Ummendorf l Gewelltes schulterlanges Haar, wachsame Augen und immer ein offenes Ohr für den Bürger, so sitzt Reinhard Falke, bekleidet mit seiner geliebten Weste, im Gemeindebüro Ummendorf. An der Wand farbige Tafeln mit Informationen und Fotos über das Leben und Schaffen in dem kleinen Ort. Heute begeht Ummendorfs Bürgermeister sein 25-jähriges Dienstjubiläum.

Es hat etwas von einer Silbernen Hochzeit des Ortsoberhaupts mit der Gemeinde. Obwohl es 1994 mehr eine Vernunftehe als Liebesheirat war. Das Ummendorfer Bürgerforum (UBF) hatte als eine Art Trauzeuge ihn zur Kandidatur überredet. „Ich war mutig und unbedacht ins kalte Wasser gesprungen, ahnte nichts von den Klippen, die man in der Kommunalpolitik umschiffen muss“, gibt er heute zu.

Und obwohl Falke ein echter Ummendorfer ist, kam die tiefe Liebe zum Dorf erst mit der Arbeit im Bürgermeisteramt auf. „Sie ist langsam gewachsen und entstand erst so richtig, als sich die ersten Erfolge in der Kommunalpolitik einstellten“, erklärt er. Wie in einer Ehe kam man sich näher, stritt und vertrug sich und brachte kommunalen Kindern das Laufen bei.

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Wie man Klippen umschifft, das kannte Falke bereits aus seiner Zeit als Seemann bei der Deutschen Seereederei, wo er auf Handelsschiffen seit 1975 fast 20 Jahre die Weltmeere befuhr und in 120 Ländern aller Kontinente festmachte. An Bord hatte er als Diplomingenieur für Elektroenergieanlagen unter anderem dafür zu sorgen, dass niemals das Licht ausgeht. Aber als seine Frau in Ummendorf schwer erkrankte, ging er für immer von Bord, um sich bald darauf als Witwer um seine beiden kleinen Kinder zu kümmern. Seinen Unterhalt verdiente er sich dann bei verschiedenen Verlagen als Anzeigenberater. Seit 20 Jahren ist er beim General-Anzeiger in Oschersleben in diesem Geschäft tätig.

„Als ich mein Bürgermeisteramt fast ohne Erfahrung in der Kommunalpolitik antrat, konnte ich mich auf etliche Gemeinderäte stützen, die schon bessere Einblicke als ich hatten“, erinnert er sich. „Natürlich gab es bei den verschiedenen Fraktionen auch verschiedene Meinungen und Auseinandersetzungen. Wir haben aber immer versucht, einen Konsens zu finden und auf breite Schultern zu verteilen“, sagt Falke.

Spürnase für Fördertöpfe

Dabei handelten die Ummendorfer nicht selten nach dem Ratschlag des Bürgermeisters der Partnergemeinde Polle, Willi Bost, der gesagt hatte: „Ihr müsst das Projekt schon in der Schublade haben, wenn es um Fördermittel geht.“ Das hat immer gut funktioniert. „Es wurde dann auch mein Steckenpferd“, verrät der Jubilar, „wir haben bisher bei jedem Projekt in der Gemeinde mit Fördermitteln gearbeitet.“ Voraussetzung war dabei aber häufig, dass man sich im Gemeinderat so bald wie möglich darüber einig war, was man im neuen Jahr angehen wollte. So kam es, dass Ummendorfer Fördermittelanträge schon bei den Vergabeämtern vorlagen, während man in anderen Orten noch diskutierte.

Eine Liste der bedeutendsten Projekte, bei denen er auf Kurs ging und fraktionsübergreifend Übereinstimmung anstrebte, kann Falke aufzählen: „Schulsanierung, Kitasanierung, Feuerwehr, Straßenbau, Erschließung der Wohngebiete Kruggartenfeld und Vordere Bögebreite, Heinemanns Hof, Jugendbauhütte, und auch am Börde-Museum sind wir beteiligt.“ Stolz ist er auch auf den Aufstieg der USV-Fußballer in die Landesliga, „denn gute Rahmenbedingungen dafür hat die Gemeinde vor Jahren schon geschaffen, zum Beispiel mit dem neuen Sporthaus.“

Falkes ehrenamtliche Tätigkeit in Ummendorfs Vereinen ist wohl kaum zu übertreffen. Schon als 13-Jähriger trat er den Rassegeflügelzüchtern bei, heute ist er Mitglied in allen fast 30 Vereinen des Dorfes, führt auch noch den Vorsitz der Marinekameradschaft und des Geflügelvereins. Schauspielerisch in verschiedenen Rollen zeigt er sich auf der Bühne des Ummendorfer Burgtheaters, das in seiner 25. Saison aufspielt und fester Bestandteil des Dorflebens geworden ist.

