Friedhof in Wanzleben

Müll sorgt dafür, dass die Schließzeiten von der Verwaltung wieder durchgesetzt werden sollen

Verwaltung der Einheitsgemeinde will das Gelände kontrollieren lassen und Schließzeiten wieder durchsetzen

Die Friedhofsruhe in Wanzleben wird nicht nur von Krähen sondern auch von Müllsündern gestört.
Die Friedhofsruhe in Wanzleben wird nicht nur von Krähen sondern auch von Müllsündern gestört. Foto: Hagen Uhlenhaut

Wanzleben - cc

Der Friedhof in Wanzleben übt nicht nur auf Saatkrähen einen besonderen Reiz aus. Übrigens sind von der Verwaltung zuletzt schon wieder 60 Nester der ungeliebten Vögel gezählt worden. Nein, es tummeln sich - zumindest an nicht verregneten Tagen - ganz andere Besucher auf dem Gelände. „Der Weg über den Friedhof wird gern als Abkürzung genutzt“, sagt Bauamtsleiter Olaf Küpper. Die Überreste der Wegzehrung finden sich dann überall auf dem Areal. Dabei handelt es sich um Bierverpackungen, zertrümmerte Flaschen und ähnliche Hinterlassenschaften. Darauf, dass alles fein säuberlich von den Friedhofsmitarbeiter und Bürgern eingesammelt und entsorgt wird, können sich die Verursacher immer noch verlassen.

Der Aufwand hat sich für die Stadt mittlerweile erheblich vergrößert, und es werden Gegenmaßnahmen in Betracht gezogen.„Seit einigen Jahren haben wir darauf verzichtet, die eigentlich ausgehängten Schließzeiten zum Abend umzusetzen“, erklärt Küpper. „Wir werden diese aber wieder einführen, da die Verunreinigungen exponentiell zugenommen haben.“ Sprich, der Friedhof wird an seinen vier Zugängen wieder verschlossen. Umgesetzt werden soll das schon bald. An einem Zugang von der Stadt her ist das Abschließen nämlich gerade nicht möglich.

Neues Tor muss angeschafft werden

Dort wurde quasi über Nacht ein frisch eingebauten Tor gestohlen. Das war vor etwa zwei Jahren (Volksstimme berichtete). Die Vermessung für ein benötigtes neues Tor sei schon beim Bauhof in Auftrag gegeben worden. „Das wird die Stadt dann aber wieder Geld kosten“, sagt Küpper. Nach dem Einbau wird der Friedhof über die Nachtstunden dicht gemacht. Damit wird ein Zustand wieder hergestellt, der bis vor gut sechs Jahren schon einmal Bestand hatte.

Davor hatte die Verwaltung ebenfalls zur nächtlichen Schließung gegriffen, da sich schon seinerzeit Vandalen hier austobten. Zu der Zeit war neben allerhand Müll sogar Unterwäsche zwischen den Grabsteinen gefunden worden. Nach der Aussetzung der Schließzeiten über Nacht war es lange Jahre ruhig geblieben. Nun ist das Problem auf ähnliche Weise zurückgekehrt, und das ärgert Verwaltung wie auch Anwohner.

Corona-Partys auf dem Gelände

Beobachtet wurden in den zurückliegenden Wochen Gruppen von bis zu zehn Personen, die den Friedhof als bequemen Treffpunkt nutzten und dann die mitgebrachten Getränke leerten. Solche Corona-Partys will aber die Verwaltung nicht weiter dulden, zumal diese schon allein in den Bereich der Ordnungswidrigkeit fallen. Deshalb wurde auch das Ordnungsamt eingeschaltet. Das bestätigt dessen Leiter Kai Pluntke. „Wir werden uns dazu mit der Polizei absprechen“, versichert er. Allerdings gab er zu bedenken, dass die Verursacher meist nicht zu den eigentlichen Arbeitszeiten der Mitarbeiter auf dem Friedhof anzutreffen seien. Dieses Problem sei aber durch entsprechende Absprachen zu lösen. Ordnungsamt und Polizei werden also künftig ein Auge auf die Situation auf dem Gelände haben.

Interessant dürfte dabei auch sein, diejenigen zu erwischen, die in schöner Regelmäßigkeit Einkaufswagen auf dem Gelände hinterlassen. „Damit werden vermutlich die Getränke quer über die Wege transportiert“, vermutet Olaf Küpper. Ist der Inhalt aufgebraucht, dann wird auch das Transportmittel einfach stehen gelassen. Friedhofsmitarbeiter schieben diese dann am nächsten Tag wieder zum betreffenden Markt.

Tour von Supermarkt zu Supermarkt

Die Abkürzung über den Friedhof bringt für die Müll-Verursacher einen besonderen Vorteil mit sich. Sie verbindet zwei Supermärkte miteinander. Dort decken sich die betreffenden Personen vor ihren Gang über das Gelände noch einmal entsprechend ein. Jedenfalls ist diese Vermutung für die Verwaltung naheliegend. „Die Leute sind sicherlich durch die aktuellen Corona-Vorgaben genervt oder gar gelangweilt“, sagt Olaf Küpper. „Es kann aber nicht sein, dass wir nun einen kostenintensiven Personalaufwand betreiben müssen, um so etwas zu verhindern.“