Wanzleben/Seehausen l Im Zuge von Ausbaumaßnahmen sind die Grundschüler von Klein Wanzleben nach Seehausen umgezogen. Der Schulbetrieb am dort erst kürzlich frisch sanierten Standort läuft auch problemlos. Allerdings halten nicht alle Zubringer-Busse direkt an der Schule, sodass die Kinder teilweise an der Bundesstraße 246 entlang vom Busbahnhof zur Schule laufen müssen. Darüber ist jetzt eine Diskussion entbrannt. Grundsätzlich sind sich die Klein Wanzleber Eltern und die Verwaltung der Einheitsgemeinde darüber einig, dass der angepeilte Umzug der Kinder gut über die Bühne gegangen ist und diese gute Bedingungen in Seehausen vorfinden. Ebenso einig sind sich beide Parteien aber auch, dass die Umstände verbesserungswürdig sind.

Das trifft insbesondere auf die Art und Weise der Beförderung der Schüler zu, denn nicht alle Busse halten direkt an der Schule. „Konkret geht es um die Fahrten 4 und 8 und die Busse in den Ferien der Linie 602“, schildert Wanzlebens Ordnungsamtsleiter Kai Pluntke den Sachverhalt gegenüber der Volksstimme. „Diese fahren zwar nach Seehausen, allerdings nicht zur Haltestelle an der Grundschule, sondern planmäßig zum Busbahnhof.“

Gefährliche Route für Kinder

Ein Fußweg von etwa 350 Metern sei den Kinder zuzumuten, argumentiert der Landkreis. „Inwieweit dieser Weg tatsächlich hinnehmbar ist, ist subjektiv zu werten“, setzt Pluntke seine Ausführungen fort. „Wie wir aber wissen, halten die besagten Busse am Busbahnhof einige Minuten – der Zeitrahmen liegt bei 15 oder 10 Minuten.“ Es sei doch wohl möglich, einen Umweg, nämlich durch das Absetzen der Schüler direkt an der Schule, zeitlich einzutakten.

Das sieht auch Seehausens Ortsbürgermeister Eckhard Jockisch (Freie Wähler) so. „Wir reden hier nicht über die Länge des Fußweges“, betont er. „Wir reden über die von den Grundschülern zu absolvierende Route.“ Und diese führt nun einmal vom Busbahnhof über die Ringstraße und entlang der Bundesstraße 246 a zum Schulgebäude.

„Wir müssen bedenken, dass wir hier über Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren reden“, erläutert Jockisch. „Das ist nicht zumutbar, wenn wir einmal betrachten, was auf den betreffenden Straßen so los ist.“ Damit spielt das Stadtoberhaupt auf den erheblichen Verkehr an. Ab dem Herbst wird voraussichtlich der gerade im Bau befindliche Verkehrskreisel nach Oschersleben wieder freigegeben und auf der B 246 a läuft wieder die Rübenkampagne. Zudem ist die Bundesstraße ein Zubringer zur Autobahn 2. Schon jetzt donnern täglich viele Lkw hier entlang. Dazu kommt noch die Parkplatzeinfahrt zu einem Supermarkt, die die Kleinen auf ihrem Marsch ebenfalls passieren müssen.

Landkreis: Weg ist zumutbar

Schon im Vorfeld haben die Verantwortlichen und die Eltern über das seinerzeit noch anstehende Problem eifrig diskutiert. Das bestätigt der Ordnungsamtsleiter. „Grundsätzlich haben wir gemeinsam mit dem Landkreis viele Probleme besprochen und einvernehmliche Lösungen gefunden“, sagt er. „Obwohl die Schülerbeförderung wahrhaftig ein großes Thema war, ist eine zufriedenstellende Lösung für die angesprochenen zwei Busfahrten sowie die Fahrten in den Ferien nicht gefunden worden.“

Schon seit Oktober 2018 habe es Gespräche dazu gegeben, auch mit dem Schulelternrat aus Klein Wanzleben. „Im Zuge haben wir eine Bedarfsabfrage bei allen Eltern für die Beförderung der Hortkinder früh und in den Ferienzeiten abgehalten“, erläutert Pluntke weiter. „Schon im Januar haben wir dann bei einer Anhörung des Landkreises zur Fahrplanänderung auf das Problem aufmerksam gemacht.“ Konkret sei sogar immer wieder darauf hingewiesen worden.

„Die abschließende Antwort vom Landkreis war, der Weg sei den Kindern zuzumuten und fertig“, sagt Pluntke. Alle weiteren Bemühungen Pluntkes blieben erfolglos. So veranlasste die Verwaltung der Einheitsgemeinde, dass zumindest am ersten und zweiten Tag nach dem Umzug der Klein Wanzleber Erzieher die in Frage kommenden Fahrten am Busbahnhof absicherten.

Kosten soll der Landkreis tragen

Die Frage nach einem möglichen generellen Halt der Zubringerbusse beantwortet Landrat Martin Stichnoth gegenüber der Volksstimme. „Der Weg vom Busbahnhof zur Schule ist generell zumutbar“, betont er noch einmal. „Es gibt da ähnliche Situationen im Landkreis, so zum Beispiel in Haldensleben.“

Das direkte Anfahren der Grundschule sei ebenfalls machbar. „Die Kosten bewegen sich im unteren dreistelligen Bereich und sind von der Einheitsgemeinde als Schul- träger zu übernehmen“, erklärt er. „Das ist aus Gründen der Gleichbehandlung so und wir können da als Landkreis keine Ausnahme machen.“ In der Hohen Börde werde in einem Beispielfall genau so verfahren.

Das sieht Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge völlig anders. „In unserem konkreten Fall ist es doch so, dass Veranlasser des Umzuges der Kinder nach Seehausen der Landkreis Börde selber ist“, sagt er. „Dieser saniert die Gesamtschule in Wanzleben und somit ist der gesamte Ringtausch der Schulen in Gange gekommen.“ Kluges Meinung nach müsse der Verursacher in der Kostenfrage vollumfänglich mit ins Boot geholt werden.