Seehausen l Entschlossene Gesichter am Freitagvormittag bei den etwa 150 Beschäftigten der Hydraulik Seehausen GmbH. Die Männer hatten sich vor dem Werktor in der Wanzlebener Allee versammelt, um nach Streiks im Oktober und Februar zum dritten Mal in kurzer Folge die Arbeit niederzulegen. Der Warnstreik der Belegschaft dauerte am Freitag von 8.30 Uhr bis Mitternacht.

„Dass, was wir hier machen ist Notwehr und ein Hilfeschrei in Richtung Eigner“, rief Janek Tomaschefski, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Halberstadt, den Hydraulik-Beschäftigten zu. Es könne aus Sicht der Metaller nicht angehen, dass sich Eigner Hans-Georg Nussbaum auf Kosten der Belegschaft die Tasche fülle. Die Gewerkschaft werfe der Otto Nußbaum GmbH & Co. KG, zu der Hydraulik Seehausen gehört, vor, Dumpinglöhne zu zahlen. Wenn nötig, werde es in Seehausen weitere Streiks geben, sagte Tomaschefski.

40 Prozent unter Durchschnittslohn

„In Maschinen wurde nicht investiert und eure Löhne sind auch nicht gestiegen. Irgendwo muss das von euch erwirtschaftete Geld ja bleiben“, verdeutlichte Tomaschefski. Die Geschäftsführung habe die Forderung der IG Metall mehrfach abgelehnt, durch einen abzuschließenden Tarifvertrag die Entgelte der Seehäuser Beschäftigten zu erhöhen. Ohne eine tarifliche Anpassung der Löhne werde sich die demografische Entwicklung im Unternehmen besonders drastisch verschärfen. Tomaschefski befürchte, dass besonders junge Leute kündigen würden, wenn sich ihr Lohn nicht erhöhe. Damit stehe der Fortbestand der Hydraulik Seehausen auf dem Spiel. Verschärfend komme die Ankündigung von Unternehmensinhaber Hans-Georg Nussbaum hinzu, die Produktion von Hebebühnen von Seehausen an den Firmensitz nach Kehl-Bodersweier in Baden-Württemberg zu verlagern. Diese Ankündigung habe Nussbaum zu Wochenbeginn nach Gewerkschaftsangaben bei einer Informationsveranstaltung vor der Seehäuser Belegschaft gemacht.

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Für die etwa 150 Beschäftigten in Seehausen sei es nach den Worten Tomaschefskis schier unverständlich, dass ihr Arbeitgeber ihre Forderungen einfach ignoriere. Insbesondere wegen der aktuell gezahlten Dumpinglöhne, die teilweise etwa 40 Prozent unter dem Durchschnittslohn des produzierenden Gewerbes sowie allen Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt liegen würden. Aufgrund der speziellen Fertigungstiefe und des benötigten Spezialwissens zur Fertigung der Produkte seien die Beschäftigten für den Betrieb eine unverzichtbare Ressource.

„Das Lohnniveau ist durchaus verbesserungswürdig, aber die wirtschaftlichen Voraussetzungen sind dazu derzeit noch nicht gegeben“, sagte Klaus Bittner, Geschäftsführer der Hydraulik Seehausen GmbH, auf Anfrage der Volksstimme. Allerdings seien es keine Dumping-Löhne, die gezahlt würden. „In meiner Verantwortung für das Unternehmen werbe ich um Verständnis bei Gewerkschaft und Arbeitnehmern für die Unternehmenssituation. Der Streik schädigt das Unternehmen und untergräbt das Vertrauen, das bisher seitens des Gesellschafters und der Geschäftsführung den Mitarbeitern entgegengebracht wurde“, verdeutlichte Bittner seinen Standpunkt.