Wanzleben l „Wir sehen deutlich den Handlungsbedarf, wollen aber nicht alles Mögliche machen, sondern stets abwägen“, sagte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) am Freitag zu den Auswirkungen der weltweiten Corona-Pandemie auf die Einheitsgemeinde. Veranstaltungen zu untersagen, das sei wenn erforderlich Aufgabe der Stadt, Einrichtungen wie Schulen und Kindertagesstätten zu schließen, obliege dem Landkreis Börde. Die Landesregierung verfügte am Freitag, dass alle Schule und Kitas in Sachsen-Anhalt von Montag an geschossen sind. Wanzlebens Bürgermeister stimmte sich gestern Nachmittag mit den Leiterinnen der Kitas über die weitere Vorgehensweise ab.

Panikfrei handeln

Die Stadt sei sich der Tragweite des Themas bewusst, die Verwaltung wolle jedoch panikfrei handeln, sagte Kluge. Die Stadt verfüge über einen Havarieplan, der das Handeln vorgebe. Die Strategie sei mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Börde abgestimmt, werde ständig der aktuellen Lage angepasst und orientiere sich am Pandemieplan des Landes.

Auswirkungen eindämmen

Erste Auswirkungen sind in der Stadt Wanzleben-Börde spürbar. Von Montag, 16. März an, sind sämtliche Veranstaltungen, Projekttage, Ausflüge, Fahrten, Jahreshauptversammlungen, Teamfortbildungen, gemeinsame Dienstberatungen des gesamten Teams, Elternabende, Dienst- und Ausbildungsveranstaltungen und ähnliche Treffen in den kommunalen Einrichtung und Feuerwehren verboten. Das geht auf eine Dienstanweisung von Kai Pluntke, Leiter für Ordnung und Soziales in der Stadt Wanzleben-Börde zurück, die er am Freitag verkündete. Für Besuchergruppen und Veranstaltungen stünden die Kindertagesstätten und Feuerwehrgerätehäuser ebenfalls nicht zu Verfügung. Weitere Maßnahmen würden in dem derzeit in der Erstellung befindlichen betrieblichen Pandemieplan geregelt. Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge hat sich wegen der Auswirkungen der Corona-Epidemie an die Ortsbürgermeister der Einheitsgemeinde gewandt. „Das Tempo der Entwicklung der Pandemie macht es erforderlich, auch in unserer Stadt weitere Schutzmaßnahmen zu treffen“, verdeutlichte der Verwaltungschef. Die von Montag an geltenden Restriktionen würden zunächst unbefristet gelten. Mit einer wenn auch kurzen Frist sei es den Einrichtungen noch möglich, geplante Veranstaltungen abzusagen oder zu verschieben. „Für Veranstaltungen unserer Vereine sollen diese Festlegungen ebenfalls gelten“, verdeutlichte Kluge. Personeller Aufwand und Initiative der Organisatoren könnten daher umsonst gewesen sein, „aber damit müssen wir bei dieser Lage leben“. Wenn ein finanzieller Schaden durch Vorverträge entstehe, bitte der Bürgermeister seine Kollegen in den Ortschaften, ihn zu informieren. Die Regelung gelte jedoch nicht für gewerbliche Veranstaltungsagenturen. „Wir wollen in unserer Stadt einen aktiven Beitrag leisten, um die Verbreitung des Virus einzudämmen. Auch um unsere Kitas und Schulen zu schützen“, sagte Kluge.

Viele Veranstaltungen abgesagt

Wie am Freitag Verena Schillat, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben, informierte, sind alle Veranstaltung in der Einrichtung auf unbestimmte Zeit abgesagt.

Der Verein zur Förderung der Freiwilligen Feuerwehr Wanzleben hat das am und im Gerätehaus für den 9. April geplante Osterbrennen abgesagt. „Um die Ansteckungsgefahr für unsere Gäste, vor allem aber für unsere Kameraden im Hinblick auf die Sicherstellung des Brandschutzes in unserer Stadt, so gering wie möglich zu halten, stehen die Gerätehäuser nicht mehr für öffentliche Veranstaltungen zur Verfügung“, teilte der Verein mit. Das Osterbrennen soll später nachgeholt werden.

Kein Frühjahrsputz, keine Klönstube

Der Förderverein der Grundschule „Friedrich von Matthisson“ Hohendodeleben hat den für Sonnabend, 28. März, geplanten Frühjahrsputz und Mitmachtag gestrichen.

Auch die Kirchengemeinde St. Johannis Klein Wanzleben sagt ab Montag, 16. März, alle öffentlichen Veranstaltungen wie Klönstube, Spielenachmittag und die anderer Gruppen, die das Gemeindezentrum nutzen, ab. „Wir hoffen dann gemeinsam wieder die Gottesdienste ab Karfreitag feiern zu können. Wann wieder öffentliche Veranstaltungen bei uns wieder stattfinden, entscheiden wir abhängig von der Lage, frühestens jedoch nach Ostern. Am Sonntag findet aber um 14 Uhr noch ein Gottesdienst statt“, sagte Gemeindekirchenratsvorsitzender Knut Freese. In seiner Funktion als Ortsbürgermeister des Zuckerdorfes hat Freese auch den für 29. März geplanten Vereinsfrühschoppen im Sportlerheim Klein Wanzleben abgesagt.

In der Tafel werden Lebensmittel knapp

In der Wanzleber Tafel des DRK-Kreisverbandes im sozialen Zentrum „Alter Bahnhof“ werden indes die Lebensmittel knapp. „Wir bekommen von unseren Partnern, den großen Lebensmittelmärkten, immer weniger Ware“, sagte am Freitag Barbara Schürmann, Leiterin der Einrichtung. Das liege ihrer Einschätzung nach auch daran, dass die Kunden jetzt auch viel mehr preiswertere Waren kaufen würden, um sich daheim wegen der Corona-Krise Vorräte anzulegen. Gerade bei Obst und Gemüse bestehe ein großer Engpass, die Vorräte würden langsam zur Neige gehen. Auch sonst herrscht in den großen Kühlschränken in etlichen Fächern gähnende Leere. Nur haltbare Milch und Fertigkartoffeln seien noch vorhanden. Wegen des Engpasses würden die Lebensmittelpakete, die die Tafel zum Preis von 3,50 Euro an Bedürftige abgibt, zurzeit etwas kleiner ausfallen. Dafür hätten die Kunden jedoch wegen der außergewöhnlichen Situation Verständnis.

Betrieb aufrechterhalten

„Wir versuchen, unseren Betrieb so lange wie möglich aufrechtzuerhalten“, verdeutlichte Barbara Schürmann. Um ihre Mitarbeiter und die Besucher zu schützen, dürfen Menschen mit Erkältungssymptomen den „Alten Bahnhof“ nicht mehr betreten. Sollten Erkrankte Tafel-Pakete benötigen, sollen sie die Telefonnummer 039209/202739 anrufen. Auch würde das Soziale Zentrum nur noch vier Tafel-Kunden gleichzeitig in die Räume lassen, um eine mögliche Ansteckungsgefahr zu verringern. Gleiches gelte für die Nutzer des Kleiderladens.

Verschärfe sich die Lage durch das Corona-Virus weiter, sehe Barbara Schürmann regelmäßige Angebote des Sozialen Zentrums „Alten Bahnhof“ des DRK-Kreisverbandes Wanzleben wie Kochclub und Digital-Café in Gefahr. Gleiches gelte für die etlichen Gymnastikkurse des DRK Wanzleben im Verbandsgebiet.