Klein Wanzleben l Klein Wanzlebens Ortsbürgermeister Horst Flügel ist ein Mann der klaren Worte. „Wir sind 2010 in die Einheitsgemeinde gezwungen worden. Ich war und bin ein großer Gegner dieses Verwaltungsgebildes“, sagte der 77-Jährige bei einer Einwohnerversammlung, zu der er in das „Casino“ des Zuckerdorfes eingeladen hatte. Um die 60 Klein Wanzleber waren seiner Einladung gefolgt.

Klare Worte gegen Einheitsgemeinde

Für Flügel stehe fest, dass in Klein Wanzleben deutlich mehr passiert wäre, wenn der Ort eigenständig geblieben wäre. Der Ort habe unter der Zwangseingemeindung im Jahr 2010 in die Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde besonders gelitten und habe davon nicht profitiert. Besonderes Ziel seiner Kritik war die Wanzleber Stadtverwaltung, die es bis heute nicht verstanden habe, Dienstleister der Orte und der Bürger zu sein. Außerdem bemängelte Flügel die aus seiner Sicht lückenhafte Informationspolitik des Rathauses und sprach „vom Dienst nach Vorschrift“, der in der Verwaltung vorherrschen würde. Zudem würden die Ortschaftsräte in der Einheitsgemeinde über zu wenige Rechte verfügen. Sie könnten nur Beschlüsse fassen, die sich direkt auf den Ort beziehen. Ansonsten würden sie bei Entscheidungen im Stadtrat Wanzleben nur eine beratende Stimme haben.

„Wenn sich Horst Flügel gegen die Einheitsgemeinde ausspricht, dann ist das aus meiner Sicht eine politische Aussage. Denn Klein Wanzleben wurde zwangsweise zugeordnet“, sagte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) auf Volksstimme-Nachfrage zur Kritik des Ortsbürgermeisters. Flügel sei grundsätzlich gegen das Modell der Einheitsgemeinde. Und die Wunden von 2010 seien wohl noch nicht verheilt, vermutete Kluge. Dennoch habe sich Horst Flügel in die Entwicklung zu einer Einheitsgemeinde eingebracht. Ein Zeichen dafür sei seine aktive Mitarbeit bei der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes für die Stadt Wanzleben-Börde. „Unter den aktuellen Rahmenbedingungen wäre Klein Wanzleben nicht überlebensfähig, deshalb ist der Ort in der Einheitsgemeinde gut aufgehoben und hat eine Perspektive als Wohn- und als Wirtschaftsstandort“, betonte Kluge.

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20 Bewerber kandidieren für Ortschaftsrat

Mit Blick auf die Kommunalwahl am 26. Mai sagte Flügel, dass sich 20 Kandidaten um die Sitze im Ortschaftsrat Klein Wanzleben bewerben. Das sei die höchste Anzahl an Bewerbern für einen Ortschaftsrat in der Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde und für Flügel ein Indiz für eine funktionierende Demokratie im Zuckerdorf. Flügel selbst wird nicht mehr für den Ortschaftsrat Klein Wanzleben und den Stadtrat Wanzleben kandidieren. Nach 25 Jahren als Ortsbürgermeister und mehr als 50 Jahren in der Kommunalpolitik zieht er sich aus privaten Gründen zurück. Sein aktuelles Mandat im Stadtrat Wanzleben hatte er bereits im November vergangenen Jahres aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Er saß seit der letzten Wahl seit vier Jahren im Stadtrat, war als Einzelkandidat angetreten und hatte sich dann der FDP-Fraktion angeschlossen. Auch wolle sich Flügel aus der Spitze des Sportvereins Blau-Weiß Wanzleben verabschieden. Die Führung des Fördervereins „Schwimmbad 1955“ werde er hingegen noch für zwei Jahre ausüben.

Für den Zeitraum von 1990 bis 2010 konnte Horst Flügel bei der Einwohnerversammlung für das Zuckerdorf Klein Wanzleben eine durchaus positive Bilanz ziehen. „Wir haben in dieser Zeit 15 Straßen saniert oder teilsaniert“, verdeutlichte der scheidende Ortsbürgermeister für die Periode vor dem Zwangsbeitritt zur Einheitsgemeinde Stadt Wanzleben-Börde. Auch sei es damals gelungen, in der Ortschaft Meyendorf als sie noch zu Klein Wanzleben gehörte, die Straßen komplett zu sanieren. Auch sei es geglückt, im Zuckerdorf neue Gebiete für den Eigenheimbau zu erschließen. „Insgesamt sind dort bis zu 80 Wohneinheiten neu entstanden“, sagte Flügel. Es gebe aber noch jede Menge zu tun. Wie er sagte, müsse die Erschließung des neuen Eigenheimbaugebietes Belfort endlich auf den Weg gebracht werden. „Wir müssen all das erhalten, was wir noch mit eigenem Geld geschaffen haben“, zog Flügel ein mahnendes Resümee seiner Amtszeit.

Ortsbürgermeister lobt Einsatz der Feuerwehr

Zum Thema Sicherheit im Dorf führte Flügel aus, dass die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Klein Wanzleben eine hervorragende ehrenamtliche Arbeit im Dienste der Allgemeinheit leisten würden. Dieser Einsatz habe sich jüngst beim Brand in der Schweineaufzuchtanlage des Dorfes gezeigt. Zu seiner Bekämpfung waren alle Ortsfeuerwehren der Stadt Wanzleben-Börde angerückt. Kein Verständnis zeigte Flügel hingegen für das Verhalten einiger Autofahrer, die sich über die Vollsperrung von Straßen während des Einsatzes gegenüber den Feuerwehrleuten aufregten. „Das war notwendig, um eine lange Schlauchstrecke zur Versorgung mit Löschwasser herzustellen“, sagte Klein Wanzlebens Ortswehrleiter Matthias Kotter bei der Einwohnerversammlung. Und da die Kameraden nicht den Fahrzeugverkehr regulieren dürften, mussten sie die gesamten Straßen sperren. Auch warb Kotter um mehr Verständnis, wenn die Feuerwehr auch nachts mit eingeschalteten Sondersignalen ausrücke. „Dazu sind wir rechtlich verpflichtet“, sagte Kotter.