Wanzleben l Der schönste Tag im Leben, die Hochzeit, verlief im Jahr 2020 für zahlreiche Paare anders als geplant. Wie viele Gäste kommen dürfen, ob eine Feier erlaubt ist und unter welchen Auflagen - die Coronakrise verunsicherte künftige Eheleute. Viele erfuhren erst kurz zuvor, wie sie ihren großen Tag begehen dürfen.

Auch Laura und Mirko Hauffe aus Wanzleben hatten für den 12. September ihren Hochzeitstag geplant. Bis März, als der erste Lockdown startete, sei bis auf Kleinigkeiten alles für die Feierlichkeiten vorbereitet gewesen. „Corona war regelrecht ein Schock“, sagt Laura Hauffe.

Nervös und unsicher

Besonders im Frühjahr, als die Pandemiesituation für alle noch neu war, „wurden künftige Eheleute nervös und unsicher“, so Victoria Genz, Standesbeamtin in der Stadt Wanzleben-Börde. Termine im April und Mai seien nach hinten in den Sommer und den Herbst verschoben worden, „in guter Hoffnung, dass die Pandemie bald vorüber ist.“

Weil Laura und Mirko Hauffe ihre Hochzeit für den Spätsommer planten, konnten sie im Frühjahr nur abwarten. „In Absprache mit dem Standesamt einigten wir uns, unseren Termin bis zwei Wochen vorher aufrecht zu erhalten“, erinnert sich Laura Hauffe. Das Paar habe in der Zwischenzeit dennoch vorsorglich einen Ausweichtermin im nächsten Jahr festgelegt. „Also ging die Planerei wieder von vorne los.“

Termine für Trauungen würden normalerweise etwa ein Jahr im Voraus vereinbart, weiß Victoria Genz. Das heißt, keine der in diesem Jahr getrauten Eheleute hatte die Coronakrise kommen sehen und einplanen können. „Einige Ringe hatten schon das Datum des Hochzeitstages eingraviert, und dann wurde die Trauung verlegt“, erinnert sich Genz insbesondere an das Frühjahr. „Erst als wir alle verstanden haben, dass uns die Pandemie länger beschäftigen wird, wurden keine Termine mehr geändert.“ Stattdessen begingen künftige Brautpaare ihren großen Tag zunächst schlicht. Im kleinen Rahmen erschienen vielen Bräuten ihre extra angepassten festlichen Kleider nicht mehr angemessen, so dass sie sich für schlichtere Modelle entschieden, weiß Victoria Genz. Wegen der Planungsunsicherheit hätten auch kaum Musiker live während der Trauungen gespielt und gesungen. Die Standesbeamtin glaubt, dass es nach der Pandemie viele nachträgliche Hochzeitsfeiern geben wird, wo all diese Besonderheiten zum Einsatz kommen dürfen.

Ringe neu gravieren

Weder das Kleid zurück in den Schrank hängen, noch Ringe neu gravieren lassen oder dem DJ absagen mussten Laura und Mirko Hauffe. „Ein Hygienekonzept gemäß der jeweiligen Verordnung im September konnte am gebuchten Veranstaltungsort mit unserer Gästeanzahl umgesetzt werden“, zeigt sich das frischgebackene Ehepaar froh. Im Standesamt seien ursprünglich zwar 60 Gäste eingeplant gewesen, letztendlich durfte nur noch die Hälfte dabei sein. „Aber das war verkraftbar, wir haben mit schlimmerem gerechnet“, sagt Laura Hauffe. Getraut wurde das Paar im Wanzleber Rathauskeller.

„Dort fanden in diesem Jahr die meisten Eheschließungen statt“, weiß Victoria Genz, 40 von insgesamt 104. Normalerweise sei die Burg Wanzleben der beliebteste Ort dafür. Doch weil der Gestaltungsfreiraum für die Hochzeitsfeiern so stark eingeschränkt war, fanden dort nur 29 Eheschließungen statt, 35 Ehen wurden im Trauzimmer des Rathauses geschlossen.

„Mit jeder neuen Schutzverordnung mussten wir uns mit den Paaren darüber abstimmen, was erlaubt ist“, beschreibt Victoria Genz das turbulente Traujahr 2020. Man habe ständig miteinander telefoniert. Zwar habe sich die Anzahl der Hochzeiten im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert, weil die meisten Trauungen nur innerhalb des Jahres verschoben wurden. „Art und Zeitpunkt aber schon, Mai ist normalerweise der Hochzeitsmonat schlechthin, 14 Paare habe ich im letzten Jahr getraut“, sagt die Standesbeamtin. Im Mai 2020 seien es nur neun Eheschließungen gewesen, „auch nur, weil ab Pfingsten gelockert wurde, sonst wären es noch weniger.“

Weniger Umarmungen

Und wie lief so eine Corona - Trauung ab? „Ich habe deutlich weniger Umarmungen gesehen, gratuliert wurde viel mit den Ellenbogen oder mit den Füßen“, weiß die Standesbeamtin. Auch einige spontane Hochzeiten waren zu verzeichnen, so Genz. „Mein Eindruck war, als hätten sich einige wegen der Pandemie trauen lassen, nach dem Motto, wer weiß was noch kommt, als Absicherung“. So hätten sich in diesem Jahr mehr Paare einfach zusammenschreiben lassen und komplett auf eine feierliche Zeremonie verzichtet. Eine ruhige gemütliche Hochzeit, wenn auch unerwartet, hätte vielen zudem gar nicht so schlecht gefallen, konnte die Standesbeamtin beobachten. „Letztendlich sind die Paare erstaunlich gut mit der Situation umgegangen“, resumiert Victoria Genz. Seit dem erneuten harten Lockdown sei der Ablauf der Trauungen wieder stark eingeschränkt. Dabei sein dürfen nur die Trauzeugen, Eltern, Geschwister und Kinder. Feiern sind momentan gänzlich verboten.

Laura und Mirko Hauffe sind erleichtert, dass ihr Termin zufällig in die Zeit der Lockerungen fiel. „Nach aller Verunsicherung und Bangen konnten wir fast wie geplant feiern, da hatten wir großes Glück.“