Hohendodeleben l Von den 124 Parzellen der „Grünen Lunge“ sind derzeit immerhin 78 vergeben. Das spricht für eine Grundstabilität, die nicht überall im Landkreis Börde zu finden ist. „Wir haben sicherlich den Vorteil, dass bei uns Wasser und Strom für jede Parzelle vorhanden sind“, sagt der Vorsitzende Ulrich Peruth im Gespräch mit der Volksstimme. Er ist seit 2014 im Amt. „Profitiert haben wir seinerzeit von der Einstufung als ein Naherholungsgebiet“, führt er weiter aus. „Zuvor gab es nur Wasserentnahmestellen am Eingang.“

Die Bedingungen haben dazu geführt, dass derzeit „nur“ 46 Parzellen leer stehen. Mit einer Größe von jeweils 540 Quadratmetern sind sie für den gewieften Laubenpieper auch gut zu beherrschen. „Der Altersdurchschnitt von 52,3 Jahren bei den Mitgliedern ist auch noch in einem ordentlichen Rahmen“, schätzt der Vorsitzende ein. Das älteste Mitglied ist übrigens Walter Schneider aus Hohendodeleben, der seinen Garten schon lange betreibt. Dennoch sind es nicht nur Ruheständler, die in Hohendodeleben die ländliche Ruhe genießen. „Gerade junge Familien finden vermehrt den Weg zu uns“, berichtet Ulrich Peruth. „Sie wollen sich mit eigenen Produkten ökologisch einwandfrei aus eigener Produktion versorgen.“ Dafür sind die Voraussetzung in der „Grünen Lunge“ optimal, denn chemische Dünger sind in Hohendodeleben nicht erwünscht.

Vorgegeben werden im Normalfall eine Drittelteilung, bei der eines die landwirtschaftliche Nutzung vorschreibt. „Wir stellen uns als Vorstand jedoch nicht mit dem Zollstock hin und machen unnötige Vorschriften“, sagt Peruth. „Es geht in erster Linie darum, den Spaß am Hobbygärtnern zu entdecken und sich auch zu erholen.“ Daher gehen auch Anlagen durch, die mit allerhand Blumen und Gewächsen dekoriert sind, während Kinder auf einem gepflegten Rasen herumtollen können. Die derzeit 69 Mitglieder haben also viele Freiheiten.

Harter Kern bei Arbeitseinsätzen

„Es gibt einer harten Kern, der zu Arbeitseinsätzen aber auch Feiern zusammenkommt und zusätzlich die Pflege von benachbarten, nicht vergebenen, Parzellen übernimmt“, erzählt der Vorsitzende. „Dazu kommt ein großer Teil von Individualisten.“ Wenn gemeinsam angepackt wird, dann ziehen die Kleingärtner auch gehörig durch. Das haben sie mit der Errichtung eines Parkplatzes bewiesen. Hier gibt es seit 2015 mittlerweile gut 30 Stellplätze.

„Die schlimmste Zeit haben wir gleich nach der Wende erlebt“, erinnert sich Ulrich Peruth. „Da haben viele ihre Gärten einfach liegen gelassen und die neue Freiheit genossen.“ Auf den Altlasten sind die Laubenpieper sitzen geblieben. Jahrelang hatten die Hobbygärtner hier Hand angelegt und nach Kräften das Gelände beräumt. Doch die Aufgabe war schon aus finanzieller Sicht eine Nummer zu groß. Gelöst wurde das Problem endgültig erst im Jahr 2015, 38 verwilderte Parzellen mit immerhin 20 000 Quadratmetern wurden von einem Nachpächter komplett beräumt und in einem Aufhebungsvertrag mit dem Eigentümer geregelt.

„Das lief alles mit Unterstützung des Verbandes der Kleingärtner der Region Börde Ohre, in dem wir Mitglied sind“, sagt Peruth. „Früher hatten wir hier auch ein beliebte Vereinsgaststätte, aber der Betrieb lohnt sich inzwischen nicht mehr.“

Eine Katzeninvasion des Geländes ist inzwischen auch abgewendet worden. „Rund 30 wilde Katzen lebten hier“, erläutert der Vorsitzende. „Ortsbürgermeister Dr. Werner Jander (CDU), das Ordnungsamt und ein Tierschutzverein haben sich gemeinsam darum gekümmert. Die unkontrollierte Vermehrung ist dadurch eingedämmt worden.“

Jeder ist willkommen

Ansonsten freue sich der Vorstand über jeden begeisterten Hobbygärtner. Ein Beispiel für eine positive Entwicklung ist da auch Angelika Körn, die 2014 einen Brachgarten übernommen hat. Sie hat diesen ganz allein auf Vordermann gebracht und präsentiert beim Volksstimme-Termin stolz ihre Arbeit – auch alle Handwerkerarbeiten hat sie selber erledigt.

„Mit dem Sockelbeitrag, in dem alle Kosten bis aus Wasser und Strom enthalten sind, liegen wir jetzt bei 110 Euro im Jahr“, verrät der Vorsitzende. Dann zeigt er verschwörerisch schmunzelnd auf einen im Augenblick nicht belegten Garten. „Hier haben wir zum Beispiel eine ganz besondere Parzelle“, erklärt er. „Die Laube hat einen Keller und einen eigenen Brunnen. Das ist so eine Art großer Wurf in Kleingärtnerkreisen.“

Zum 90. Geburtstag der Anlage – den die Kleingärtner im Vereinsrahmen feiern wollen – wissen die Ortschronisten Anneliese Kups, Rosemarie Kretschmer und Margit Vogel allerhand Geschichtliches zu berichten.

„Auf Initiative der Bevölkerung von Hohendodeleben wurden am Stemmer Weg Schrebergärten angelegt und am 22. Mai 1929 ein eigener Kleingartenverein gegründet“, berichtet Margit Vogel. „Der erste Vorsitzende war Albert Schöneberg, Walter Rädel fundierte zu der Zeit als zweiter Vorsitzender, als Kassierer Robert Ludwig und als Schriftführer Arthur Witt.“ Es gab viele Anmeldungen, nur der Beschaffung von Gartenland stellen sich viele Schwierigkeiten in den Weg. Am 1. Oktober 1930 wurde weiteres Gartenland auf dem Acker der Familie Sturm am Stemmer Weg zur Verfügung gestellt.

„Leicht hatten es die frischgebackenen Kleingärtner nicht, denn viele der damals 56 Mitglieder sind arbeitslos und müssen mit jedem Pfennig rechnen“, führt Rosemarie Kretschmer aus. „Und da im Jahr 1933 die Mitgliederzahl auf 87 ansteigt, muss 1934 eine weitere Anlage geschaffen werden.“ Auf Beschluss der Generalversammlung im Oktober 1949 wird zur Erinnerung an den Gründer des Gartenvereins die Anlage am Stemmer Weg „Albert Schöneberg“ benannt. In dieser Zeit erhöht sich der Mitgliederstand auf 156. Die Schaffung einer zweiten Anlage ist notwendig. Auch diese Parzellen finden sofort alle einen Pächter. Die Bevölkerung ist aufgrund der schlechten Lebensmittelversorgung nach dem Krieg zum großen Teil auf Selbstversorgung angewiesen. „Die 156 Kleingärten sind immer begehrt. Für interessierte Kleingärtner besteht eine oft mehrjährige Wartezeit, was sich dann nach der Wende schlagartig änderte“, schließt Margit Vogel die Ausführungen.