Kirchengemeinden

Pfarrer Thomas Seiler aus Seehausen hofft auf mehr Normalität

Auch in den Kirchengemeinde sorgt die fallende Corona-Inzidenz für Aufatmen und Hoffen. Erste Veranstaltungen sind wieder möglich und es wird fleißig geplant. Der Weg bis dahin war nicht einfach, das weiß Pfarrer Thomas Seiler aus Seehausen zu berichten.

Von Christian Besecke
Pfarrer Thomas Seiler aus Seehausen in seiner Amtsstube. Er freut sich, dass es schon bald wieder Veranstaltungen in den Kirchengemeinden gibt.
Pfarrer Thomas Seiler aus Seehausen in seiner Amtsstube. Er freut sich, dass es schon bald wieder Veranstaltungen in den Kirchengemeinden gibt. Foto: Christian Besecke

Seehausen - Sieben Gemeinden betreut der Pfarrer aus der Seestadt, und die Corona-Pandemie hat ihm, seinen vielen Helfern und den Gemeindekirchenräten viel abverlangt. Doch jetzt kommen Lockerungen, die auch das Leben in den Gemeinden wieder erwecken können.

„Es gibt natürlich schon erste Planungen für Veranstaltungen“, sagt der Pfarrer. „Das ist auch wichtig, denn die Menschen sind auf diesem Gebiet total ausgehungert.“ Schade findet er, dass so etwas nicht schon zu Himmelfahrt möglich war. „Dieser Termin ist nämlich ein traditionell wichtiger Tag für die Eggenstedter, die dann immer alle Gemeinden zu sich einladen“, erklärt der Pfarrer.

Als interessanten Termin für die gesamte Umgebung sieht er den Erntebittgottesdienst in Ummendorf am Sonntag, 27. Juni, der ab 10.30 Uhr auf dem Außenareal des Börde-Museums stattfindet. „Dazu werden ganz sicher die Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung kommen“, ist sich der Pfarrer sicher. „Die Möglichkeit zu persönlichen Gesprächen und das Beisammensein – wenn auch unter Coronavorgaben - locken ganz sicher.“

Aber auch in der Gemeinde-Jugendarbeit geht es weiter. So gibt es eine Sommerfreizeit für Jugendliche vom 26. Juli bis zum 1. August auf der Unstrut. Interessenten können sich dafür beim Referat für Gemeindepädagogik in Wanzleben anmelden. Zuvor gibt es aber die Konfirmandenveranstaltung, die als gemeinsame Abenteuer- Freizeit in Eggenstedt stattfindet. Sie beginnt am Freitag, 2. Juli, um 16 Uhr und endet am Sonnabend gegen 10 Uhr mit Andacht und Frühstück. Übernachtet wird im Pfarrhaus Eggenstedt. Mit dabei ist der Kreisreferent für Gemeindepädagogik, Jörn Bischoff. Aber auch in den Kirchengemeinden laufen die Planungen. „Es sind ja schon einmal 100 Besucher für Konzerte möglich“, sagt Thomas Seiler.

Untätig war die Gemeinde bis dahin aber keineswegs. Gern erinnert sich der Pfarrer an den Kreuzweg, der 14 Tage vor Karfreitag startete. Dabei waren in Seehausen und der näheren Seeumgebung der Leidensweg Jesu in Form von Stationen dargestellt, und die Teilnehmer konnten diese aufsuchen. Sogar ein großes Kreuz wurde dazu in der Nähe des Sees aufgestellt (Volksstimme berichtete).

Sehr persönlicher Kreuzweg

„Die Resonanz hat mich überrascht“, sagt Seiler. „Wegen der Corona-Beschränkungen konnten wir den Weg nicht gemeinsam absolvieren. Die Teilnehmer sind einzeln gegangen.“ Die rege Teilnahme und die vielen verschiedenen Arten der Dokumentation sorgten für frohe Stimmung beim Pfarrer und den Helfern. „Die Eindrücke haben wir dann aus Gesprächen, in Telefonaten oder in Schrift- und Bildform bekommen“, sagt er.

Demnach kann er von einer äußerst gelungenen Aktion sprechen. „Immer wieder waren Pilger zu beobachten, die den Weg beschritten haben. Sie kamen zudem aus nah und fern“, beschreibt er.

Überhaupt waren die Mitglieder des Gemeindekirchenrats und die Helfer sehr erfindungsreich, um Kontakt zu den Menschen auch im harten Lockdown zu halten oder Gottesdienste zu ermöglichen. Letztere waren seither nur in verkürzter Form möglich, aber die kompakte Form stellte kein Problem für die Pfarrer dar. „Vielmehr ist es schmerzlich, dass das gemeinsame Singen nicht möglich ist“, schätzt dieser ein. „Speziell die evangelischen Gottesdienste leben ja davon, dass alle mitmachen.“ Gerade in der Seehäuser Kirche sei die Problematik der Abstandseinhaltung besonders gut durchzusetzen, da hier Stühle stehen.

Dieser Umstand kam der Kirchengemeinde zugute, als es darum ging, Feiertagsgottesdienste zu ermöglichen. „Außerdem muss ich einmal die Hilfsbereitschaft der Menschen hervorheben“, fährt der Pfarrer fort. „Die Vor- und Nachbereitungen sind über die jeweiligen Kirchengemeinde hervorragend abgewickelt worden.“ Das sei wichtig, wenn er selber zu mehreren Terminen am Tag in den Gemeinden unterwegs ist.

„Wir sind nach draußen gegangen, und der jeweilige Ort wurde mit Lichterschlangen beleuchtet, die Technik wurde gelegt und einsatzbereit gemacht. Oft hat sich da Norman Staude verdient gemacht, der den Kirchenkreis sehr unterstützt.“ Überhaupt habe der Weg über die neuen Medien ganz neue Formate hervorgebracht. So wurden Produktionen erstellt, die über die digitalen Medien liefen. „Und das sind durchaus professionelle Sachen, die beispielsweise auf Youtube zu sehen sind“, schätzt Thomas Seiler ein.

Kontakt zu den Gemeinden

Den hat er aber auch selber praktisch hautnah erleben dürfen. So feierte er Gottesdienste mit Bewohnern des Altenheims in Klein Wanzleben vom Innenhof aus, während die Senioren aus den Fenstern heraus zuschauten. Das Krippenspiel lief als Sprech-Veranstaltung auf Abstand. Den Kontakt zu den Gemeindemitglieder hielt der Pfarrer über Telefon und über Briefe. „Wir haben noch nie so viele Briefe verteilt“, erinnert er sich.

Beerdigungen in Lockdown-Zeiten waren teilweise nur mit fünf Personen möglich. Das hat ihn sehr bedrückt. „Gerade da Abstand zu halten ist sehr schwer“, sagt er. Zudem hofft der Pfarrer, dass bald wieder Chormusik möglich ist und die Flötengruppen reaktiviert werden können.

Der sehr persönliche Kreuzweg vor dem Karfreitag hat viele Teilnehmer sehr beeindruckt.
Der sehr persönliche Kreuzweg vor dem Karfreitag hat viele Teilnehmer sehr beeindruckt.
Foto: Franziska Seidel