Wanzleben l Der Bahnübergang am Ortseingang von Wanzleben ist vielen Autofahrern ein Dorn im Auge. Wer in Richtung Magdeburg fährt oder eben aus dieser Richtung kommt, bremst sein Fahrzeug unweigerlich fast bis zum Stillstand herunter, um Schäden durch den maroden Bahnübergang zu vermeiden. Ortsunkundige trifft es dabei meist noch härter. Sie fahren mit bis zu 30 Stundenkilometern über den Übergang. Oftmals kann man danach die Fahrzeugführer beobachten, wie sie bei der nächsten Gelegenheit rechts ranfahren und schauen, ob die Autos noch unbeschädigt sind.

Schon lange fordern vor allem Pendler, die den Bahnübergang täglich nutzen müssen, eine Ausbesserung des schadhaften Bauwerks. Auch Anwohner sehen das so, sie schätzen den Übergang als gefährlich und als Unfallquelle ein. „Da haben sich doch sicherlich schon einige das Auto kaputt gefahren“, mutmaßt eine ältere Dame auf dem Parkplatz des nicht weit entfernten Supermarktes. Doch wer ist eigentlich für die Ausbesserung des Bahnübergangs zuständig? Einen verantwortlichen Ansprechpartner zu finden, ist gar nicht so einfach. Bei der ersten Anlaufstelle, der Stadtverwaltung, fällt die Antwort knapp, aber deutlich aus. „Wir haben keine Aktenlage zum Bahnübergang“, äußert sich Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge. Die Stadt sei, auch wenn der Übergang innerhalb der Stadtgrenzen liege, nicht dafür zuständig. Ähnlich äußert sich auch die Landesstraßenbaubehörde (LSBB) Sachsen-Anhalt. „Wir sind ebenfalls nicht für den Bahnübergang an der Landstraße 50 zuständig“, erklärt Stefan Hörold. Er ist bei der LSBB der Regionalbereichsleiter Mitte und somit auch für die Straßen im Landkreis Börde zuständig. „Für Bahnübergänge ist die Deutsche Bahn zuständig.“ Die Zuständigkeit der Behörde ende im konkreten Fall zweieinhalb Meter vor der Außenkante der Schiene. „Wir wissen um den schlechten Zustand des Übergangs. Leider sind uns da die Hände gebunden“, erklärt Hörold. Wenn man könnte, hätte man das Problem bereits längst abgestellt und den Bahnübergang in Wanzleben saniert.

Deutsche Bahn seit 2005 nicht zuständig

Die Suche nach einem zuständigen Ansprechpartner geht weiter. Auch bei der Deutschen Bahn sieht man sich nicht mehr zuständig. „Wir haben unseren Betrieb 2002 auf der Bahnstrecke Eilsleben – Blumenberg eingestellt“, erklärt Pressesprecher Jörg Bönisch. Seit 2005 sei man auch nicht mehr für die Unterhaltung zuständig. „In diesem Jahr wurde die Strecke und somit auch der Bahnübergang von der Deutschen Regionaleisenbahn (DRE) übernommen.“ Damit sei das Unternehmen auch für die Unterhaltung der Infrastruktur zuständig.

„Ja, wir sind zuständig für den Bahnübergang in Wanzleben“, bestätigt Gerhard Curth, der Vorsitzende der Geschäftsführung dieses Unternehmens. „Seit 2005 wird die Strecke von uns unterhalten und auch genutzt.“ Dass der Bahnübergang nicht im besten Zustand sei, wisse er. Das habe ihm die zuständige Bahnwärterei Altmark-Börde-Wendland bestätigt. „Der Deutschen Regionaleisenbahn ist bekannt, dass sich der durch den Lastwagen-Verkehr ständige lädierte Bahnübergang in einem schlechten Zustand befindet“, so Curth. Jedoch sehe man kein hohes Unfallpotenzial. Auch Unfälle, welche durch die Schadstellen ausgelöst wurden, seien nicht bekannt. „Wenn man die verkehrsregelnden Vorgaben einhält, kann auch nichts passieren“, erklärt der Geschäftsführer der DRE. Gemeint sind damit die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten von 30 Stundenkilometer für Kraftfahrzeuge und null Stundenkilometer mit Postensicherung für den Bahnbetrieb.

Keine Sanierung vor Herbst 2021

Trotzdem soll der Bahnübergang mittelfristig instand gesetzt werden. „Jedoch wird das frühestens im dritten Quartal 2021 geschehen“, erklärt Gerhard Curth weiter.

Aufgrund planerischer und administrativer Implikationen sei eine frühere Sanierung einfach nicht möglich. Dennoch hat der Geschäftsführer der Deutschen Regionaleisenbahn auch eine kleine gute Nachricht für alle Pendler. „Die Mitarbeiter unserer Bahnwärterei werden noch im Oktober dieses Jahres Jahr eine Reparatur vornehmen, um zumindest die schlimmsten Stellen zu beheben.“