Langenweddingen l Inhaber Dirk Grüner präsentiert beim Volksstimme-Termin schlicht und ergreifend das Lebenswerk seiner Familie. In 20 Räumen, die sich über drei Etagen erstrecken, werden gut 50.000 Exponate aus dem täglichen Leben in der DDR gezeigt. „Wir verstehen uns als ein Alltagsmuseum“, sagt Dirk Grüner. „Hier werden Gegenstände gezeigt, die jeden Tag in der DDR in Gebrauch waren.“ In den Räumlichkeiten sind diese zudem thematisch geordnet.

So gibt es einen eigenen Konsum, Technik-Ausstellungen, eine Krankenstation, eine Schule und die „gute Stube“. Die Exponate füllen die jeweiligen Ausstellungsräume nahezu bis auf den letzten Zentimeter aus. „Das ist durchaus unsere Absicht“, erklärt Grüner. „Die Besucher können so schnell einen Überblick gewinnen, was es alles für Produkte in 40 Jahren DDR-Zeit gab.“ Dabei gibt es nicht nur vertraute Dinge zu entdecken. Die Gäste des Museums bekommen einen Überblick über eine breite Palette, die im einst sozialistischen Staat auf deutschem Boden, geboten wurde.

Zu jedem Exponat eine Geschichte

In Langenweddingen finden sich fast alle Produkte, die es „dunnemals“ gab. Nicht umsonst steht die Ausstellung vom Gesamtangebot her auf Rang vier weltweit, in Deutschland ist es sogar Platz drei. „In Los Angeles gibt es das größte DDR-Museum überhaupt auf der Welt“, weiß Dirk Grüner zu berichten. „Das will ich irgendwann noch einmal besuchen.“ Überhaupt ist der Inhaber so etwas wie ein wandelndes Lexikon für die DDR-Zeit. Er weiß nahezu zu jedem Exponat eine Geschichte zu erzählen.

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Mit einem Blick auf den im Konsum ausgestellten Hohnsteiner Trinkbranntwein schätzt er sofort dessen Beschaffenheit ein. „Alle wollten natürlich den ,guten Braunen‘ haben. Bei Engpässen wurde der Hohnsteiner auf den Markt geworfen“, erklärt Grüner. „Von dem bekam man aber garantiert Kopfschmerzen.“ Daneben gibt es aber auch einiges an „Bückware“ zu besichtigten, die meist nur unter dem Ladentisch wegging.

Im Oktober ist Schluss

All das ist für Besucher noch einmal über Ostern und zu Pfingsten live zu sehen. Im Oktober ist Schluss mit dem Ostalgie-Kabinett. Was einst im Oktober 2004 begonnen hat, ist dann vorbei. „Ich habe die Kündigung zum 31. Oktober 2018 erhalten“, berichtet der Inhaber. Er hätte sich mehr Zeit für die Beräumung der Ausstellung gewünscht.

Er und seine Familienmitglieder werden die gut 50.000 Exponate sorgsam verpacken. Was dann damit geschehen soll, ist noch völlig offen. „Es wäre schön, wenn sie an anderer Stelle wieder der Öffentlichkeit gezeigt werden können“, sagt Dirk Grüner. „Das natürlich in ihrer Gesamtheit.“ Die Sache macht ihn insgesamt sehr traurig. Mittlerweile haben zehntausende Besucher die Exponate gesehen.

Ausstellung stets erweitert

Sogar die Ehrennadel, übergeben von Sachsen-Anhalts damaligem Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer (CDU), wurde im Jahr 2010 an Dirk Grüner verliehen. „Das macht uns schon sehr stolz“, sagt der Inhaber. „Wir haben 14 Jahre lang die Ausstellung ständig erweitert. Alle Teile sind durch unsere Hände gegangen.“ So etwas verbinde die Familie mit den Exponaten. Außerdem habe man in die Renovierung investiert. „Zwei Treppen werden beim Abriss wohl einfach entsorgt, das ist traurig“, fügt Grüner hinzu. „Die Betriebskosten haben wir selber getragen und nebenher einiges investiert. Die Nutzung war frei – dafür haben wir viel Arbeit in das Haus gesteckt.“

Grüner hofft darauf, dass die Besucher noch einmal zu ihm kommen, um Abschied von der Ausstellung zu nehmen und ihn vielleicht mit Spenden zu unterstützen. Geöffnet ist über die Osterfeiertage, vom 28. April bis zum 1. Mai und vom 19. bis 21. Mai, jeweils von 14 bis 19 Uhr. Danach beginnen die Räumungsarbeiten.