Wanzleben l Dr. Friedrich-Wilhelm Kühne, Retter und Besitzer der Burg Wanzleben, strahlte an diesem Sonntag mit der Sonne um die Wette. Als der 77-Jährige über den Burghof ging, begrüßte er viele Bekannte, die die Gelegenheit nutzten, bei bestem Frühlingswetter den ersten Markttag auf der Burg Wanzleben zu besuchen. Händler aus der Umgebung boten ihre Waren an, Handwerker zeigten ihre alten Künste und Wanzleber Vereine stellten sich der Öffentlichkeit vor.

Burgherr Kühne traf bei seinem Rundgang auch auf Walter Bellstedt aus Wanzleben. Wie der 87-Jährige in einem Gespräch mit Kühne berichtete, stand er 40 Jahre lang als Mitglied in den Diensten der Feuerwehr Wanzleben. Auf der Burg habe er drei Brände miterlebt und mitgelöscht. Bellstedt erzählte zudem von einem traurigen Ereignis im Jahr 1939. Damals betreute sein Vater die Pferde auf der Burg Wanzleben. Ihm gingen Hengste eines Gespanns durch, so dass es zu einem schwerwiegenden Unfall kam, bei dem sein Vater das Leben verlor.

Seit 1993 restauriert

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die Rote Armee die Domäne Wanzleben und enteignete die Familie Kühne. Zu DDR-Zeiten wurde die Burg unter anderem durch eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft und einen Kindergarten genutzt. In der sozialistischen Mangelwirtschaft drohte der Burg der Verfall. Nach der Wiedervereinigung erwarb 1993 Dr. Friedrich-Wilhelm Kühne, Enkel des letzten Domänenpächters Amtsrat Erich Kühne, die Burg. Seitdem hat er die historische Anlage restauriert und in ihren Mauern ein Hotel mit Restaurant geschaffen. „Demnächst nehmen wir die Sanierung des Burgfrieds in Angriff“, kündigte Kühne beim Markttag an. Der mehr als 30 Meter hohe Turm ist das Wahrzeichen der Burg Wanzleben und um die 1000 Jahre alt.

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Und unter diesem Burgfried tummelten sich am Sonntag die Besucher des Markttages. Mehr als 20 Händler, Handwerker und Vereine hatten ihre Stände aufgebaut, um das Publikum zu unterhalten und mit ihren Angeboten vertraut zu machen. Unter anderem zeigten Seilmacher Hilmar Kühne aus Haldensleben, der Wanzleber Korbmachermeister Knut Röhrich, Schmied Christian Schreiner aus Remkersleben und Yvonne Schott aus Kroschwitz am Spinnrad ihre alten Handwerkskünste. Außerdem informierten der Förderverein der Wanzleber Grundschule „An der Burg“ und der der Stadt- und Kreisbibliothek über ihre Aktivitäten und boten Basteleien und Bücher an. Imker Michael Schulze war zusammen mit Kindern der Arbeitsgemeinschaft Bienen- und Naturfreunde der Grundschule Klein Wanzleben auf die Burg gekommen. Die Kinder verteilten an die Besucher Honigkostproben der Frühtracht ihrer Bienen.

Gelungener Höhepunkt

„Der erste Markttag auf der Burg Wanzleben war ein gelungener Höhepunkt. Das Angebot war vielseitig, die Gespräche mit den Händlern interessant. Das Ambiente ist bestens geeignet und das Wetter leistete seinen Beitrag. Ich habe nur positive Rückmeldungen der vielen Gäste erhalten“, schätzte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) ein. Zusammen mit seiner Gattin Janina besuchte Kluge den Markttag und mischte sich unter die Besucher. Eine musikalische Umrahmung würde die Veranstaltung bereichern, gab Kluge noch einen Tipp für kommende Markttage auf der Burg. „Mir persönlich hat der Markttag sehr gefallen, ich hab mich wohl gefühlt. Und ich gehe davon aus, dass dieser Markttag auf der Burg eine Fortsetzung findet“, sagte der Bürgermeister.

„Über eine Fortsetzung der Markttage werden wir noch entscheiden“, sagte Sarah Staymann, Direktionsassistentin auf der Burg Wanzleben, am Montag. Sie sei mit dem Auftakt sehr zufrieden und habe von Händlern und Besuchern positive Reaktionen erfahren.