Blumenberg l Als im Jahre 1987 nach einer Weihnachtsfeier, bei der die Kinder dort im Saal ein Programm aufführten und auch die Blumenberger Blasmusik spielte, die Idee zum Karneval entstand, stand einigen Blumenbergern danach der Sinn, einmal etwas anderes machen zu wollen. Einer der führenden Ideengeber war damals Willi Kemmer und auch einige andere gingen gleich emsig auf Materialsuche. So wurde unter anderem fleißig gesungen und mancher Text ist heute noch in gedruckter Form in den Annalen verborgen – wie beispielsweise „Leise, leise, schleich ich heim heut` Nacht, leise, leise, sonst wird Mutti wach …“.

Videos von der ersten närrischen Stunde

Auch Videos von der ersten Stunde zeigen, wie die närrischen Veranstaltungen einst an einem Sonntagvormittag abliefen. Die Blasmusiker führten durch das Programm, gemeinsam mit den Frauen hatten sie Tänze im Wandel der Zeit einstudiert und auch eine Tanzgruppe gab es. Die Blumenberger Karnevalisten wussten das Publikum zu begeistern und mit ihrem Spaß anzustecken. Sie studierten Bühnenauftritte ein, probten die Musik, schneiderten mit Akribie die Kostüme selbst, gestalteten Programmhefte, bastelten Dekorationen und suchten oft aus der eigenen Wohnungsausstattung Requisiten für die Bühne zusammen. Nicht selten war das Improvisationstalent gefragt, aber selbst das meisterten die Akteure mit viel Enthusiasmus. Das kam gut an und in den Zuschauerreihen war es rappelvoll.

40 Leute für eine Session

Urgesteine wie Monika Berg, die heute noch dabei ist, Bärbel Braune, Getraude Schug-Müller sowie Werner Bierwirth, die den Blumenberger Karneval lange mitgeprägt haben, können sicher noch manche Episode von einst erzählen und sie erinnern sich bestimmt auch noch daran, dass die Gäste damals gern den Eintritt in Höhe von 8,10 Mark bezahlten. Nicht zuletzt, um sich auch von den umliegenden Orten abzuheben, kam der Blumenberger Karneval seit jeher ohne Prinzenpaar und Elferrat aus. Und das ist auch heute noch so – in der 30. Session. Bis heute ist es den Jecken auch gelungen, in jeder Veranstaltung um die 15 Programmpunkte auf die Beine zu stellen. „Zeitweise waren im kleinen beschaulichen Blumenberg bis zu 40 Leute in den Karneval involviert, denn im Hintergrund gibt es ebenso viele Helfer. Da ist zum Beispiel auch einer, der die Mikrofone zu den Akteuren bringt, oder diejenige, die den ordnungsgemäßen Programmablauf stets im Blick hat“, weiß auch Matthias Brosig, der seit einigen Jahren im Blumenberger Karneval mitmischt und heute Vorsitzender des 1995 gegründeten Blumenberger Kultur- und Karnevalvereins (BKK) ist.

Programm im Wandel der Zeit

Er weiß auch, dass sich das Programm im Laufe der Jahre gewandelt hat. Unter anderem eben darin begründet, dass sich mittlerweile nicht nur die Blumenberger an dem närrischen Programm erfreuen, sondern auch viele Auswärtige angelockt werden. Diese können beispielsweise mit dem Blumenberger Tratsch, der früher bei Programmpunkten wie „Über`n Gartenzaun“ die Hauptrolle spielte, nur wenig anfangen. Für Ausgleich sorgt zum Beispiel „Tante Erna“ alias Gerold Reipsch, die von der Blumenberger Bühne nicht mehr wegzudenken ist. Applaus ist garantiert, wenn sie über ihren Gatten Willi und Themen, die alte Frauen bewegen, philosophiert.

Kreative Schaffenspause

Und wer sich nun angesichts der Jahreszahlen wundert, warum die Karnevalisten 2020 erst die 30. Session einläuten, dem sei gesagt, dass von 1990 bis 1992 in Blumenberg eine kreative Schaffenspause eingelegt worden ist. Los geht es diesmal mit der Premiere am Sonnabend, 18. Januar, um 20.11 Uhr. Und auch am 1. Februar und am 22. Februar wird ab 20.11 Uhr im „Blumenberger Krug“ die Hymne „Blu-, Blu-, Blumenberg, klein, aber fein …“ erklingen. Brandneues soll nach Aussage von Matthias Brosig mit ein paar „Schmankerln“ aus den zurückliegenden Jahren gemischt werden. Karten für die Veranstaltungen können wie gewohnt bei Heidrun Richter im „Blumenberger Krug“, Telefon: 039209/ 2209, erworben werden.

Große Pläne für kommende Jahre

Doch nicht nur ihre 30. Karnevalssession steht für das kommende Jahr im Kalender der derzeit 106 Mitglieder des BKK, sondern auch noch zwei andere größere Ereignisse. So ist für den 11. Juli ein kleines Dorffest geplant und für den 8. November in Zusammenarbeit mit dem Förderverein der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben eine Buchlesung mit Mario D. Richardt. Außerdem ist ein Fest zum 230-jährigen Bestehen des Ortes Blumenberg bereits für den 4. bis 6. Juni 2021 terminiert.