Bördekreis l Erstmals hat das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock die Lebenserwartung für alle Kommunen bundesweit untersucht. Basierend auf Einwohner- und Sterbedaten der Jahre 2015 bis 2017 errechneten die Forscher die Lebenserwartung für alle 402 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte

„Richtig alt werden kann man in Deutschland vor allem im Süden Bayerns und in Baden-Württemberg. Die durchschnittliche Lebenserwartung in den Landkreisen unterscheidet sich bei Männern um mehr als fünf Jahre. Bei Frauen gibt es Unterschiede von fast vier Jahren“, heißt es in der Veröffentlichung des Max-Planck-Instituts.

Auffallend ist dabei das starke Ost-West-Gefälle. Insbesondere Sachsen-Anhalt schneidet schlecht ab. Unter den zehn Landkreisen mit der niedrigsten Lebenserwartung von Frauen liegen sieben in Sachsen-Anhalt, einschließlich dem Landkreis Börde. Frauen werden hier im Schnitt 82,39 Jahre alt. Ähnlich ist das Gefälle unter den Männern. Von den zehn Landkreisen mit der niedrigsten Lebenserwartung liegen vier in Sachsen-Anhalt. Männer werden im Landkreis Börde im Schnitt 77,19 Jahre alt. Damit schneiden sie mit Platz 383 von insgesamt 402 Landkreisen im Bundesvergleich etwas besser ab als die Frauen (Platz 395).

Weiter differenzieren

„Ich kann mir das nicht erklären“, sagt Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge. Wahrscheinlich müsste weiter differenziert werden und in die einzelnen Ortschaften geschaut werden. „In Wanzleben haben wir eine außerordentlich hohe Dichte an Ärzten und eine sehr niedrige Arbeitslosenquote. Außerdem liegen wir nah an der Hauptstadt, wo man alles bekommt, was es hier nicht gibt. Ich bin Positivdenker, würde nach Ortschaften differenziert, würde sich zumindest für Wanzleben ein anderes Bild ergeben“, so der Bürgermeister.

Betrachtet man jedoch die Sterbezahlen der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde von 2015 bis 2017, sind zumindest die reinen Durchschnittswerte für die Lebenserwartung sogar etwas niedriger als die Werte des Max-Planck-Instituts für den Landkreis Börde. Demnach wurden die Wanzleber im genannten Zeitraum 73,34, die Wanzleberinnen 80 Jahre alt. Zu beachten ist jedoch, dass bei einer relativ geringen Bevölkerungs- und dementsprechend auch Sterbezahl abweichende Werte wie beispielsweise der Tod eines sehr jungen Menschen die Durchschnittswerte stark beeinflussen, weshalb die Zahlen nur bedingt repräsentativ sind.

Auch im Westen schlechte Werte

„Insgesamt zeigt sich, dass mehr Landkreise mit niedriger Lebenserwartung im Osten Deutschlands liegen, als im Westen. Aber auch in Westdeutschland, und dort vor allem im Ruhrgebiet, gibt es Landkreise, in denen die Bewohner im Schnitt früher sterben. Dazu zählen Dortmund, Gelsenkirchen und Essen“, heißt es vom Max-Planck-Institut.

Um Lösungsansätze zu bieten, haben die Forscher beim Max-Planck-Institut ebenfalls untersucht, welche Faktoren zur unterschiedlichen Lebenserwartung in den deutschen Landkreisen beitragen. Demnach haben die Arbeitslosenquote und die Quote des Hartz IV-Empfänger starken Einfluss auf die Statistik. „Wer Unterschiede in der Lebenserwartung reduzieren will, muss vor allem die Lebensbedingungen des ärmsten Teils der Bevölkerung verbessern“, erklärt Roland Rau vom Max-Planck-Institut. Weiter heißt es, dass Faktoren wie Durchschnittseinkommen, die Zahl der Ärzte pro 100 000 Einwohner oder die Bevölkerungsdichte einen geringen Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Positiv ist: Seit der Wiedervereinigung ist die Lebenserwartung in Sachsen-Anhalt deutlich angestiegen. Bei Männern lag diese 1991 bei 69,42 Jahren und hat sich seitdem auf durchschnittlich 76,28 gesteigert. Bei Frauen lag die Lebenserwartung 1991 bei 76,8. Sie ist um fast sechs Jahre auf 82,63 gestiegen.

Am ältesten werden die Frauen mit 85,69 Jahren übrigens im bayrischen Starnberg, die Männer mit 81,15 Jahren in München. Am frühesten sterben Frauen mit 81,77 Jahren im Salzlandkreis, die Männer mit durchschnittlich 75,82 nicht im Osten, sondern in Bremerhaven.