Ummendorf l Ein Museumsbesuch besonderer Art fand am Montag in Ummendorf statt. Eine Expertenrunde besichtigte alle Räume, obwohl diese durchweg leergeräumt sind. Alles, was hier sonst die Ausstellung ausmacht, ist schon vor einiger Zeit aufwendig gesichert und in Außenlager abtransportiert worden.

Führung durch leere Räume

Die Führung hatte Dr. Nadine Panteleon, Leiterin des Hauses, übernommen. Sie erklärte den Besuchern, warum und wie die Museumsräume in der Burg nach dem eingangs genannten Motto saniert und modernisiert werden sollen. Und mehr noch: Für die Umgestaltung des Börde-Museums zu einem Mehrspartenhaus wollte Panteleon Ideen und Meinungen der Fachleute hören und konnte ihre Vorstellung, einen wissenschaftlichen Beirat dafür zu berufen und einzuladen, an diesem Tag erstmals realisieren.

Fachschaft mit breitem Spektrum

Bei der Begrüßung lobte Landrat Martin Stichnoth die Bereitschaft der Beiratsmitglieder, sich bei dem Vorhaben des Landkreises, das einen finanziellen Umfang von fast drei Millionen Euro umfasst, einzubringen. Nadine Panteleon hatte eine vielversprechende Auswahl getroffen. In der Liste des Beirats stehen unter anderen Dr. Jochen-Alexander Hofmann, Leiter der Museen Salzwedel, Dr. Immo Heske von der Uni Göttingen, Dr. Hajo Neumann, Leiter des Technikmuseums Magdeburg, oder Dr. Jürgen Weisser, Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums Hohenheim/Stuttgart. Auch der Landesheimatbund, die Hochschule Bernburg und das Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung (LISA) sind vertreten. Sie alle hatten sich bereit erklärt, an vier Workshops in Ummendorf mitzuwirken und gemeinsam zu beraten. „Wir wollten aus jeder Wissenschaftsdisziplin jemanden finden“, erläutert Panteleon die Auswahl.

Sehr schlechter Zustand

Nachdem Nadine Panteleon im ehemaligen Mühlenraum, in dem wegen der Statik einige Stempel die Decke stützen, über den gegenwärtigen Stand informiert und Baupläne vorgestellt hatte, zeigte sie dem Beirat erst einmal das Haus mit seiner Ausstellungsfläche von 500 Quadratmetern, führte dabei auch in den Bereich über dem so genannten Torhaus über der Durchfahrt, der in einem unvorstellbar schlechten Zustand ist und zu Arbeitsräumen umfunktioniert werden soll. Da kamen einigen Beiräten schon erste Zweifel, ob die Investitionssumme überhaupt reichen würde. Zu Baufinanzfragen sollte allerdings nicht diskutiert werden.

Die Leiterin des Museums sprach vor allem darüber, was man anders machen wolle, um den verschiedensten Besuchergruppen von der Familie über Touristen und Ausflügler bis hin zur Schulklasse Ausstellungen zu bieten, in denen jede für sich etwas Interessantes entdecken könnte.

Ausgewogenheit fehlt

Dabei ging die Museumsleiterin auch auf Veranstaltungen wie Burgfest oder Oldtimertreffen ein. „Viele Sachen sind schön und wichtig“, sagte sie, „aber was mir fehlt, ist die Ausgewogenheit. Dass wir nicht nur mit Veranstaltungsmanagement beschäftigt sind, sondern mit der Museumsarbeit. Wir müssen mit dem Museum im Blick der Besucher bleiben.“ In den Ausstellungsräumen werde künftig Medientechnik installiert sein, auch WLAN sei heute als Besucherservice eine wichtige Sache.

Zu Inhalten von Ausstellungen hatte das Museumsteam analysiert, welche Themen fehlen. So zum Beispiel Burggeschichte, Sandstein, Funde aus Kiesgruben, Landwirtschaftsprodukte, Flora und Fauna, Industriegeschichte oder die DDR zur Wendezeit. Fazit laut Panteleon: „Was wollen wir? Eine Dauererausstellung, die für alle Besucher ein besonderes Erlebnis ist. Sie müssen hier regelmäßig etwas Neues erleben.“

Bei Besuchern gefragt

Ein Teil der Erkenntnisse deckt sich durchaus mit zwei Umfragen, die in jüngerer Vergangenheit durchgeführt wurden. Dazu waren Fragebögen ausgelegt und von 518 Besuchern ausgefüllt worden. Auch per Internet wurde gefragt und beantwortet; daran nahmen 60 Nutzer teil.

Wir sind Experten

Die Befragung hatte das neun-köpfige Mitarbeiterteam des Museums dann analysiert. Einige Schwerpunkte, die die Besucher in der Burg gern einmal in Ausstellungen erleben würden, sind zum Beispiel Burggeschichte, Regionalgeschichte, Leben in der Börde, Technik und Leben im Mittelalter, Landwirtschaftsgeschichte oder Geschichte der Zuckerindustrie. Auf die Frage, was die Besucher mit der Magdeburger Börde verbinden, gab es Antworten wie Heimat, zupackende Menschen, Kindheit, große Weizen- und Rübenfelder, guter Boden, Landwirtschaft und Heimatgefühl. Mit dem Börde-Museum verbinden die Besucher vor allem, dass es sich in einer Burg befindet, tolle Veranstaltungen bietet, Schulzeit, der regionale Bezug als Heimatmuseum, der Dampfpflugsatz und der Kräutergarten.

Nach der abschließenden Beratung in zwei Gruppen des Beirats wollen die Museumsmitarbeiter nun weiter an der Umsetzung von Ideen arbeiten, um zur Wiedereröffnung 2022 möglichst viele Menschen begeistern zu können. „Wir sind die Experten“, meinte dazu Nadine Panteleon, „aber wir machen das nicht für uns, sondern für die Besucher.“ „Und die Besucher sind die harte Währung“, kommentierte Dr. Jochen Hofmann aus Salzwedel, Leiter der Museen des Altmarkkreises.

Rückhalt aus dem Landkreis

Nadine Panteleon bilanzierte abschließend: „Es war eine gelungene Veranstaltung, die einige Denkanstöße gegeben hat. Ich meine, wir sind auf dem richtigen Weg und haben durch unseren Träger, den Landkreis Börde, auch den notwendigen Rückhalt für unsere Vorhaben.“

Im November soll es dann bei einer weiteren Zusammenkunft des Beirats mit der Vorstellung von möglichen Themeneinheiten für die Ausstellung weitergehen.