Wanzleben l Der Wind pfiff gestern Mittag ziemlich stark als sich Uta Schoof, Christel und Ernst Isensee und Detlef Volkmann von der evangelischen Kirchengemeinde St. Jakobi Wanzleben sowie Ortsbürgermeister Tino Bauer aufmachen, um in mehr als 40 Metern Höhe einem besonderen Augenblick beizuwohnen. Nach dem Ende November vergangenen Jahres bereits dem Nordturm die goldene Kugel und die Wetterfahne aufgesetzt worden waren, war gestern der Südturm an der Reihe. Jetzt glänzen wieder Wetterfahnen und Turmkugeln auf der Doppelspitze des Gotteshauses am höchsten Punkt 48 Meter über Wanzleben in der Sonne.

Treffen in 40 Metern höhe

Es war die Arbeit von Andreas Lochmann, Florian Hilbig und Gerhard Damm von den Werkstätten für Denkmalpflege Quedlinburg, dem Südturm der Kirche St. Jakobi in luftiger Höhe und bei starkem Wind die Krönung aufzusetzen. Unterstützt wurden sie von Detlef Volkmann und Waldemar Damer, dem Hausmeister der evangelischen Kirchengemeinde. Bevor die Männer die vergoldete Kupferkugel, die einen Durchmesser von einem halben Meter hat, auf den Südturm montierten, füllte sie Volkmann mit zwei Kartuschen. Über der Turmkugel thront noch die Wetterfahne mit der Jahreszahl 1880. Dem Jahr, in dem bereits eine Sanierung der Kirche von statten ging. Die Ursprünge des Gotteshauses gehen bis auf das Jahr 1263 zurück.

Zeitzeugen in Kartuschen versiegelt

Die beiden Kartuschen, die jetzt die Kugel des Südturms füllen, beinhalten zum einen Originalunterlagen aus dem Jahr 1880, alte Münzen und Fotos. Die zweite Kartusche enthält eine Volksstimme vom 9. November 2019 mit einem Bericht vom Knopffest aus Anlass der Körnung des Nordturms, zwei Ausgaben des Amtsblatts Unsere Stadt Wanzleben-Börde, zehn Fotos vom Knopffest, einen Bericht von 1933 über die Situation in der Stadt Wanzleben, eine Dokumentation vom Baugeschehen in der Kirche in den 30er Jahren sowie ein Zehn-Pfennig-Stück von 1933. Noch am Boden hatten die Handwerker die gefüllten Kupferkartuschen mit der Flamme aus einem Bunsenbrenner verschlossen.

Wie Detlef Volkmann sagte, ist die jetzt auf dem Südturm angebrachte Wetterfahne eine Nachbildung. Das Original hängt in der Kirche und war vom damaligen Pfarrer Peter Telschow in dem Gotteshaus gefunden wurden. Die Wetterfahne war zwischen 1933 und 1966 vom Turm gestürzt. Wann genau, sei unbekannt.

Krönung war der Höhepunkt

Die Krönung der Kirchtürme ist der Höhepunkt der Sanierung, die sie zurzeit erfahren dürfen. In Zusammenarbeit mit der Stadt Wanzleben, dem Kirchenkreis Egeln, und Fördermitteln von Lotto-Toto Sachsen-Anhalt konnte das Projekt in die Tat umgesetzt werden. Seit April 2019 wird das Gotteshaus saniert. Die Kosten der Turmsanierung betragen etwa 548.000 Euro. „Die Arbeiten werden wohl noch bis zum Anfang des Sommers dauern. Wir liegen gut in der Zeit“, erklärte Dorothee Sparfeld, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde St. Jakobi Wanzleben. Wegen des milden Wetters seien die Arbeiten bereits jetzt sehr fortgeschritten. Weiter als geplant. Doch seien von den Handwerkern noch einige wichtige Detailarbeiten zu erledigen. So stehen noch eine Reparatur des inneren Treppenaufgangs und Arbeiten am Blitzschutz der Kirchtürme auf dem Arbeitsplan. Dann sind noch die Fensterbleche in den beiden Türmen zu komplettieren und die Ziffernblätter an der Uhr wieder anzubringen. Auch bekommen die Kirchtürme noch einen weiteren Anstrich, der jedoch nur bei Plusgraden erfolgen darf. Von Montag an werden bereits Teile der Gerüste, die die Kirchtürme umgeben, abgebaut, kündigte Dorothee Sparfeld an.