Wanzleben l Hans-Ekkehard Stieglitz will unbedingt von dem Image weg, dass die Willkommenskultur, die sich im Landkreis Börde in der Flüchtlingshilfe etabliert hat, sich nur um Migranten kümmere. „Wir beziehen die gesamte Bevölkerung mit ein und wollen für alle da sein“, sagt der Koordinator für Flüchtlingshilfe der Netzwerkstelle für engagiertes Ehrenamt in der Flüchtlingshilfe im Landkreis Börde und obendrein Koordinator für Flüchtlingshilfe im Kirchenkreis Egeln bei der jüngsten Zusammenkunft der Wanzlebener Interkulturellen Runde (WIR) in der Sarrestadt.

Stieglitz, der im gesamten Kreis Projekte betreut und über ein weit verzweigtes Netzwerk zu vielen Partner verfügt, führte ein Beispiel in Flechtingen an. Dort habe sich die Internationale Nachbarschaftshilfe etabliert, in der Menschen aus 21 Nationen mitarbeiten. Sie würden sich gegenseitig helfen, in dem für sie fremden Land zurechtzukommen.

Nach Einschätzung von Stieglitz sei auch das Projekt „Café ohne Grenzen“ des DRK-Kreisverbandes Wanzleben im Sozialen Zentrum „Alter Bahnhof“ sehr gut angelaufen. Beim jüngsten Treffen in dieser Woche seien neben Frauen und Kindern auch vier Männer aus Flüchtlingsfamilien gekommen, um die Angebote des Miteinanders wahrzunehmen. Auch das gemeinsame Kochen sei dort sehr gut besucht gewesen.

Interessiertes Miteinander

„Ich bin überzeugt, dass wir es in Wanzleben auch schaffen werden“, sagte Stieglitz mit Blick auf ein interessiertes Miteinander von Menschen verschiedener Nationalitäten unter Einbeziehung der hiesigen Bevölkerung. Die Wanzlebener Interkulturelle Runde plane unter anderem einen gemeinsamen Kunstworkshop und eine Fahrradwerkstatt. Zudem suche WIR in Wanzleber Kleingartenanlagen nach Schrebergärten, die von Migranten bewirtschaftet werden könnten. Auch sei ein Pflanzprojekt in Zusammenarbeit mit der Stadt Wanzleben-Börde vorgesehen. Dabei sollen ausländische Neubürger einen Park oder andere Grünanlagen in der Stadt bepflanzen. Weiter solle es eine Deutschstunde für Anfänger und Fortgeschrittene geben, wobei eine Zusammenarbeit mit der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben denkbar wäre. Für diese Deutschstunde suche die Runde noch pensionierte Lehrer oder Leute, die sich sehr gut mit der deutschen Sprache auskennen und den Unterricht übernehmen würden. Zum Jahresausklang sei ein Fest der Kulturen geplant. Außerdem wolle die Runde einen Flyer drucken lassen, in dem WIR seine Ziele darstelle und mögliche Ansprechpartner nenne. In der Wanzlebener Interkulturellen Runde sind neben der evangelischen Kirche und den Integrationslotsen des Landkreises Börde unter anderem Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos), der Wanzleber Martin Schindler (SPD), der DRK-Kreisverband, die Sportjugend Börde, die Stadt- und Kreisbibliothek, das Akademiehaus Wanzleben sowie Bildungsträger aktiv. Weitere Partner sind willkommen.

In den Kindertagesstätten der Stadt Wanzleben-Börde wolle WIR außerdem interkulturelle Schulungen für Kinder, Erzieherinnen und Eltern anbieten, um mögliche Probleme mit Migrantenkindern zu lösen. „Wir sind für alles offen. Es gibt in unseren Kitas jedoch keine Probleme mit Migrantenkindern“, sagte Kai Pluntke, Amtsleiter für Ordnung und Soziales in der Stadtverwaltung Wanzleben-Börde, der stellvertretend für Bürgermeister Thomas Kluge an der Beratung teilnahm.

Mit Ariane Augsberg konnte die Runde bei der jüngsten Versammlung eine neue Mitstreiterin begrüßen. Die junge Frau ist jetzt in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde als ehrenamtliche Integrationshelferin unterwegs.