Heimatgeschichte

Schnitzel mit viel Gemüse kostete beim Wirt keine drei Mark

Wie die „Ratswaage“ in Wanzleben zum „Kugelblitz“ wurde - Zur Mittagszeit musste Lokal wegen des großen Andrangs abgeschlossen werden.

Von Hartmut Beyer
Ein Blick in die bescheiden ausgestattete „Kugelblitz“-Küche in Wanzleben.
Ein Blick in die bescheiden ausgestattete „Kugelblitz“-Küche in Wanzleben. Hartmut Beyer

Wanzleben. Am Geschwister- Scholl-Platz, schräg gegenüber der Poliklinik, existierte zu DDR-Zeiten eine Gaststätte, die wegen ihres Speisenangebots immer gut besucht war. Die Speisenkarte hatte der Wirt im Kopf, denn die wenigen Gerichte wie Schnitzel, Gulasch oder Roulade konnte man an einer Hand abzählen.

Aber das Essen war schmackhaft und als solide Hausmannskost in der kleinen bescheiden ausgestatteten Küche gekocht worden. Eine Erbsensuppe mit reichlicher Fleischeinlage kostete zwei Mark, ein Schnitzel mit viel Gemüse keine drei Mark. Zur Mittagszeit war die Gaststube oft so voll, dass der Gastwirt Hans Mühlbauer oder seine Frau Johanna abschließen mussten. Erst wenn ein Gast ging, wurde ein neuer eingelassen.

Familiärer Umgang mit Stammgästen

Hans war immer geradehinaus, wie man so sagte. Da passierte es schon mal, dass ein Gast, der ihm zweimal zurief, dass er ein Bier haben möchte, dann auch zwei Bier bekam. Mit den Stammgästen wurde ein familiärer Umgang gepflegt, Fremde waren schon mal über den Ton erschrocken. Manchmal soll er sich auch ohne zu fragen nur mit fragender Mine vor dem Gast aufgestellt haben.

Archiv Walter Götze
Archiv Walter Götze
Die Gaststätte am Geschwister-Scholl-Platz in Wanzleben um das Jahr 1880.

Vor dem Krieg hieß das 1865 auf dem Gelände des Ratssteinbruchs erbaute Gasthaus „Prinz Friedrich Carl“, wo auch 1881 der Turnverein gegründet wurde. Später gab man ihm den Namen „Ratswaage“. Aber kaum jemand sprach von der Ratswaage, wie es an der Fassade stand, man ging zum „Kugelblitz“. Wie es zu diesem Namen kam, dazu wird eine Geschichte erzählt, für die man sich allerdings nicht verbürgen kann.

Wie es zum Namen "Kugelblitz" kam

Es soll passiert sein, als in den 1950er Jahren der Gastwirt Duckstein aus Meyendorf nach Wanzleben kam und die „Ratswaage“ übernahm. Duckstein erzählte dann den Gästen, was in seiner Gaststätte in Meyendorf passiert sein soll. Demnach sei bei einem Gewitter ein Kugelblitz durch das offene Fenster gelangt und auf der Gardinenleiste entlang gerollt.

Er hätte geistesgegenwärtig die Tür aufgerissen, durch die dann der Kugelblitz die Gaststätte wieder verlassen hätte. So blieb die Wanzleber Gaststätte „Ratswaage“ bis zu ihrer Schließung Ende der 1980er Jahre der „Kugelblitz“. In den 1990er Jahren wurde sie abgerissen.