Seehausen l Hirschligau selbst, sein Verleger Dr. Harry Ziethen und nicht zuletzt die rührigen Mitglieder des ausrichtenden Seehäuser Heimatvereins waren unisono perplex ob der enormen Resonanz, die die Premierenankündigung hervorgerufen hatte. „Ich bin überwältigt“, begrüßte Vereinsvorsitzende Christiane Buchheister die rund hundert Besucher im Saal „Zur Sonne“. Kurz zuvor hatte sie mit ihren Helfern noch zusätzliche Stühle aufs Parkett bringen müssen. Mit einem solchen Zulauf hatte man nicht gerechnet. „Aber umso schöner“, befand Buchheister, „denn das ist heute auch keine normale Buchlesung.“

Familie präsentierte mit

Den Beweis für diese Aussage trat Gunther Hirschligau sogleich an – und zwar in Familie. Musikalische Darbietungen mit Klavier, Trompete und Querflöte lieferten des Autors Töchter, Christiane Oppermann und Katharina Lemke, sowie die Enkelkinder Greta, Josefine und Mathis. Das i-Tüpfelchen ging auf das Konto von Hirschligaus Gattin. „Ich habe eine Inderin mitgebracht, mit der ich schon 45 Jahre verheirat bin“, kündigte er ihren Auftritt an – und Renate Hirschligau betrat in exotischer Kostümierung der Vaishyas-Kaste den Saal.

Historie verknüpft

Sie verkörperte im Rahmen der szenischen Lesung des Romans „Die tausendundzweite Nacht“ die Mutter der Protagonistin Ranjana – eine Rolle, die sie 2018 auch im gleichnamigen Stück des Ummendorfer Burgtheaters gespielt hatte. Im erzählenden (Renate) und vorlesenden (Gunther) Wechsel verknüpften die Ehepartner historische und inhaltliche Zusammenhänge der Romanhandlung miteinander, erfuhr das Publikum zudem etwas über schillernde Nebenfiguren wie den Hochstapler Hans Klein, der als Baron von Elbingen im fernen Indien Läuterung, um nicht zu sagen eine Reinkarnation des Geistes erfährt.

Mühevoller Prozess

Die wahre Geschichte um den Seehäuser Chirurgen Heinrich Kummer und seine indische Frau, um die herum er seinen mittlerweile neunten Roman gesponnen hat, sei ihm schon geraume Zeit bekannt, legte Gunther Hirschligau dar: „Ein Freund hat die schwierig zu entziffernden Aufzeichnungen dazu vor neun Jahren mal ins Reine bringen lassen.“ Seither habe der Reiz zum Buch bestanden. „Es war recht mühevoll und hat lange gedauert“, beschrieb der Autor den Schaffensprozess.

Wahrheit und Fiktion

„Ich bin beeindruckt, so eine Premiere erlebe auch ich selten“, konstatierte Harry Ziethen. „Als Verleger kann man nur froh sein, einen Autor wie Gunther Hirschligau zu haben, der einerseits Einblick in alte Kirchenbücher mit ihren spannenden Aufzeichnungen hat und andererseits über die Gabe verfügt, das Realhistorische mit der eigenen Fantasie zu vermengen, so dass für den Leser keine Unterschied mehr zwischen dem Wahren und dem Fiktiven erkennbar ist.“