Seit 1995 ist Bärbel Salewski Partnerin an Reinhard Falkes Seite. Da wird nach Feierabend natürlich immer mal wieder über Kommunalpolitik geredet, denn sie ist als ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin und langjährige Gemeinderätin ebenfalls sehr vertraut damit. Ihr gemeinsames Interesse gilt vor allem den Ummendorfer Umwelttagen, die bereits achtmal durchgeführt wurden.

Falke gibt zu, dass in den zurückliegenden Jahren die Kommunalpolitik wesentlich komplizierter geworden ist. „Brauchten wir damals für einen Förderantrag drei Seiten, so sind es heute dreißig. Und du musst als Bürgermeister mittlerweile fast Jurist sein, um die Prozesse bewältigen zu können. Ich kann 20 oder 30 Jahre alles richtig, aber nur einen gravierenden Fehler machen, dann ist es das Ende. Es ist gut so, dass der Gemeinderat als erstes Kontrollgremium mit aufpasst“, urteilt der inzwischen erfahrene Ortschef.

Er gesteht auch ein, dass es Zeiten gab, in denen er am liebsten alles hinschmeißen wollte. Aber man muss viel aushalten können, darf die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. „Durchzuhalten ist schwieriger als zu sagen: Ich mache es nicht mehr.“

Besondere Anerkennung widerfuhr Ummendorfs Bürgermeister, als er 2010 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekam. Besondere Glücksgefühle aber empfand er, als sein Dorf, vor allem die Dorfgemeinschaft, am 5. Juli 2004 erfuhr, dass Ummendorf Sieger im Wettbewerb um den europäischen Dorferneuerungspreis unter dem Motto „Aufbruch zur Einzigartigkeit“ gewonnen hatte, den er dann mit großem Gefolge im Walsertal in Empfang nehmen konnte. Zwei Jahre später glänzte Ummendorf dann als Gastgeber bei der Preisverleihung an die Gemeinde Koudum in den Niederlanden. Abordnungen aus Deutschland und mehreren europäischen Ländern erlebten Ummendorf von seiner besten Seite.„Das sind dann Erfolgserlebnisse, bei denen man merkt, dass wieder etwas zurückgegeben wird“, sagt Falke, der deshalb auch für den Rest seiner Amtszeit weiter am Wohl Ummendorfs arbeiten will.

Ungewöhnliche Sprechstunde

Seine reguläre Sprechstunde am Dienstag gestaltete sich in dieser Woche für Falke recht ungewöhnlich. Die Glückwünsche zu seinem Jubiläum nahmen fast kein Ende. Vertreter des Gemeinderates, von Vereinen, Einrichtungen und der Kirche gratulierten. Zunächst spielte die Ummendorfer Schalmeienkapelle auf, dann hielt Ratsmitglied Gunther Hirschligau Rückschau auf das kommunale Leben der Gemeinde. Dabei listete er nicht nur Falkes Verdienste auf, zu denen auch die „Beschaffung von Millionen Fördermitteln“ gehöre. „In Ummendorf Bürgermeister zu sein, ist schon etwas Besonderes“, meinte Hirschligau.

Verbandsgemeindebürgermeister Frank Frenkel überreichte eine Ehrenurkunde und nannte den Arbeitsstil von Falke „nicht immer harmonisch, aber in der Sache streitbar.“

Der Geehrte zeigte sich überrascht, setzte anschließend seine Sprechstunde in dieser Runde fort. Sein Motto: „Diese Gemeinde wäre nicht so erfolgreich, wenn nicht alle mitmachen würden“. Verschiedene Gäste wollen sich daran beteiligen, wenn im Herbst für ihn ein Jubiläumsbaum gepflanzt werden soll.