Wanzleben l Die Menschen stehen in Wanzleben vor etlichen geschlossenen Ladentüren. Öffnen dürfen sie aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht, doch gerade in dieser Zeit sind die Kunden für die Geschäfte unglaublich wichtig. Vor allem, weil die Inhaber ohne Kundschaft in finanzielle Notlage geraten. Schließlich müssen die laufenden Rechnungen weiterhin bezahlt werden. Daher mussten neue Wege gefunden werden, um wenigstens einen Bruchteil des Umsatzes zu erzielen.

Der Blumen und Pflanzenhof von Diana Weber in Wanzleben wurde daher kurzerhand in eine Art To-Go-Laden umgewandelt. Das heißt, die Kunden rufen bei ihr an, bestellen die Blumen, Sträuße oder Gestecke, die sie haben möchten und können sie dann vor ihrem Laden ganz unkompliziert abholen. „95 Prozent gehören zu meinen Stammkunden“, sagte die Geschäftsführerin des Blumenladens. Da falle es ihr nicht schwer, für jeden den richtigen Blumenstrauß zusammen zu stellen. Aber auch für alle anderen Kunden oder für die Unentschlossenen hat Weber eine Lösung parat. Da sie eigentlich alle möglichen Blumensorten und -farben bei sich im Laden stehen hat, können sich Kunden sozusagen virtuell umsehen und entscheiden.

Über Whatsapp kann sie so die Auswahl an Blumen schicken und der Kunde kann sich dann individuell entscheiden. Trotz dieser Notlösung fehlt es ihr an Laufkundschaft. Januar und Februar seien an sich schon ruhigere Monate. Erst mit der Pflanzzeit im Frühjahr oder Herbst sei mehr los. Finanziell sei es daher für sie grenzwertig, sagte die Inhaberin. Alles was sie einnimmt, wird für laufende Kosten ausgegeben. Zum Glück entfällt die Miete, sagte sie weiter, da ihr Laden auf ihrem eigenen Grundstück steht. Dennoch schätzt sie, dass die Kassen im Juni leer sein werden. Soforthilfe vom Staat habe sie im vergangenen Jahr nicht bekommen, da sie Geld von ihrer Versicherung ausgezahlt bekommen habe.

Auch Baumärkte haben geöffnet

Diana Webers Blumenladen ist allerdings nicht das einzige Geschäft, das eine Abholung ermöglicht. Auch der Raiffeisen-Baumarkt und Baustoffhandel in Wanzleben bietet eine Abholung vor dem Markt an. Unter bestimmten Auflagen dürfen sogar Kunden in den Markt. „Viele wissen gar nicht, dass wir geöffnet haben“, sagte Thomas Grunwitz, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Warengenossenschaft Tangerhütte. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum das Angebot – im Vergleich zum Markt in Tangerhütte – in Wanzleben nicht so viel genutzt wird, vermutet Grunwitz.

Zwar ist der Besuch im Markt für Privatpersonen nicht erlaubt, aber Gewerbetreibende und Handwerker können gegen Vorlage ihres Gewerbescheins einkaufen. Natürlich unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften. Dabei darf allerdings die maximale Zahl von fünf Kunden im Markt nicht überschritten werden. Privatpersonen können hingegen Ware bestellen und abholen oder einen Liefertermin nach Hause vereinbaren. Dennoch erleidet das Unternehmen „massive Umsatzeinbrüche“, die Kurzarbeit zur Folge haben, sagt Grunwitz. Ein Notanker für die finanzielle Lage des Unternehmens sind die zwei Raiffeisen-Tankstellen in Tangerhütte und Tangermünde, die normal geöffnet sind.

Auch das „Casino“ in Klein Wanzleben hält sich seit März vergangenen Jahres wacker. Ihren Bestell- und Abholservice haben Hanno und Christian Trieger auch in diesem Jahr weitergeführt. Jeden Donnerstag und Sonnabend oder Sonntag kann bei ihnen ein Gericht bestellt werden.

Hausgemachte Leckereien zum Mitnehmen

Jeden Tag zu öffnen würde sich laut Christian Trieger, Leiter des Familienunternehmens, nicht lohnen. Für vielleicht fünf Gerichte müsste in der Küche alles hochgefahren werden, sagte er. Das Angebot wird gut angenommen. „Durch Mund-zu-Mund-Propaganda kommen immer mehr Kunden“. Zudem sind die Preise auch günstiger als vorher und jeder Kunde bekommt zu seiner Bestellung ein kleines Dankeschön in Form einer Schokolade oder zur Weihnachtszeit Plätzchen. Trieger möchte sich so bei ihnen bedanken, dass sie im Casino Essen bestellen, denn ohne Kunden gebe es auch kein Geld.

Und gerade der Januar, in dem vieles abgebucht wird, fordert viel ein. Im April vergangenen Jahres bekamen Triegers finanzielle Hilfe vom Staat. Mit dem Geld konnten sie so die monatlichen Kosten für rund drei Monate decken.

Doch das Restaurant bietet nicht nur To-Go-Gerichte an, sondern auch allerlei Leckereien. „Wir haben sozusagen einen kleinen Tante Emma Laden“, sagte Trieger. Darunter zum Beispiel selbstgemachte Soljanka, Marmeladen und Liköre, wie der „Beerenbums“. Und nachhaltig ist es noch dazu, denn es wird alles in Einweckgläser oder Glasflaschen gefüllt, die die meisten Kunden bei ihrem nächsten Besuch wieder mitbringen.