Wanzleben l Die Corona-Krise erfordert in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens Erfindungsgeist und Kreativität, so auch in den Schulen. Die Lehrerinnen und Lehrer der Sekundarschule Gemeinschaftsschule Wanzleben nahmen die Herausforderung an, erfolgreich wie sich zeigt. Denn auf ihre Methode zum Distanzuntericht ist sogar das Landesschulamt aufmerksam geworden. Eigentlich sollte die stellvertretende Schulleiterin Michaela Pessel das Konzept auf der für vergangene Woche geplanten Schulleiter-Klausurtagung im Rahmen eines Workshops vorstellen. Diese wurde jedoch wegen der steigenden Infektionszahlen verschoben. Im Volksstimme-Gespräch erklärte Pessel, wie der Fernunterricht im Falle eines erneuten Lockdowns funktionieren kann.

Wesentlich dafür sei zunächst eine umfassende Kommunikation auf allen Ebenen, so die 35-Jährige. Also erweiterte sie Internetseite der Schule um die Punkte „Informationen-Covid 19“ und „Schulcloud“. Ersterer liefert vorrangig allgemeine, aber sich in der Pandemie ständig ändernde Informationen wie beispielsweise zum Verhalten im Schulbus oder wann und wo im Schulgebäude ein Mund- und Nasenschutz zu tragen ist.

Wichtig für den Distanzunterricht ist aber der Punkt „Schulcloud“. Von dort aus gelangen Schüler, Eltern und Lehrer entweder auf die Plattform emuCLOUD oder auf die schul.cloud. Die emuCloud dient vorrangig der Vernetzung von Lehrern und wird vom Bildungsserver des Landes Sachsen-Anhalt zur Verfügung gestellt. „Über dieses Angebot können wir schnell, unkompliziert und vor allem sicher Daten im Kollegium austauschen“, sagt Pessel. Dort stelle die Schulleitung zum Beispiel Vertretungs- oder Dienstpläne ein. „Hier werden zwar auch Dateien mit Eltern und Schülern geteilt, die Möglichkeiten sind aber begrenzt“, weiß Michaela Pessel.

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Kommunikation ist das Wesentliche

Darum riet Jörg Drebenstedt, der Technikbeauftragte der Schule, zur Nutzung von schul.cloud, einem Datenschutz-konformen Messenger mit Dateiablage. Hier funktioniere der Austausch zwischen Lehrern, Eltern und Schülern besser. In sogenannten Channels, eigentlich Chaträumen, können Lernende von zu Hause aus direkt Fragen an die Lehrer richten und Antworten erhalten. Ein weiterer Vorteil der Anwendung: „Es können Ordner angelegt werden, in die Schüler beispielsweise gelöste Schulaufgaben zur Bewertung einstellen“, betont die stellvertretende Schulleiterin. Mit diesen beiden Werkzeugen habe die Schule das wichtigste Ziel, die Gestaltung des Datenaustauschs, erreicht.

„Im nächsten Schritt fragten wir uns, auf welche Art wir Inhalte zur Verfügung stellen“, beschreibt Pessel. Dabei habe jeder ein bisschen beim anderen abgeschaut, etwa wie Aufgabenstellungen konkretisiert werden können. Einige Lehrer hätten eine Art Stundenplan für ihre Klassen online gestellt, um den Schülern Orientierungshilfen zu bieten. Darin sei vorgegeben worden, welches Pensum eine Aufgabe einnehmen sollte. So hätten sich die Kinder und Jugendlichen zeitlich besser organisieren können. „Rückmeldungen von den Lernenden und ihren Eltern helfen uns zusätzlich dabei, den Fernunterricht zu verbessern“, sagt Pessel. Wenn beispielsweise eine Datei nicht zu öffnen ist, dann würde das im Kollegium nicht immer sofort bemerkt.“

Austausch und Methode müssen stimmen

Derzeit bereiten sich die Mitarbeiter der Wanzleber Sekundarschule auf einen erneuten Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht vor. Es finden regelmäßig interne Workshops für alle Lehrer statt, um das Wissen aus dem Frühjahr wieder aufzufrischen und Neues zu lernen. Problematisch bei der Umsetzung des Distanzunterrichts sei die technische Ausstattung an der Schule. Es gebe laut Pessel einige Kinder und Jugendliche, die keinen Computer, Laptop oder ein Tablet zu Hause haben. „Also mussten wir überlegen, was auf den Smartphones möglich ist.“ Schul.cloud sei dafür gut geeignet. Endgeräte könne die Bildungseinrichtung selbst derzeit nicht zur Verfügung stellen.

Während der Schulschließungen im Frühjahr sei der Distanzunterricht unterschiedlich angenommen worden. „Besonders die Zehntklässler waren sehr aktiv so kurz vor ihrem Abschluss, aber leider war das nicht bei allen Schülern so“, erinnert sich die stellvertretende Schulleiterin und fügt hinzu: „Wir berücksichtigen, dass es eine Weile braucht, bis sich alle an diese Form des Lernens gewöhnt haben“. Ziel sei es jetzt, die Schüler gezielt auf den Umgang mit der Cloud vorzubereiten „Wir unterstützen uns gegenseitig und lernen permanent dazu“, sagt sie.

Langfristig werde angestrebt, den Fernunterricht so gut wie möglich zu optimieren und zu etablieren. So sollen große Wissenslücken bei den Kindern und Jugendlichen im Falle einer vorübergehenden Schulschließeung vermieden werden. Schließlich wisse niemand, wie die Zukunft in der Corona-Pandemie aussieht.