Bottmersdorf l Das Glück liegt einem Sprichwort zufolge ja auf dem Rücken der Pferde. Darum wünschen sich viele Mädchen und Jungen ein eigenes Pferd oder zumindest Reitstunden. Doch so schön das Reithobby auch ist, so kostspielig und zeit- intensiv ist es auch. Nicht alle Eltern können ihren Kindern das ermöglichen.

Darum haben sich Annett Kalweit und Grit Laerz eine besondere Überraschung überlegt. Die beiden Frauen reiten für ihr Leben gern und möchten von dieser Freude etwas abgeben. Sie haben jeweils auf Facebook einen Aufruf gestartet, mit dem sie Zeit mit „Silas“, dem Pferd von Annett Kalweit und „Eclaire“, dem Pferd von Grit Learz, verschenken möchten. Im vergangenen Jahr starteten die Reiterinnen die Aktion zum ersten Mal, inspiriert von ähnlichen Aufrufen für andere Regionen, ebenfalls auf Facebook.

Sieben Anfragen haben die beiden Frauen bisher erreicht. „An Heiligabend wollen wir auslosen, wer gewinnt“, sagt Annett Kalweit. Dann lesen wir die Geschichten vor, die man uns zugesendet hat, warum die Bewerber sich die Zeit mit den Pferden wünschen. „Danach entscheiden wir gemeinsam, wer uns auf dem Hof besuchen darf“, so Annet Kalweit.

Die Idee sei, einem Kind Zeit mit einem Pferd zu ermöglichen, das sonst keine Gelegenheit dazu hat. „So verbringen die Kleinen ein paar schöne Stunden, und für uns ist es keine Belastung“, sagt Annett Kalweit. Grit Laerz fügt hinzu: „Das sind vielleicht mal zwei, drei Stunden, aber man macht damit ein Kind einfach glücklich. So erzielen wir einen großen Nutzen mit wenig Aufwand.“

„Beim letzten Mal haben wir den Gewinnern zuerst gezeigt, wie man das Pferd pflegt“, so Laerz. Die Kinder kamen auf den Hof und lernten, wie man ein Pferd striegelt, ihm die Hufe auskratzt und was noch dazu gehört. Danach sei es dann in die große Halle des Bottmersdorfer Pappelhofes gegangen, wo die Kleinen selbst auf den Rücken von „Silas“ und „Eclaire“ sitzen durften und etwa eine halbe Stunde von Grit Laerz und Annett Kalweit durch die Reithalle geführt wurden.

Tragische Geschichten

Im vergangenen Jahr seien die Gewinner der Aktion gut vorbereitet auf den Wanzleber Pferdehof gekommen, um dort Zeit mit den Pferden zu verbringen. Äpfel und Möhren zum Füttern hätten sie dabei gehabt, so Kalweit. Grit Laerz berichtet von der Aktion 2019: „Das emotionalste war für mich die Anfrage eines zehnjährigen Mädchens, das sich Zeit mit einem Pferd gewünscht hatte.“ Sie habe ursprünglich bei ihrem Vater gelebt, die Mutter wollte keinen Kontakt mehr zu ihr. Zehn Tage vor dem Reitabenteuer sei der Vater verstorben, so Gaerz. Die Tante des Mädchens habe dann die Anfrage gestellt. „Das ging mir schon sehr nahe“, sagt die Reiterin.

„Bei mir hatte sich im letzten Jahr eine Mutti mit ihrer Tochter beworben“, erinnert sich Annett Kalweit. Das Mädchen hatte zwei Geschwister, wovon eines schwerstbehindert war. Weil dieses Kind sehr viel Aufmerksamkeit bekommen muss, würden die anderen beiden oft zu kurz kommen, habe die Mutter die Bewerbung begründet. „Die Kleine war nach dem Besuch bei uns total glücklich“, erinnert sich Kalweit.

„Wir entscheiden danach, welche Bewerber die Zeit mit den Pferden unserer Meinung nach am meisten gebrauchen können“, so die Reiterinnen. Wann der Besuch auf dem Reiterhof stattfinden kann, hänge von der Pandemie-Situation ab. Bis Heiligabend können über Facebook noch Anfragen gestellt werden an:

Annett Kalweit, über den Account „AnNett M. Kalle“ oder an Grit Laerz mit gleichnamigem Nutzernamen „Grit Laerz“.