Neue Gesamtschule in Wanzleben

Diebstähle und Planungsmängel lassen Kosten auf fast das Doppelte ansteigen

Der Umzug der Sekundarschüler aus Klein Wanzleben nach Wanzleben verzögert sich erneut. Er soll in den Herbstferien erfolgen. Dann muss der Bau auch fertig sein. Statt 3,5 sind dann 6,5 Millionen Euro in den Neubau geflossen. Einen Kostenpunkt von mehreren 100000 Euro machen dabei auch Einbruchs- und Diebstahlschäden aus.

Von Christian Besecke
Der Neubau der künftigen gesamtschule in Wanzleben kostet statt der veranschlagten 3,5 Millionen Euro nun wohl 6,5 Millionen Euro.
Der Neubau der künftigen gesamtschule in Wanzleben kostet statt der veranschlagten 3,5 Millionen Euro nun wohl 6,5 Millionen Euro. Foto: Hagen Uhlenhaut

Wanzleben - Derzeit wird der Bodenbelag in den künftigen Klassenräumen der neuen Gesamtschule in Wanzleben verlegt. Des Weiteren werden in allen Bereichen noch Malerarbeiten durchgeführt. „Die technischen Gewerke befinden sich in der Endmontage. Die Aufzugsanlage wird in dieser Woche montiert“, informiert der Pressesprecher des Landkreises Börde, Uwe Baumgart. „Die bauliche Fertigstellung des Gebäudes ist grundsätzlich bis Ende August vorgesehen.“

Die Bauleistungen im Aulabereich sollen bis spätestens Ende September abgeschlossen werden. Im September erfolgt noch die Fußbodenbeschichtung der Flurbereiche. Die Ausstattung der Klassenräume und der Schulverwaltung mit Mobiliar sowie der digitalen Aktivtechnik – das sind Beamer, digitale Tafeln, WLAN – ist für Oktober vorgesehen.

Was hat aber zur Verzögerung geführt? „Bereits in der Vorbereitung der Baumaßnahme kam es zu ersten Verzögerungen im Rahmen der vorgesehenen zeitlichen Umsetzung“, erläutert Baumgart weiter. „Mehrere Gewerke mussten wegen fehlender Bieterbeteiligung mehrfach ausgeschrieben werden. Auch wichen die Submissionsergebnisse erheblich von den vorliegenden Kostenberechnungen ab.“ Da es sich um ein Bestandsgebäude handelt, wurden viele baulichen Mängel erst im Rahmen von notwendigen Demontagearbeiten ersichtlich.

Große Abweichungenzu den Plänen

Die Fassaden, Wände, Laibungen, Betonumrahmungen und Fußbodenhöhen wiesen große Abweichungen auf. „Viele Bauteile sind nicht in einer Flucht eingebaut“, beschreibt der Pressesprecher. „Tür- und Fensteröffnungen hatten keine einheitlichen Abmessungen und waren teilweise in den Laibungen konisch. Zusätzlichen Leistungen mussten ausgeführt werden.“

Ungeplante statische Ertüchtigungen führten ebenfalls zu erheblichen Mehrkosten. Ein weiterer Aspekt sei die unzureichende Betreuung der Baumaßnahme durch das eingebundene Architekturbüro gewesen. „Die Ausführungsunterlagen waren unvollständig oder mangelhaft, notwendige Detailzeichnungen wurden nicht erstellt sowie Bauablaufpläne nicht aktualisiert“, berichtet Baumgart weiter. „Auch entsprach die Baubetreuung durch das Architekturbüro nicht den Vorstellungen des Landkreises. In Summe führten alle vorstehenden Punkte zur Kündigung des Architekturbüros.“

Auch müssten für die baulichen Verzögerungen die erheblichen Auswirkungen der Corona-Pandemie genannt werden. Ein Zusammenwirken und Ineinandergreifen der einzelnen Gewerke konnte nicht mehr gewährleistet werden. Ausfälle von Mitarbeitern der beauftragen Unternehmen durch Quarantäneanordnungen führten zu erheblichen Verschiebungen im Bauablauf.

„Die bauliche Fertigstellung des Gebäudes, unter Berücksichtigung des derzeitigen Baufortschritts, sollte bis zu den Herbstferien gewährleistet werden können“, schätzt Baumgart weiter ein. „Eine nochmalige Verschiebung der Nutzungsaufnahme ist nicht vorgesehen, weil mit dem 31. September der Bewilligungszeitraum des Fördermittelgebers endet.“ Bis dahin müssen alle Leistungen abgeschlossen sein.

Kosten haben sich fast verdoppelt

Wie sieht es mit den Kosten aus? „Die Antragstellung der Fördermaßnahme erfolgte am 28. September 2016 mit einer Investitionssumme in Höhe von rund 3.5 Millionen Euro“, erläutert der Pressesprecher. „Der Landkreis erhielt im Januar 2018 die Förderzusage für das eingereichte Bauvorhaben. Die Zuwendungssumme beträgt 2,5 Millionen Euro.“

Im Jahr 2018 wurde die Planung fortgeschrieben, die Leistungsverzeichnisse erstellt und veröffentlicht. „Die ersten Submissionsergebnisse zeigten bereits, dass sich die Baukosten erheblich erhöhen würden“, stellt Baumgart fest. „Nach Vergabe aller Gewerke hatte sich die Investitionssumme um 1.6 Millionen Euro erhöht.“ Die zusätzlichen Leistungen, wie Schadstoffbelastung von Decken und Böden sowie notwendige statisch zusätzliche Ertüchtigung des Bauwerks sowie mehrfache Einbrüche mit Sachschäden hätten in Summe zu Nachträgen in Höhe von etwa 1.2 Millionen Euro geführt.

Weitere Baumaßnahmenim Außenbereich

„Als weiterer Aspekt muss die Bauzeitverzögerung genannt werden. Die Verlängerung der Bauzeit führte zu erheblichen Mehrkosten“, betont Baumgart. Da wären Preissteigerungen, Gerüststandzeiten, Mängelbeseitigungen, Verschiebung von Ausführungszeiten, sowie die längere Nutzung des Ausweichobjektes in Klein Wanzleben. Derzeit geht der Landkreis daher von einer Gesamtinvestition in Höhe von etwa 6.5 Millionen Euro aus.

Mit der geplanten Nutzungsaufnahme nach den Oktoberferien werden die baulichen Maßnahmen noch nicht vollumfänglich abgeschlossen sein. Geplant ist in den nächsten zwei Jahren noch die Neugestaltung der Außenanlagen. Hierfür sind etwa 600 000 Euro veranschlagt. Der Schulsport wird nicht in der Sarre-Sporthalle stattfinden können. Diese ist wegen baulicher Mängel nicht nutzbar. Die Sanierung soll im nächsten Jahr stattfinden. Die Planungsleistungen wurden bereits vergeben. Als Investitionsvolumen sind drei Millionen Euro veranschlagt.

Mit der Umsetzung der Baumaßnahme wurde planmäßig im Juli 2019 begonnen werden. Es handelt sich um die energetische und allgemeine Sanierung des Bestandsgebäudes. Da die Räume nicht ausreichend für den zukünftigen Schulbetrieb waren, werden die Verbinder um eine Etage aufgestockt sowie der Innenhof zu einer Aula ausgebaut.