Klein Germersleben l Eigentlich pilgerten am Pfingstmontag aus Anlass des Deutschen Mühlentags auch immer viele Besucher nach Klein Germersleben in die Stadt Wanzleben-Börde. Zwar nahmen wieder Besucher den Weg in die Börde auf sich, um die unter Denkmalschutz stehende Paltrockwindmühle, deren Ursprünge bis ins Jahr 1848 zurück reichen, zu besichtigen, doch standen sie vor einem verschlossen Tor. Dahinter war auf einem Aushang der Besitzer zu lesen, „dass diese Mühle aus Protest an der Handlungsweise der Stadt Wanzleben geschlossen bleibt“.

Verfasst haben den Aushang die Besitzer der Windmühle, das Magdeburger Ehepaar Siegfried und Erika Graumann. „Wir sind vergnatzt“, gab Siegfried Graumann gegenüber der Volksstimme zu verstehen. Vergnatzt wegen einiger Verwaltungsvorgänge, die die Stadt Wanzleben-Börde aus Sicht der Graumanns ungerechtfertigterweise gegen die Besitzer der Mühle in Klein Germersleben im Verlauf der vergangenen Jahre verhängt habe. „Das Mühlengrundstück war nicht Bestandteil der Ortslage und wurde zu Unrecht als einziges Grundstück außerhalb der Ortslage mit Straßenausbaubeiträgen belegt“, führte Graumann als ersten Punkt in seinem öffentlichen Ausgang an. Das habe ihn bereits damals Tausende von D-Mark gekostet, die er wie die folgenden Gebühren und Steuern dann in Euro zähneknirschend an die Stadt gezahlt habe.

Gebührenbescheide seien Unrecht

Auch sei das Mühlengrundstück, das etwas abseits des Dorfes in Richtung Feldflur liegt und an einen Acker grenzt, nach Graumanns Meinung zu Unrecht mit Straßenreinigungsgebühren belegt worden. Als einziges Grundstück außerhalb der Ortslage Klein Germersleben. Ebenso sei das Grundstück als einziges außerhalb des Dorfes mit einer Wohngrundsteuer belegt worden. Graumanns schlafen in der Mühle, wenn sie an dem Baudenkmal oder auf ihrem Grundstück werkeln.

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Im April 2017 wurde die Klein Germersleber Windmühle des Ehepaars Graumann vom Orkantief „Friederike“ stark beschädigt. An den Folgen haben die Senioren noch heute finanziell zu knabbern. Das von der Versicherung gezahlte Geld reiche nicht aus, um alle Schäden zu beheben. Etwa 25 000 Euro müssten noch über einen Kredit abgedeckt werden. Was sich die Graumanns jedoch wenigen ihres hohen Lebensalters nicht mehr zumuten wollen.

Feuerwehreinsatz nicht nötig

Bei dem Sturm 2017 rückte auch die Feuerwehr an, um die Mühle zu sichern. „Uns wurde der Feuerwehreinsatz in Rechnung gestellt obwohl keine Gefahr in Verzug war“, nannte Graumann einen weiteren Verwaltungsakt der Stadt Wanzleben, der aus seiner Sicht nicht gerechtfertigt gewesen sei.

„Ich hätte die Satzungen nach meinen Widersprüchen vor dem Verwaltungsgericht zwar kippen können, doch gehen wir auf die 80 zu und wollten uns diesen jahrelangen Streit nicht mehr antun“, sagte Graumann verbittert.

Viel Geld investiert

Wie Graumann weiter verdeutlichtete, haben seine Frau und er viel Geld und Zeit in die Herrichtung des technischen Denkmals investiert und in weiten Teilen wieder hergerichtet. Ihre Windmühle in Klein Germersleben sei die einzige im früheren Kreis Wanzleben, die immer der Öffentlichkeit unentgeltlich zugänglich gewesen sei. Zwar werde der Besitzer noch Besucher durch die Mühle führen, wenn er und seine Frau gerade da seien. Doch die Mühle einer breiten Öffentlichkeit wie am Mühlentag zugänglich machen, werde er aus Protest gegen die Stadt Wanzleben-Börde nicht mehr. „Diese ‚Würdigung‘ der denkmalpflegerischen Arbeit durch die Stadt Wanzleben ist bezeichnend“, sagte der Besitzer.

„Dass wir den Einsatz für den Erhalt von Denkmälern hoch würdigen, ist die eine Sache. Dass damit natürlich nicht die Abgabenpflicht entfällt, eine andere“, sagte am Mittwoch Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos). Auch in der Lokalen Aktionsgruppe „Bördeland“, zu der die Stadt Wanzleben gehört, werden die Leistungen von Siegfried und Erika Graumann sehr geachtet. Aus diesem Grund habe es den Beschluss gegeben, eine Förderung zum Wiederaufbau des letzten Teils der Mühle nach dem Sturm 2017 zu ermöglichen. Die Unterlagen würden dem Landkreis vorliegen. Eine Leader-Förderung sei jedoch daran gebunden, die Objekte öffentlich zugänglich zu machen. Die Förderung wolle Graumann jedoch nicht mehr in Anspruch nehmen.

Vowürfe seien bekannt

Wie Kluge weiter sagte, habe die Stadt den Kostenbescheid des Feuerwehreinsatzes im Widerspruchsverfahren bereits zurückgenommen. „Bei der Prüfung im Widerspruchsverfahren stellten wir fest, dass es keine Notwendigkeit für diesen Feuerwehreinsatz gab“, so der Rathauschef. Verwaltungsgebühren seien nicht erhoben worden. Die anderen von Graumann erhobenen Vorwürfe würden sich auf normales Satzungsrecht der Stadt Wanzleben-Börde beziehen und hinlänglich bekannt seien.