Heimatgeschichte

Familiengeschichte: Ein Brief aus den USA weckt das Interesse an der Ahnenforschung

Wie ein Brief aus dem fernen Pennsylvania (USA) von heute auf morgen das Eintauchen in die über 100-jährige Geschichte eines Familienzweiges auslöste.

Von Brigitte Deumeland
Das Hochzeitsfoto stammt aus dem Jahe 1937. privat

Langenweddingen. Den Anstoß, jetzt mal wieder aktiv zu werden, gab ein Brief aus Pittsburgh vom August 2017. Er kam ohne aktuellen Namen und Adresse, also über Umwege und durch Kenntnisse älterer Personen, tatsächlich bei uns, den Verwandten, an. Es gelang, weil eine historische Postkarte der Langenweddinger Langen Straße und ein Hochzeitsfoto von 1937 als Kopie beilagen.

Robert Mayer, 69 Jahre alt und jetzt im Ruhestand, sucht nach den Wurzeln seiner Familie. Er ist der Enkel von Friedrich Braune jun., der 1911 im Alter von 26 Jahren und von Beruf Schmied, seine Heimat verließ, nach Amerika auswanderte und als Frederick Braune in Pittsburgh heimisch wurde. Seinen Großvater lernte er nicht bewusst kennen, er verstarb, als Robert 1 Jahr alt war. Von seiner Großmutter, die ebenfalls ausgewandert, aber in Chemnitz geboren war, konnte er über Langenweddingen nichts Konkretes erfahren. Auch sie starb früh, als er 12 Jahre alt war.

Historische Postkarte der Langen Straße in Langenweddingen.
privat

Die Urgroßeltern hatten 13 Kinder 

Mein Großvater Reinhold Braune war der jüngste Bruder des Ausgewanderten. Robert ist mein Cousin 2. Grades. Unsere Urgroßeltern sind Friedrich Braune sen., geb. 18. Dzember 1858 in Altenweddingen, gest. 20. März 1940 in Langenweddingen und seine Frau Dorothee geborene Stock, geb. 1. September 1861 in Wolmirsleben, gest. 25. Juli 1933 in Langenweddingen.

Stammvater Friedrich Braune war Schuhmachermeister, hatte eine Käserei und kaufte die Gaststätte „Treppenkrug“, die von ihm und auch von den Söhnen Gustav und Eduard betrieben wurde. Aber damit ist die Familiengeschichte noch lange nicht zu Ende und Robert möchte möglichst viel erfahren.

Da die Urgroßeltern 13 Kinder hatten, begann ich, um selbst Klarheit zu gewinnen, einen detaillierten Stammbaum zu erstellen. Dies gelang recht gut mit Hilfe meiner Schwester und der im Ort sowie in der näheren Umgebung wohnenden Verwandten. Wir tauschten in mehreren nachmittäglichen Kaffeerunden Wissen, Daten, Fotos usw. aus. Zu zweit sichteten wir die Kirchenbücher, um unbekannte Daten zu ermitteln. So entstand eine Familienchronik im DIN-Format A 0.

Die Fahrkarte von Friedrich Braune nach New York vom 8. April 1911.
privat

Enkelin Claudia überbrückt Sprachbarriere

Jetzt kann Robert sich mit seinem Exemplar und den vielen Fotos aus alter und aktueller Zeit, die wir ihm schickten, ein Bild von seinen Langenweddinger Vorfahren verschaffen. Es ließe sich noch Vieles über das Leben der acht Braune- Geschwister, die erwachsen wurden, berichten. Für mich ganz bemerkenswert und unvorstellbar ist, dass die Urgroßmutter Dorothee in 23 Jahren 13 Schwangerschaften und dazwischen den Tod von 5 kleinen Kindern und einer 20-jährigen Tochter verkraftet hat.

Zu allem gibt es bei der Korrespondenz mit Robert die deutsch-englische Sprachbarriere, die zum Glück durch meine Enkelin Claudia überbrückt wird. Sie studiert Anglistik und hat jetzt nebenbei viel zu übersetzen. Mein Schulenglisch und seine Deutschkenntnisse sind dafür zu begrenzt. Ich hoffe auch, dass Robert mit seiner Frau in nicht all zu langer Zeit hierher kommen wird, er ist herzlich willkommen und ein Familientreffen fände auch statt.