handelt es sich nicht nur um ältere Leute, die kein Auto mehr fahren können. Zudem hätte etliche Schüler der zehnten Klasse der Wanzleber Sekundarschule ihr Interesse für die Nutzung der Zugverbindung bekundet. Dass mit dem Zuzug, der in Blumenberg zu erkennen ist, der Bedarf weiter steigen wird, meint auch Edelgard Junghans, die sich ebenfalls in der Interessengemeinschaft engagiert. Entsprechende Angebote, um das Reisen mit der Bahn noch attraktiver zu machen und mehr Nutzer zu werben, vermissen die beiden Frauen allerdings.

Nutzer auch aus umliegenden Ortschaften

Gleichzeitig verweisen die beiden Frauen auf einen Einzugsbereich, der weit über Blumenberg hinausgeht und über 1000 Einwohner einschließt. „Wir wollen als Dreier-Ortschaft behandelt werden – Blumenberg, Bottmersdorf, Klein Germersleben.“ Auch beide Ortsbürgermeister der Ortschaften, Tino Bauer und René Gehre, haben sich für den Bahnhaltepunkt ausgesprochen.

Die Ergebnisse der Bedarfsermittlung kennt, wie Marika Reipsch betont, auch die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA). Diese sei allerdings nach wie vor der Meinung, dass sich der Bahnhaltepunkt Blumenberg nicht rentiert. Marika Reipsch kritisiert, dass die Prüfung nur auf Statistiken aufbaut und Punkte wie beispielsweise der Erhalt der Lebensqualität im ländlichen Raum, der Generationswechsel in den Dörfern, der Zuzug junger Familien und die Nutzung beziehungsweise Sanierung vorhandener Infrastruktur außen vor gelassen wird. Ein Großteil der Eindrücke und Erkenntnisse beruht auch auf einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern der NASA am Blumenberger Bahnhof.

Auf jenen Termin nimmt auch das Antwortschreiben auf den Ministerpräsidenten-Brief aus dem Landesministerium für Landesentwicklung und Verkehr Bezug. Folglich haben sich Vertreter verschiedener Behörden und Unternehmen zusammengesetzt, um die Anpassung eines Busangebots zu erörtern. Derzeit wird noch geprüft, aber möglich ist, dass die Blumenberger noch in diesem Jahr auf eine bessere Busanbindung zurückgreifen können. Bisher müssen die Blumenberger, um zur Bushaltestelle zu gelangen, einen langen Fußmarsch zur Bundesstraße antreten, Gehwege fehlen. „Und nach 20 Uhr spielt sich bezüglich des Busses gar nichts mehr ab“, beschreibt Edelgard Junghans die Situation. Hinzu käme, dass die Buslinie nur bis zum Bördepark am Rande von Magdeburg führt, nicht bis ins Stadtzentrum und auch keine Fahrräder im Bus mitgenommen werden können.

Doch nicht nur die Verbindung in die Landeshauptstadt gibt den beiden Frauen Anlass zur Kritik. „Versuchen Sie mal, Sonnabendnachmittag ins Krankenhaus nach Neindorf zu kommen, um jemanden zu besuchen“, regt Edelgard Junghans an und hat im Hinterkopf, dass das mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Blumenberg aus nicht möglich ist. Auch darum können die beiden Frauen den Bus nicht als Alternative zur Zugverbindung nach Magdeburg und nach Oschersleben sehen.

Land setzt auf einen Verkehrsmittelmix

Ob in naher Zukunft allerdings wieder Züge an einem dann neugebauten Bahnhaltepunkt in Blumenberg halten werden, bleibt auch in dem Schreiben offen und wird sich je nach Ergebnis eingehender Prüfungen entscheiden. Es wird betont, dass das Land Sachsen-Anhalt seit vielen Jahren auf einen „Verkehrsmittelmix aus Bahn, Bus und flexiblen Bedienformen entsprechend ihrer Stärken“ setzt.

Marika Reipsch und ihre Mitstreiter von der Interessengemeinschaft tröstet das wenig, zumal sie wissen, dass auch in anderen Orten tote Gleise wieder reaktiviert werden. Der Verfall an den Anlagen am Blumenberger Bahnhof spricht in ihren Augen Bände. Die Unterführung sah schon über Jahre schlimm aus und auch die Bahnsteige waren kaputt. „Es wurde Jahrzehnte nichts gemacht, aber das hatte sicher System“, zeigt sie sich enttäuscht. So haben viele, die sonst immer mit dem Zug gefahren sind, auch nach Alternativen gesucht. Was andere Bahnhaltepunkte auf der Strecke wie Beyendorf, Dodendorf, Osterweddingen oder Langenweddingen vom Blumenberger Haltepunkt unterscheidet, ließe sich ihrer Aussage nach schwer ergründen – zumal Zahlen von der Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt verschwiegen würden. „Da werden aber sicher auch nicht mehr ein- und aussteigen als hier“, so Marika Reipsch.

Allerdings wird an der vorhandenen Infrastruktur am Blumenberger Bahnhof seit Wochen tüchtig Hand angelegt. So wird, wie es auf der Internetseite für Bauprojekte der Deutschen Bahn heißt, nicht nur ein elektronisches Stellwerk errichtet, sondern auch nicht mehr benötigte Gleise, Weichen, Stellwerke, Bahnsteige und der Personentunnel zurückgebaut. Zudem werden im Zuge des Ausbaus der Strecke zwischen Magdeburg und Halberstadt für Geschwindigkeiten bis 120 Kilometer pro Stunde die Bahnübergänge bei Blumenberg erneuert.

Für die Mitglieder der Interessengemeinschaft ist das kaum Trost, denn sie sind sich einig: Sie wollen, dass die vorhandene Infrastruktur für sie wieder nutzbar gemacht wird.