Altenweddingen l Eine Sackgasse. Ein altes Drahttor versperrt den Durchgang; überall Rost, zahlreiche Löcher im Zaun. Dahinter die Ruine eines alten Rittersitzes. Im Eingangsbereich des Hauses erzählt ein Graffiti die Geschichte der unzerstörbaren Liebe zwischen „M+U“. Aus einem Misthaufen auf dem Vorplatz verdampft die gesunde Landluft. Gleich daneben gammelt eine eiserne Egge im hohem Gras vor sich hin.

Dieses Areal des Buschhofs in Altenweddingen an der Südstraße hat der Magdeburger Investor und Geschäftsführer der „möbel GmbH“, Timo Heße, gekauft. Nun plant er zusammen mit der Gemeinde Sülzetal und dem ambulanten Pflegedienst Humanas hier einen Wohnpark für betreutes Wohnen auf historischem Areal.

„Ich habe vor drei Jahren den Bauherren Heße kennengelernt und ihm gesagt, dass ich für Altenweddingen eine Idee habe“, erinnert sich der Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Methner (SPD). „Ich würde gerne auch im Sülzetal eine Form des betreuten Wohnens haben.“ Daraufhin habe Heße schlichtweg gesagt, er brauche nur ein entsprechendes Grundstück, dann könne das Projekt starten.

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Bei der folgenden Suche nach einem passenden Areal stieß der Bürgermeister auf den Buschhof in Altenweddingen. „Die Lage ist optimal. Zentral in der Stadt. Dort, wo die Menschen bisher auch schon gelebt haben. Nah am Einkaufszentrum“, erklärt Methner. Die Nähe der betreuten Senioren zu den Kindern und Enkelkindern wäre garantiert. Die könnten dann zum Beispiel nach der Schule einfach mal vorbeischauen.

In einem ersten Schritt ist Methner nach dieser pauschalen Zusage Heßes nach Frankfurt gefahren. Hier besuchte er den Alteigentümer des Grundstücks, auf dem er das Projekt umsetzen wollte. „Das war damals gar nicht so einfach, den Eigentümer davon zu überzeugen, sein Grundstück zu verkaufen. Schließlich ist es mir aber doch gelungen, einen gemeinsamen Termin mit dem künftigen Bauherrn zu arrangieren“, erinnert sich Methner, „und da hat der Verkauf dann geklappt.“

„Eine Investition und ein Investitionszeitraum müssen immer auch zusammenpassen. Investitionsgeld muss arbeiten“, konstatiert Heße mit Blick auf all die Auflagen und Prüfungen. Aus diesem Grund ist er nun froh, dass die Auslage der Bauunterlagen endlich begonnen hat. Bis in den Mai hinein, können sich die Bürger die Unterlagen im Bürgerbüro im Döbbel-Haus in Altenweddingen zu den Sprechzeiten dienstags und donnerstags anschauen.

Eine erste Informationsveranstaltung von Bauherr Heße und Betreiber Humanas sowie der Gemeinde habe es bereits vor zwei Jahren in der Festhalle in Altenweddingen gegeben, so Heße. Die Halle sei damals voll gewesen. Schon viele Fragen seien bei diesem Treffen angesprochen worden. „Seit der Veranstaltung habe ich fast wöchentlich schon mindestens einen Anruf, wann es denn endlich losgeht, wann man endlich einziehen kann“, berichtet der Investor.

Auch der künftige Betreiber Humanas wartet nun nur darauf, dass der Gemeinderat des Süleztals zusammenkommen kann, um die entsprechenden Beschlüsse zu fassen. Dadurch bekäme Heße das nötige Baurecht. Alle Gebäude auf dem Grundstück würden dann abgerissen, damit die Firma Humanas hier ihr wabenähnliches Wohnkonzept umsetzen kann.

Heße hofft, dass der nötige Beschluss des Gemeinderats in den kommenden acht Wochen fällt, dann könnte im Herbst der Baustart erfolgen. Im Sommer 2021 könnten dann die ersten Wohnungen bezugsfertig sein, die Nutzung des Komplexes beginnen.

„Ich freue mich darüber, dass es am Buschhof weiter geht. Schon lange warten die Bürger auf den Baubeginn“, meint der Bürgermeister Altenweddingens, Ingo Reichenbach (SPD). „Wir wissen, dass es auch bei uns im Ort Bedarf für das betreute Wohnen gibt.“

Seit der Bürgerversammlung gebe es auch bei ihm Nachfragen von Bürgern zum Bauprojekt, sagt Reichenbach. „Mit der Bekanntmachung zum Bebauungsplan ,Am Buschhof‘ hoffe ich, dass es dann auch bald los geht.“

Fabian Biastoch, Pressesprecher von Humanas, berichtet, dass „28 Einzimmerwohnungen in einer Wabenform und dazu noch 30 Zweizimmerwohnungen entstehen werden. Dank unseres Konzeptes können die Senioren dann in ihren Heimatorten bleiben. Und das sogar auch, wenn sie einen Pflegegrad in Anspruch nehmen müssen. Aus diesem Grund orientieren wir uns mit unserem Konzept auch auf kleinere Ortschaften und nicht auf die großen Ballungszentren.“ Gebaut würde alles ebenerdig. Jeder Bewohner habe eine eigene Terrasse vor der Tür. Humanas baue auf rund 10 000 Quadratmetern.

„Hier, in Altenweddingen werden wir 25 Fachkäfte anstellen. Darüber hinaus wird es einen ambulanten Pflegedienst geben, der auch im Sülzetal Arbeiten übernehmen kann“, sagt Biastoch. „Es können auch Senioren aus der Gemeinde in die Tagespflege zu uns kommen und hier zu Mittag essen oder aber Beschäftigungsangebote wahrnehmen.“ Humanas betreibt im Norden Sachsen-Anhalts bereits 14 solcher Anlagen.

„Wenn bei der Auslegung alles normal läuft, haben wir vor, noch in diesem Jahr mit dem Bau zu beginnen“, kündigt Methner an. Ein weiterer Vorteil des Projekts sei, dass auf dem Areal auch Einfamilienhäuser entstehen werden, meint er zuversichtlich. So ergebe sich dort eine gesunde Mischung.

„Wir werden voraussichtlich rund fünf Millionen Euro in Altenweddingen investieren. Wir werden ausschließlich die örtlichen Handwerker und Unternehmer beauftragen“, ergänzt der Magdeburger Investor Heße diese Informationen des Bürgermeisters.

Wenn in Altenweddingen alles klappt, hat Methner vor, so etwas auch in Langenweddingen anzuschieben. Das sei seine nächste Vision. „Der Bedarf ist auch in Langenweddingen vorhanden. Es gibt immer mehr ältere Menschen, die es verdient haben, altersgerecht wohnen zu können.“