Schulstandorte in Stadt Wanzleben-Börde in Gefahr

Zu wenige Kinder werden in den Grundschulen Klein Wanzleben und Domersleben eingeschult

Grundschulstandorte in Domersleben und Klein Wanzleben sinken künftig unter die Vorgaben des Landesschulamtes. Symbolfoto: dpa

Klein Wanzleben/Domersleben

Ob Eltern ihre Kinder langfristig in die Grundschulen in Klein Wanzleben und Domersleben schicken können, steht derzeit auf der Kippe. Künftig kommen dort zu wenige Schüler in die ersten Klassen. Aus diesem Grund spricht der Sozialamtsleiter der Stadt Wanzleben-Börde, Kai Pluntke, mit den Ortschaftsräten über mögliche Lösungen zum Standorterhalt.

Demnach gebe es laut Schulgesetz die Möglichkeit, einen Schulverbund zusammen mit einem größeren, nicht gefährdeten, Schulstandort zu bilden. Der Hauptstandort müsse in diesem Fall eine Mindestanzahl von insgesamt 80 Schülern aufweisen, weshalb nur die Grundschule in der Stadt Wanzleben dafür in Frage komme, so Pluntke. Der Teilstandort müsse wenigstens 40 Kinder umfassen. Ein Schulverbund könne laut Schulgesetz aber nur mit jeweils einem Haupt- und einem Teilstandort gebildet werden. Der Sozialamtsleiter weiter: „Das würde bedeuten, dass eine der besagten Schulen bereits auf der Strecke bleibt, sollten sich die Schülerzahlen nach jetzigem Stand so weiter entwickeln“, sagt der Sozialamtsleiter.

Schulverbund könnte Standorte erhalten

Als Alternative nannte Pluntke die Möglichkeit eines sogenannten Schulversuches, der über fünf Jahre wissenschaftlich begleitet würde. Die Stadt könnte demnach beim Landesschulamt beantragen, einen Schulversuch zum Schulverbund zu installieren, bestehend aus einem Haupt- und zwei Nebenstandorten. Ein entscheidender Nachteil wäre aber, dass es nur noch einen Schulleiter für alle drei Standorte geben würde.

Zudem richtet sich die Anzahl der vom Land zugewiesenen Lehrer nach der Anzahl der Schüler an einem Standort. Bei weiter sinkenden Schülerzahlen besteht also die Gefahr, dass es keine vier Klassen an den Teilstandorten mehr geben könnte, sondern jahrgangsübergreifend unterrichtet werden muss, beispielsweise eine erste und eine zweite Klasse zusammengelegt werden. „Das ist ein mögliches Szenario“, erklärt Kai Pluntke .

Es müsse abgewogen werden, ob man den Schülern so eine Situation zumuten möchte oder ob die Grundschüler nicht doch eher davon profitieren, mit dem Bus eine Schule mit höherem Bildungsniveau anzufahren, so der Einwand der Klein Wanzleber Ortschaftsräte. Eine Mutter argumentierte während der Sitzung, sie würde ihr Kind lieber auf eine private Grundschule schicken, als es jahrgangsübergreifendem Unterricht auszusetzen.

„Diese Diskussion passt mir überhaupt nicht, im ländlichen Raum wird die Daseinsfürsorge zunehmend ausgedünnt, jetzt auch noch die Grundschule“, mahnte Ortschaftsrat Horst Lux an. Wenn es im ländlichen Raum keine Lebensqualität mehr gibe, dann ziehe auch keiner mehr her und dann werden es auch nicht mehr Kinder, so Lux.

Neue Wohngebiete fördern Zuzug von Familien mit Kindern

Einvernehmen herrschte im Ortschaftsrat darüber, dass die Erschließung neuer Wohngebiete Abhilfe schaffen könnte, da sich Klein Wanzleben im Speckgürtel von Magdeburg befindet und Familien mit Kindern sich dort ansiedeln würden. Nach langer Diskussion lehnten die Klein Wanzleber Ortschaftsräte die Informationsvorlage einstimmig ab. Man möchte lieber einen eigenständigen Schulstandort erhalten.

Zum Hintergrund: Die Stadt Wanzleben-Börde berät mit den Ortsteilen über dieses Thema zum jetzigen Zeitpunkt, weil die Schulentwicklungsplanung für die Stadt Wanzleben-Börde in diesem Jahr fortgeschrieben werden muss und im Stadtrat am 8. Juli beschlossen werden soll.

Seit 2011 existiert ein Stadtratsbeschluss, der besagt, dass alle fünf Grundschulstandorte in der Einheitsgemeinde erhalten bleiben. Entsprechend der Schulentwicklungsplanungsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt 2022 müssen zwei Werte erfüllt werden. Es müssen pro Schuljahr mindestens 15 Kinder eingeschult werden. Die Gesamtschüleranzahl einer Grundschule darf demnach die Zahl 60 nicht unterschreiten. „Betrachtet man also die nackten Zahlen, sind die Standorte Klein Wanzleben und Domersleben bestandsgefährdet“, sagt Kai Pluntke. Zwar könne eine hundertprozentige Prognose nicht gestellt werden, weil die Zahlen durch Zu- und Abzüge schwanken. Betrachte man die Entwicklung jedoch nach dem aktuellen Stand, müsse man jetzt handeln, so der Leiter des Sozialamtes.

Der Landkreis Börde habe mehrmals mitgeteilt, dass sich kein Einvernehmen bei diesen Schülerzahlen herstellen lassen wird. Zudem habe die Stadt Wanzleben-Börde eine Schulbezirkssatzung zur Prüfung beim Landesschulamt eingereicht. Die Rückmeldung habe ebenfalls gelautet, dass die Satzung unter Betrachtung der jetzigen Schülerzahlen beanstandet werden würde, so der Sozialamtsaleiter weiter. Wird der Vorschlag des Schulversuchs nicht in die Schulentwicklungsplanung aufgenommen, gehen die Standorte das Risiko einer Schließung ihrer Grundschulen ein. Für die Grundschule Klein Wanzleben musste bereits für das laufende Schuljahr eine Ausnahmegenehmigung erwirkt werden, da 2020 weniger als 15 Schüler eingeschult wurden. „Dauerhaft werden wir diese Ausnahmegenehmigungen nicht erhalten“, ist sich Kai Pluntke sicher. Sei die Schule erst einmal geschlossen, dann bleibt sie geschlossen.